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© Ivan Bajic/iStock
Creme ist nicht gleich Creme und sollte daher mit Bedacht ausgewählt werden.
 
Dermatologie 27. April 2015

Der entscheidende Unterschied

Bei Medikamenten auf ‚Creme‘ oder ‚Salbe‘ achten

‚Creme‘ und ‚Salbe‘ sind nicht dasselbe und auch die Bezeichnung ‚Creme‘ hält Variationen offen. Darauf sollten Apotheker, Ärzte und Patienten bei der Bezeichnung von Medikamenten zur Anwendung auf der Haut achten – und Apotheker den Kunden bewusst darauf hinweisen.

„Die beiden Begriffe sind aus pharmazeutischer Sicht keine Synonyme, sondern bezeichnen definierte Grundlagen mit unterschiedlichen Eigenschaften. Werden die Begriffe nicht einheitlich verwendet, sind Missverständnisse unvermeidlich“, sagt Dr. Andreas Kiefer, Vorsitzender der DAC/NRF-Kommission (Deutscher Arzneimittel Codex/Neues Rezeptur Formularium) und Präsident der Bundesapothekerkammer.

Kühlend, wasseraufnehmend und mit Eigenwirkung

‚Cremes‘ sind Grundlagen aus Öl und Wasser mit unterschiedlichen Eigenschaften. Wasserbasierte Cremes werden als Öl-in-Wasser- oder O/W-Cremes bezeichnet, fettbasierte hingegen als Wasser-in-Öl- oder W/O-Cremes. Die Eigenschaften der verschiedenen Arzneigrundlagen unterscheiden sich: Eine O/W-Creme ist kühlend, eine W/O-Creme hingegen nicht. ‚Salben‘ enthalten nach pharmazeutischer Definition kein Wasser, können aber je nach Zusammensetzung Wasser aufnehmen. Alle Grundlagen haben auch ohne Wirkstoffzusatz eine Eigenwirkung auf Hauterkrankungen und sollten deshalb nicht getauscht werden. Der Arzt wählt die Grundlage deshalb nach dem individuellen Hautzustand des Patienten aus.

„Wenn der Arzt eine akut entzündliche Hautpartie behandeln will, wird er in der Regel eine wasserreiche, kühlende Creme verordnen“, beschreibt Prof. Dr. Rolf Daniels, Pharmazeutischer Technologe in Tübingen und Mitglied der DAC/NRF-Kommission, die praktische Bedeutung anhand eines Beispiels: „Aber Creme ist nicht gleich Creme.“ Zum Beispiel könne es sich bei einem als ‚Creme‘ bezeichneten Fertigarzneimittel um eine kühlende O/W-Creme handeln, während ein anderes, ebenfalls als ‚Creme‘ bezeichnetes Fertigarzneimittel eine W/O-Creme und damit weniger geeignet für akut entzündliche Hautpartien ist. Die Austauschbarkeit sei daher nicht gegeben, obwohl beide den gleichen Wirkstoff enthalten und als Cremes bezeichnet werden. „Dank der Expertise des Apothekers“, so Daniels, „kann hier die Arzneimitteltherapiesicherheit gewährleistet werden.“

Quelle: abda

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