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Dermatologie 15. Juli 2015

Sugaring und Waxing für den Mann

Reportage im Beauty Salon

Haarlos: Der metrosexuelle Mann mag anderswo schon wieder passé sein, in Österreichs Waxingstudios ist der Boom gerade erst angekommen.

Im Nachhinein ist man(n) immer gescheiter. Beim Sugaring im Nobelkosmetik-Studio „Sine Sine“ in der Wiener Innenstadt reicht der Reporter der Depiladora den behaarten Finger. Und Frau Michele nimmt gleich den ganzen Unterarm. Die Enthaarerin rollt mit einer zähen, honigfarbenen Zuckermasse über die Haut. Fast schmerzfrei werden sämtliche Haare abgerollt. Die Haut bleibt am Körper. „Das ist Sugaring, wie fühlen Sie sich?“

Die Antwort liegt auf der Zunge. Da spricht aber bereits der Chef des Studios, Günther Rogi. Das ist der Mann, der die Zuckermasse mit Zitronensäure versetzt, damit sie zähflüssig bleibt. Was die Herren in die Waxing-Kabinen treibt? „80 Prozent unserer Kunden kommen wegen unserer Spezialität, der Enthaarung im Intimbereich.“

Nun, so weit sind wir noch nicht. Eins ist jedoch gewiss: Männer jeden Alters und Berufs legen sich in Wien auf den Enthaarungstisch und überlassen ihren Körper einer Depiladora – sogar Theologen und „Wetterfrösche“ waren schon da, berichtet Michele Manziano. Sicher ist auch: Es dauert drei Wochen, bis die ersten weichen Haare die Rückkehr der heterosexuellen Männlichkeit ankündigen. „Aber so wie vorher wird ihr Arm nie mehr ausschauen“, meint Rogi. Es bleibt Zeit, um zu überlegen, ob die Test-Enthaarung auf den Rest-Körper ausweitet werden soll. Rogi, der Schwärmer: „Es ist so ein urgeiles Bodyfeeling. Sowohl aktiv als auch passiv. Fragen Sie Ihre Partnerin!“

Metrosexualität, der Trend aus den 1990er-Jahren, beginnt in Österreich erst jetzt so richtig zu greifen. Um das festzustellen, genügt ein Blick in die Studiokartei. Dort gibt es rund 3.000 Kunden, davon sind 2.400 Wiederholungstäter. Zwölf Prozent sind Männer, „Tendenz steigend“.

Erotik ist nicht part of the game

Wem schnell die Schamesröte ins Gesicht steigt, ist als Depiladora eine Fehlbesetzung. Denn beim intimen Waxing oder Sugaring wächst bei manchen Kunden mitunter etwas anderes in die Höhe als das Selbstwertgefühl, „ich ignoriere das“, sagt Michele. Günther Rogi muss etwas klarstellen: „Wir sind keine erotische Anstalt. Das ist nicht part of the game.“ Noch was: Meldungen, dass der Brustpelz auf die rote Liste der bedrohten Geschlechtsmerkmale gehört, sind jedenfalls übertrieben. Eine psychologische Studie der Universität des Saarlandes hat jüngst ergeben, dass Frauen jenseits der Wechseljahre nach wie vor auf Männer des Typs Adriano Celentano stehen.

Martin Burger, Ärzte Woche 28/2015

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