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Schwimmbadbesucher sind häufig von Fußpilz betroffen.
 
Dermatologie 18. August 2015

Ausdauer bei der Behandlung

Risikofaktoren und Beratungsaspekte bei Fuß- und Nagelpilz

Nagelpilz ist bei manchen chronischen Erkrankungen eine häufige Begleiterscheinung und stellt in manchen Fällen selbst ein Risiko für schwere Infektionen dar. Viele Diabetiker entwickeln sekundär Nagelmykosen. Im Gespräch mit dem Kunden können Ursachen und weitere Empfehlungen sondiert werden.

Durch Pilze hervorgerufene Infektionskrankheiten, können ihren Wirt häufig nur dann schädigen, wenn seine Immunabwehr geschwächt ist, wie es beispielsweise der Fall bei Diabetikern oder Menschen ist, die dauerhaft Glukokortikoide oder andere Immunsuppressiva einnehmen. Das Ausmaß und die Art der Ausbreitung hängen von der Stärke der körperlichen Abwehr ab.

Dermatophyten, auch Fadenpilze genannt, weil sie fadenartige Zellen (Hyphen) bilden, ernähren sich von Kohlenhydraten und Keratin (Hornsubstanz). Dementsprechend besiedeln sie Haare, Nägel und Hornhaut. Für den Menschen sind die drei Gattungen Microsporum, Trichophyton und Epidermophyton von Bedeutung. Sie lösen mehr als 80 Prozent aller Infektionen von Haut, Haaren und Nägeln aus. Dermatophytosen werden als Tinea bezeichnet und verlaufen nur sehr selten invasiv.

Die häufigste Mykose des Menschen ist der Fußpilz, von dem besonders Sportler oder Schwimmbadbenutzer betroffen sind. Die Infektion wird durch das feuchte Mikroklima in den Sportschuhen, Druckstellen mit schlechter Durchblutung, Schwitzen und ausgelaugte, aufgequollene Haut begünstigt, wie sie im gechlorten Schwimmbadbereich leicht entsteht. Vor allem, wenn Haut auf Haut liegt und eine feuchte Kammer bildet, hat der Erreger gute Startbedingungen. Dies ist beispielsweise im Zwischenzehenbereich der Fall. Das Aufquellen der Haut sowie eine geringere Körpertemperatur an den Extremitätenspitzen mindern die lokale Abwehrleistung. So entsteht meist zwischen dem vierten und fünften Zeh eine typische Eintrittspforte.

Die Dermatophyten (z. B. Trichophyton rubrum) gelangen durch den Kontakt mit infizierten Hautschuppen an den Ort des Geschehens. Ein Kontakt lässt sich nicht vermeiden, da sie ubiquitär vorkommen. Doch geeignete Maßnahmen können das Infektionsrisiko senken

Risikofaktoren. Bewegungsmangel und Rauchen senken die Durchblutung und damit die Abwehrleistung des Körpers. Damit steigt das Risiko für eine Fußpilzinfektion. Vor allem Menschen mit Diabetes und peripheren Durchblutungsstörungen sollten das Problem im Auge behalten und ihre Füße regelmäßig auf die Symptome untersuchen.

Symptome. Die Haut im mazerierten Zwischenzehenbereich ist gerötet, schuppig und juckt. Kleine Einrisse entstehen, die beim Kontakt mit Seifenlauge brennen. Auch eine Bläschenbildung ist möglich sowie ein unangenehmer Geruch. Unbehandelt kann eine Tinea pedis chronifizieren. Das zeigt sich in einem mokassinähnlichen Verdickungsmuster der verhornten Fußsohle mit starker Schuppenbildung.

Cave. Eine akute Fußpilzinfektion scheint vielen Menschen zwar lästig aber nicht dramatisch. Doch Handeln ist angezeigt, da sich der Pilz auf Fußsohle und Nagel weiter ausbreiten kann und die infizierten Bereiche Eintrittspforten für weitere Erreger bilden. Im Anfangsstadium lässt sich Fußpilz noch gut in der Selbstmedikation behandeln. Ist jedoch bereits die Fußsohle befallen, sollten die Maßnahmen unter ärztlicher Kontrolle erfolgen. Auch beim Auftreten von Bläschen an den Seiten oder dem Rücken des Fußes ist ein Arztbesuch zu empfehlen, da es sich vermutlich um eine Kombination aus Infektion und allergischer Reaktion handelt.

Nagelpilz

Eine Pilzerkrankung von Nagelbett und Nagelplatte, die Onychomykose betrifft die Zehennägel etwa zehnmal häufiger als die Fingernägel. Mehr als die Hälfte davon wird durch Dermatophyten verursacht und dementsprechend als Tinea unguium charakterisiert. Seltener sind Hefen oder Schimmelpilze Auslöser. Im Bereich der Zehennägel geht die Mykose fast immer mit einem Fußpilz einher. Zudem bilden die erkrankten Nägel das Reservoir für spätere Fußpilzrezidive.

Drei Typen. Je nach Befallsmuster werden verschiedene Nagelpilztypen unterschieden. Am häufigsten ist die distale subunguale Onychomykose, bei der die Infektion am vorderen Nagelrand beginnt und sich in Richtung Nagelmatrix ausbreitet. Verläuft der Erkrankungsweg in umgekehrter Richtung, beginnend an der Nagelmatrix, spricht man von der proximalen subungualen Onychomykose. Diese tritt gehäuft bei immunsupprimierten Menschen auf. Der dritte Typus, eine weiße, oberflächliche Onychomykose, wird durch den Pilz Trichophyton mentagrophytes verursacht.

Risikofaktoren. Neben den Risiken, die für die Entstehung eines Fußpilzes verantwortlich sind, kommen zunehmendes Alter und Schuhwerk, bei dem die Nägel gedruckt oder gestaucht werden, hinzu, ebenso eine vorliegende Nagelwachstumsstörung sowie eine genetische Veranlagung.

Symptome. Die keratinliebenden Pilze zerstören nach und nach die Nagelsubstanz, die zu einer krümeligen, gelblich-weißen Masse zerfällt. Erstes Warnzeichen ist der Verlust des Nagelglanzes, gefolgt von einer Verdickung und Verhärtung der Nagelplatte, die sich im Verlauf vollständig abheben kann.

Therapie

Nur bei lokalem Befall von Haut und Schleimhäuten kann die Selbstmedikation zur Anwendung kommen und auch nur, wenn die Lage eindeutig ist und noch keine chronischen Zustände erreicht sind. In der Selbstmedikation stehen zahlreiche Antimykotika zur Verfügung in vielfältigen Darreichungsformen. Häufigster Anwendungsfehler ist ein zu früher Therapieabbruch, der zu Rezidiven führt. Daher sollte immer auf die jeweiligen Behandlungsmodalitäten hingewiesen werden.

Haut- und Fußpilz. Etwa drei bis vier Wochen braucht es, bis die Haut sämtliche Zellen inklusive Hornschicht komplett erneuert und damit alle Pilzsporen abgestoßen hat. Dementsprechend lang muss die Therapie in der Regel auch nach dem schnellen Abklingen der Symptome fortgeführt werden, zumal die in der Lokaltherapie von Dermatophyten verwendeten Wirkstoffe meist nur einen fungistatischen Effekt haben, also nur den Pilz während der Vermehrung stören und ihn nicht abtöten. Infrage kommende Wirkstoffe sind zum Beispiel Clotrimazol, Bifonazol, Ketoconazol, Amorolfin und Terbinafin. Letzteres gibt es auch als Präparat zur Einmalapplikation.

Nagelpilz. Die Therapie einer Onychomykose erfordert Sorgfalt und Geduld, denn sie ist so lange nötig, bis ein neuer, gesunder Nagel nachgewachsen ist. Wirkstoffe wie Amorolfin oder Ciclopirox werden als Nagellack meist ein- bis zweimal wöchentlich auf die erkrankten Bereiche gepinselt, die zuvor möglichst weit mit einer Feile abgetragen und mit Hilfe eines Lösungsmittels von alten Lackresten befreit wurden. Wem das zu umständlich ist, der kann auf Lacke mit wasserlöslicher Grundlage zurückgreifen, die dafür aber täglich angewendet werden müssen. Eine dritte, deutlich schnellere Methode bietet die Kombination aus nagelablösender und antimykotischer Behandlung, die es als Nagelset mit den Wirkstoffen Harnstoff (40%ig) und Bifonazol gibt. Eine Selbstmedikation von Nagelpilzen ist übrigens nur sinnvoll, wenn nicht mehr als zwei Nägel befallen sind, maximal die Hälfte der Nagelplatte betroffen ist und die Ausbreitung vom Nagelende her erfolgt. Andernfalls sollte eine systemische Therapie unter ärztlicher Begleitung erfolgen.

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