zur Navigation zum Inhalt
 
Dermatologie 25. November 2015

Durch Interferon induzierte akute Sarkoidose bei malignem Melanom

Seltene unerwünschte Arzneimittelwirkung auf Interferon α-2a

Bei einer 60-jährigen Patientin wurde nach Entfernung einer subkutanen Melanommetastase im Bereich des linken Ellbogens eine adjuvante, niedrig dosierte Therapie mit Interferon α-2a (Roferon-A®) eingeleitet. Sie erhielt 3 Mio. Einheiten 3-mal pro Woche. Zuvor wurde ein Staging mit PET-CT durchgeführt, in welchem sich keine pathologisch hypermetabolen Herde zeigten. Aufgrund von unerwünschten Arzneimittelwirkungen wie Abgeschlagenheit und grippeähnlichen Symptomen wurde die Interferontherapie nach 4 Monaten beendet. Im anschließend durchgeführten PET-CT fielen im Mediastinum und im Oberbauch multiple pathologisch hypermetabole Lymphknoten sowie über den Lungenfeldern pathologisch hypermetabole rundherdartige Verdichtungen auf. Die histologische Aufarbeitung entnommener Gewebeproben aus derartigen Herden ergab einen epitheloidzelligen, granulomatösen Entzündungsprozess vom Sarkoidosetyp. Die Patientin hat eine akute Sarkoidose als (seltene) unerwünschte Arzneimittelwirkung auf Interferon α-2a entwickelt.

Abstract

Following the removal of a subcutaneous melanoma metastasis near the left elbow of a 60-year-old woman, low-dose adjuvant therapy with interferon α-2a (Roferon-A®) was initiated. She received 3 million units three times a week. Prior to initiation of treatment, staging with PET-CT showed no pathologically hypermetabolic lesions. Because of adverse drug side effects such as fatigue and flu-like symptoms, interferon therapy was terminated after 4 months. In a subsequently performed PET-CT, multiple pathological hypermetabolic lymph nodes were found in the mediastinum and upper abdomen, while round, hypermetabolic lesions were identified in the lung fields. Histological examination of the tissue samples showed an epithelioid cellular granulomatous inflammation process of the sarcoidosis type. The patient had developed acute sarcoidosis as a (rare) adverse drug reaction to interferon α-2a.

Bei der 60-jährigen Patientin wurde im November 2013 eine Hüft-TEP-Operation rechts an der orthopädischen Abteilung durchgeführt. Im Rahmen der Hüftoperation wurde von den Orthopäden außerdem im Bereich des linken Ellbogens ein subkutaner Tumor exzidiert. Die histologische Aufarbeitung ergab eine subkutane Melanommetastase ohne V 600 Mutation des BRAF-Gens.

Anamnese

Die Patientin wurde Anfang Januar 2014 an der dermatologischen Abteilung vorstellig. Anamnestisch war zu erheben, dass im Ellbogenbereich links zuvor eine asymmetrische Pigmentläsion mit Blutungsneigung bestanden habe, die dann plötzlich verschwunden sei. Anschließend habe die Patientin das Wachstum eines subkutanen Knotens in diesem Bereich bemerkt.

Es wurde unsererseits ein Staging mit PET-CT durchgeführt, in welchem keine pathologisch hypermetabolen Herde abgrenzbar waren. Der Tumormarker S 100 war im Normbereich und auch im Hautstatus fielen keine suspekten Pigmentläsionen auf.

Therapie

Die Patientin war bisher gesund und hatte keine Dauermedikation eingenommen. Es wurde eine adjuvante, niedrig dosierte Therapie mit Interferon α-2a (Roferon-A®) 3 Mio. Einheiten 3-mal pro Woche eingeleitet.

Unter der Therapie mit Roferon-A® kam es initial zu einer Leukozytopenie. Die Patientin berichtete, unter einem Leistungsknick, Abgeschlagenheit sowie persistierenden grippeähnlichen Symptomen zu leiden, was die Bewältigung ihres Alltages beeinflusste. Die Dosis wurde daraufhin auf 3 Mio. Einheiten 2-mal pro Woche reduziert. Darunter kam es wieder zu einer Normalisierung der neutrophilen Granulozyten, die übrigen Nebenwirkungen blieben jedoch bestehen.

Im Mai 2014 wurde dann nach 4 Monaten die Therapie mit Roferon-A® auf Wunsch der Patientin beendet. Im selben Monat wurde außerdem ein kleines Staging durchgeführt, in welchem sich die axillären Lymphknotenstationen sowie der Bereich des linken Ellbogens sonographisch unauffällig darstellten.

Auffälligkeit bei der Kontrolluntersuchung

Im August 2014 wurden erneut eine Melanomnachsorgekontrolle und ein PET-CT durchgeführt. Bei der klinischen Untersuchung fiel diesmal im Hautstatus plantar links ein subkutaner Knoten mit einem Durchmesser von etwa 2 cm auf. Subjektiv bestand ein gutes Allgemeinbefinden der Patientin.

Im PET-CT zeigte sich eine deutliche Befundverschlechterung im Vergleich zur Voruntersuchung im Januar 2014 (Abb.  1 ). An sämtlichen Lokalisationen des Mediastinums sowie auch hilär und im Oberbauch paraaortal beidseits fielen pathologisch vergrößerte, wie auch deutlich pathologisch hypermetabole Lymphknoten auf. Über beiden Lungenfeldern imponierten teils rundherdartige, hypermetabole Verdichtungen. Auch der klinisch suspekte Knoten an der linken Fußsohle stellte sich pathologisch hypermetabol dar. Das ebenfalls durchgeführte Schädel-CT und S 100 waren unauffällig.

Diagnose

Aufgrund dieser Bilder stellten wir die Verdachtsdiagnose eines metastasierten Melanoms und führten zur Diagnosesicherung eine Stanzbiopsie des Knotens links plantar durch. Die histologische Aufarbeitung zeigte nicht wie erwartet eine Melanommetastase, sondern einen epitheloidzelligen, granulomatösen Entzündungsprozess vom Sarkoidosetyp (s. Abb.  2 ).

In weiterer Folge wurden an der Lungenabteilung Lymphknotenbiopsien mittels Ebus-Technik aus den subkarinalen Lymphknoten und eine bronchoalveoläre Lavage durchgeführt. Auch hier ergab die histologische Aufarbeitung der entnommenen Gewebeproben eine Sarkoidose. Dazu passend zeigte sich in der bronchoalveolären Lavage ein sarkoidosetypischer Befund: eine lymphozytäre Alveolitis mit deutlich überwiegenden CD4-Zellen.

Die initial gestellte Verdachtsdiagnose eines metastasierten Melanoms wurde durch das histologische Ergebnis widerlegt. Es konnte nun die Diagnose einer akuten Sarkoidose als unerwünschte Arzneimittelwirkung einer adjuvanten Therapie mit Interferon α-2a gestellt werden.

Da weder eine kardiale Beteiligung noch eine Augenbeteiligung der Sarkoidose vorlag und die Patientin keine Symptome hatte, war diesbezüglich keine Therapie erforderlich. Im Februar 2015 wurde im Rahmen einer Melanomnachsorgekontrolle erneut ein PET-CT durchgeführt, in welchem sämtliche zuvor beschriebenen hypermetabolen Herde nicht mehr nachgewiesen werden konnten.

Fazit für die Praxis

Dieser Fall zeigt, dass unter einer Interferontherapie an die Entstehung einer Sarkoidose als (seltene) unerwünschte Arzneimittelwirkung gedacht werden muss, damit Sarkoidoseherde nicht mit Melanommetastasen verwechselt werden.

Einhaltung ethischer Richtlinien

Interessenkonflikt

M. Frömmel gibt an, dass kein Interessenkonflikt besteht.

Dieser Beitrag beinhaltet keine Studien an Menschen oder Tieren.  

hn4_15_Interfon

Abb. 1: Im PET-CT sichtbare Befundverschlechterung: Januar und August 2014. (© Klinikum Wels-Grieskirchen) 

hn4_15_Abb2_Interferon

Abb. 2: Histologie des Knotens der Fußsohle: epitheloidzelliger, granulomatöser Entzündungsprozess vom Sarkoidosetyp. (© Klinikum Wels-Grieskirchen)

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben