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Dermatologie 25. November 2015

Erscheinungsfreiheit als Therapieziel

Die Mehrzahl der Patienten ist unzufrieden mit der derzeitigen Behandlung. 

In Österreich sind geschätzte  250.000 Personen von Psoriasis betroffen. „In den letzten Jahren hat es  eine Revolution der verfügbaren Therapieoptionen für Psoriasis gegeben  und viele weitere sind derzeit in klinischer Entwicklung oder ab sofort  für Patienten verfügbar. Für immer  mehr Patienten ist fast erscheinungsfreie oder sogar völlig erscheinungsfreie Haut ein realistisches Therapieziel. Doch der Einsatz der verfügbaren Therapie-Optionen entspricht noch  immer in vielen Fällen nicht den Leitlinien – Unterversorgung und Therapieverzögerungen sind häufig“, beschrieb  Prof. Dr. Kristian Reich, Leiter des Dermatologikums in Hamburg die aktuelle Situation.  

Umfrage-Ergebnisse

Eine im Auftrag von Novartis durchgeführte Umfrage zeigt, dass das Bewusstsein dafür, dass Psoriasis keine  reine Hauterkrankung ist, auch unter  Betroffenen sehr gering ausgeprägt  ist, wie Dr. Wolfgang Bonitz, Medical  Director von Novartis Pharma darlegte:  „Knapp 60 Prozent der befragten Psoriasis-Patienten stimmten der Aussage  zu, dass die Erkrankung „unangenehm  und lästig, aber im Prinzip harmlos“ ist,  nur 25  Prozent wussten, dass Schuppenflechte oft auch mit Gelenkserkrankungen verbunden ist, nicht einmal 20 %, dass Psoriasis häufig auch  mit anderen Begleiterkrankungen wie Diabetes oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen, verbunden ist.“ Auffällig an  den Ergebnissen der Umfrage ist auch,  dass viele der Psoriasis-Patienten angaben, derzeit keinerlei Therapie zu  er halten – und von denen, die aktuell eine Therapie bekommen, lediglich  gut ein Drittel angab, mit deren Erfolg  zufrieden zu sein, nur 13 % davon sehr zufrieden.

Versorgungssituation in Österreich  

Ein Grund dafür dürfte die verbesserungswürdige Versorgungssituation in Österreich sein, wie Doz. Dr.  Paul-Gunther Sator, Leiter der Ambulanz für Psoriasis am Krankenhaus  Hietzing in Wien, darlegte: „Die Ergebnisse des ‚European Dermatology  Health Care Survey 2013‘ zeigen, dass Österreich zwar einen Spitzenplatz im  europäischen Vergleich innehat hinsichtlich der Anzahl an Dermatologen pro Einwohner, gleichzeitig aber  nur rund 30 % davon angaben, auch  Biologika für die Therapie von Schuppenflechte zu verordnen. Damit liegt  Österreich zwar immer noch über dem europäischen Durchschnitt, aber es  zeigt sich doch, dass der Zugang zu innovativen Therapieoptionen nicht zuletzt auch stark von der Wahl des Arztes abhängt. Hinzu kommt ein starkes  Stadt-Land-Gefälle was den Zugang zu  innovativen Therapien betrifft – in den Städten, insbesondere in den spezialisierten Psoriasis-Ambulanzen, ist der Zugang gut, aber im ländlichen Bereich, wo die Dichte an spezialisierten  Dermatologen generell sehr viel geringer ist, besteht oft noch Aufholbedarf.“  Und noch ein zweiter Aspekt ist Sator besonders wichtig: „Häufig beobachte ich, dass noch immer Angst vor innovativen Therapieoptionen, insbesondere Biologika, herrscht. Hier ist ebenfalls Aufklärungsbedarf gegeben, denn viele Ängste sind heute  längst überholt, die verfügbaren Therapieoptionen wirken nicht nur immer effektiver, sondern auch immer zielgerichteter und setzen damit immer punktgenauer an jenen Schaltstellen des Immunsystems an, die eine Schlüsselrolle für die Entstehung von Schuppenflechte und ihre Begleiterkrankungen spielen.“

Ziel der Behandlung

„Weitgehende Erscheinungsfreiheit  wird künftig für viele Betroffene ein realistisches Therapieziel sein. Für die Patienten bedeutet dieses Ausmaß der  Besserung, dass der Betroffene nicht  mehr sieht, dass er Schuppenflechte  hat.“ Und doch herrscht auf dem Weg  dorthin noch viel Handlungsbedarf,  wie Reich betont: „Die aktuell geltenden Guidelines definieren PASI75 als  Therapieziel, also eine 75-prozentige  Reduktion der Krankheitsaktivität vom  Ausgangswert. Diese müssen aktualisiert, PASI90 als neues Therapieziel definiert werden. Viel wichtiger aber ist,  dass die Guidelines auch wirklich in der klinischen Praxis auf breiter Basis umgesetzt werden und möglichst viele Patienten rasch Zugang zu innovativen Therapien erhalten. Dazu zählt ein immer breiteres Therapiespektrum mit so genannten „small molecules“ und  zielgerichteten Therapien, die ein immer schnelleres Ansprechen und eine  immer effektivere Reduktion wichtiger  Krankheitssymptome ermöglichen.  Ziel ist, dem Patienten eine sichere  und wirksame Langzeittherapie bei  weitgehender Erscheinungsfreiheit zu  ermöglichen – und so die Beeinträchtigung der Lebensqualität durch die  Erkrankung zu minimieren.“ 

Quelle: Pressegepräch „Schuppenflechte: Ist Erscheinungsfreiheit ein realistisches Therapieziel?“, Wien, 2. Oktober 2015

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