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Dermatologie 1. September 2015

Pilze sind überall

Prof. Dr. Daisy Kopera von der Universitätsklinik für Dermatologie und Venerologie, Graz, im Gespräch über infektiöse Pilzerkrankungen. 

Hautnah. Was sind häufige Erreger von Pilzerkrankungen?


Kopera. Häufige Erreger sind Dermatophyten, allen voran das Trichophyton rubrum, ein Pilz, der neben der Haut auch Nägel und Haare befällt. Im Sommer, wenn mehr geschwitzt wird, führen oft Hefepilze – vor allem Candida albicans – zu Problemen. Infizieren kann man sich praktisch überall. Pilze mögen Feuchtigkeit und Orte, an denen viele Menschen zusammenkommen und wo noch dazu geschwitzt wird, dort ist das Ansteckungsrisiko entsprechend erhöht. Am anfälligsten für eine Infektion sind vorgeschädigte Hautstellen – ausgetrocknete Haut, alte Haut oder Hautstellen mit kleinen Verletzungen und Rissen. Besonders häufig kommt es zu einer Infektion der Füße – zum „Fußpilz“, weil Füße in Kunststoffschuhen vermehrt schwitzen und einen wunderbaren Nährboden für Pilze bieten. Bei älteren Diabetikern ist zu bedenken, dass ein Fußpilz die häufigste Eintrittspforte für andere Keime darstellt – wie zum Beispiel für Streptokokken, die Rotlauf (Erysipel) verursachen.

„Am anfälligsten für eine Infektion  sind vorgeschädigte Hautstellen –  ausgetrocknete Haut, alte Haut  oder Hautstellen mit kleinen Verletzungen und Rissen. “

Ein anderer Pilz, mit dem wir immer wieder konfrontiert werden, ist Microsporum canis . Dieser Pilz kann von Nagetieren auf den Menschen übertragen  werden. Das spielt vor allem bei Kindern eine Rolle, die Hasen oder Hamster als Haustiere halten. Sind die Nagetiere von Pilzen befallen, können auch die Besitzer erkranken. Microsporum canis kann sehr hartnäckig sein und ist hoch infektiös: Erkrankte Kinder können auch andere Kinder, zum Beispiel im Kindergarten, anstecken. Daher empfiehlt sich, wenn ein Kind an der behaarten Kopfhaut kahle, scheibenförmige, leicht schuppende Stellen zeigt, auch das Umfeld zu überprüfen. Im Zusammenhang mit der Landwirtschaft ist die von Trichophyton verrucosum hervorgerufene Kälberflechte von Bedeutung. Der vor allem bei Rindern auftretende Pilz kann auch humanpathogen wirken. Landwirte zeigen bei einer Infektion, auch im Bartbereich, eine Rötung der Haut, Entzündung und Sekretabsonderung.

Hautnah. Was sind Symptome einer Pilzinfektion?


Kopera. Die Symptome sind verhältnismäßig gering. Eine Infektion mit Hefepilzen äußert sich zunächst nur durch Rötungen, winzige Bläschen und Schuppung der Haut. Trichophyten führen zu einer geröteten, schuppenden Haut. Schmerzen treten praktisch nicht auf, Juckreiz ist möglich, muss aber nicht auftreten. Verifizieren lässt sich ein Pilzbefall, wenn eine Blickdiagnose nicht ausreicht, mit einem Abstrich und einer Pilzkultur. Das ist vor allem sinnvoll, wenn Urlauber ein „Souvenir“ aus den Tropen mitbringen, da dies hierzulande womöglich unübliche Pilzarten sind. Im Zusammenhang mit dem Fußpilz setzt sich häufig auch ein Nagelpilz fest. Der Befall der Nägel ist schmerzlos und führt zu einer Verdickung und Verfärbung der Nagelplatte, die von älteren Menschen oft nicht bemerkt oder nicht ernst genommen wird. Eine Pilzerkrankung kann also leicht übersehen werden. Patienten, die nicht sehr auf  sich achten, werden erst auf eine Pilzerkrankung aufmerksam, wenn ihre Beschwerden sich verschlechtern – wenn etwa größere Risse entstehen oder es zu einer Superinfektion kommt.

„Pilze mögen Feuchtigkeit und Orte, an denen viele Menschen  zusammenkommen. “

Hautnah. Wie wird ein Pilzbefall üblicherweise behandelt?


Kopera. Eine Erkrankung der Haut lässt sich mit einer entsprechenden Creme oder Lösung gut in den Griff bekommen. Die Therapie eines Nagelpilzes erfordert den Einsatz systemisch wirksamer Präparate. Gefährlich ist ein Fußpilz nicht, aber er ist ein potenzieller Lieferant für Pilzsporen, die sich auf andere Körperstellen ausbreiten können. Meist erfolgt eine Ausbreitung am Körper; in den Körper dringen Pilze nur bei Abwehrschwäche ein. Prophylaktisch werden gegen Fußpilz Fußbäder mit desinfizierenden Zusätzen empfohlen. Wer besonders vorsichtig sein möchte, verwendet einen antimykotischen Zusatz im Fußbad. Wenn die Füße bereits schuppende Stellen zeigen, sollte ein bis zwei Mal täglich eine Creme aufgetragen werden. Wichtig ist dabei eine regelmäßige Anwendung über mehrere Wochen. Nagelpilz kann meist nur systemisch behandelt werden, weil Nägel langsam wachsen und die für eine äußerliche Behandlung nötige Compliance (konsequente Mitarbeit der Patienten) oft nicht gewährleistet ist. Wer einen Pilznagellack verwendet, sollte ihn mindestens einmal pro Woche mit Nagellackentferner abnehmen und neu auftragen, damit eine ausreichende Wirksamkeit gegeben ist. Bei Hefepilzinfektionen in den Leisten, den Bauchfalten oder unter der Brust – überall dort, wo Haut auf Haut reibt – empfiehlt sich, eine Paste mit einem Antimykotikum einzusetzen.

„Prophylaktisch werden gegen Fußpilz Fußbäder mit desinfizie - renden Zusätzen empfohlen. “

Resistenzen gegen Antimykotika gibt es praktisch nicht. Sollte ein besonders hartnäckiger Pilz auf ein Präpara  nicht ansprechen, wird der Wirkstoff gewechselt. Antimykotika wie Flutrimazol sind gegen eine Vielzahl an Pilzen einsetzbar. Wichtiger als der Wirkstoff ist generell die Zubereitungsart: In manchen Körperregionen wird besser eine Paste, in anderen lieber eine Creme verwendet.

Hautnah. Antimykotika werden auch  bei Kopfhautschuppen eingesetzt ...?


Kopera. Richtig. Die physiologische Flora der Kopf- und Gesichtshaut besteht, ebenso wie die Flora der übrigen Hautoberfläche, aus bestimmten Keimen – verschiedenen Kokken und nicht pathogenen Hefepilzen etwa. Diese natürliche Besiedelung der Haut kann unter bestimmten Bedingungen pathogen werden. Produziert die Haut viel Talg oder wird viel geschwitzt, vermehren sich gutartige Keime übermäßig und können seborrhoische Dermatitis und Kopfschuppen verursachen. Antimykotika können dann helfen, ein übermäßiges Pilzwachstum wieder auf ein normales Maß zu reduzieren.

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