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Dermatologie 13. Juli 2005

Innovationen gegen die Melanomepidemie

Hautkrebs ist die häufigste Tumorform und weltweit stark im Steigen: Derzeit bekommt einer von sieben Weißen ein Melanom, 2010 bereits einer von fünf.

Wird Hautkrebs frühzeitig erkannt, so ist er in den meisten Fällen heilbar. Daher führen die heimischen Dermatologen mit großer Unterstützung durch die Österreichische Krebshilfe seit 1988 die Aktion „Sonne ohne Reue“ zur Aufklärung und Bewusstseinsbildung in der Bevölkerung durch. Direkte Folge der jährlichen Kampagnen ist eine deutliche Verbesserung der Prognose von Melanomerkrankungen: Das Zehnjahresüberleben stieg auf 80 Prozent. Die Weltspitze an Dermato-Onkologen und dermato-onkologischen Grundlagenforschern traf sich auf Einladung von Prof. Dr. Hubert Pehamberger, Leiter der Abteilung für Allgemeine Dermatologie, Medizinische Universität Wien, und seinem emeritierten Vorgänger Prof. Dr. Klaus Wolff Anfang Mai auf dem 10. „World Congress on Cancers of the Skin“ in Wien, um neueste wissenschaftliche Erkenntnisse über Hautkrebs auszutauschen.

Verbesserte Diagnostik

Verbessert hat sich in den letzten Jahren die Diagnostik vor allem durch die Einführung der digitalen Auflichtmikroskopie, die von Wien ihren Ausgang nahm und nun weltweiter Standard der Diagnose und Nachsorge von Melanompatienten und Patienten mit vielen Muttermalen ist. Die Auflichtmikroskopie erlaubt eine um 25 Prozent verbesserte klinische Diagnose sowie Verlaufsbeobachtung und Dokumentation. „Dies ist nicht nur für Melanompatienten entscheidend, sondern verhindert auch, dass tausende Muttermale unnötigerweise herausgeschnitten werden“, betonte Wolff.

Antiangiogenese und ­Tumorvakzine

Bei Melanomen, die bereits metastasiert sind oder sich in einer Risikophase befinden, sind innovative Therapieansätze gefragt. Eine erfolgversprechende Methode ist der Einsatz pegylierter Interferone zur Verlängerung der rezidivfreien Phase. Ein Team um Prof. Rainer Kunstfeld, Abteilung für Allgemeine Dermatologie der Medizinischen Universität Wien, will mit inkapsulierten Liposomen gezielt die Blutversorgung des Melanoms zerstören und so den Tumor „aushungern“. Die Entwicklung einer Impfung auf zellulärer Basis gegen Hautkrebs hat bisher keinen Erfolg gezeitigt. In Zusammenarbeit mit Prof. Otto Scheiner (Pathophysiologie) und Prof. Christoph Zielinski (Klinische Onkologie) verfolgen Pehamberger und Wolff ein neues Konzept: Mimotope sind Peptide, die die Struktur eines Tumorantigens widerspiegeln. „Richtig verpackt kann man dagegen eine Immunantwort hervorrufen. Tumormimotope sind daher ausgezeichnete Kandidaten für eine Krebsvakzine. Tatsächlich sind wir nicht nur in der Lage, durch Melanommimotope eine Immunantwort in der Maus hervorzurufen, sondern sogar das Tumorwachstum zu verhindern“, betonte Pehamperger. „Derzeit sind wir in Vorbereitung einer Phase-I-Studie, um dieses Prinzip erstmals beim Melanompatienten anzuwenden.“

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