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Dermatologie 19. Februar 2015

Österreichweite Datenanalyse

Mit der Entwicklung des österreichischen Psoriasis-Registers durch die Medizinische Universität Graz (MUG) in Zusammenarbeit mit der Österreichischen Gesellschaft für Dermatologie und Venerologie (ÖGDV) wurde ein wichtiges Werkzeug für den optimierten Einsatz der unterschiedlichen Psoriasis-Therapien geschaffen. Es handelt sich dabei um eine webbasierende Datenbank, in der detaillierte Informationen über die Behandlung von Psoriasis-Patienten erfasst werden.

In Österreich sind Schätzungen zufolge zwischen 80.000 und 250.000 Menschen an Psoriasis erkrankt. „Die intensivierte Grundlagenforschung der letzten Jahre hat erstmals zu einem sehr guten Verständnis der ursächlichen Mechanismen der Erkrankung geführt und in der Folge die Entwicklung hochwirksamer zielgerichteter Therapiestrategien ermöglicht, wie die der Anwendung biologischer Antikörper gegen die Entzündungsfaktoren der Erkrankung“, so Prof. Dr. Peter Wolf, stellvertretender Klinikvorstand der Universitätsklinik für Dermatologie und Venerologie des Universitätsklinikums LKH Graz. „Ziel der modernen Psoriasis-Therapie ist die vollständige Erscheinungsfreiheit des Patienten, die heute schon zumindest bei einem Teil der Patienten erreicht wird.“

Angesichts des breiten Spektrums der heute zur Verfügung stehenden konventionellen Systemtherapien und Biologika gibt es großes Interesse an Langzeitdaten zu deren Wirksamkeit und Sicherheit unter Alltagsbedingungen. „Gerade die Alltagsbedingen sind das, was uns interessiert“, so Wolf weiter, „und diese liefert uns das Register.“ Mittlerweile enthält es Daten zu mehr als 1400 Patienten. Darin sind sämtli - che für dieses Patientenkollektiv angewandten Therapieoptionen in ihrer Ab - folge, mit ihren Nebenwirkungen sowie Behandlungserfolgen – eben unter Alltagsbedingungen der täglichen Behandlungspraxis – über viele Jahre erfasst. „Einwohnerbezogen handelt es sich bei dieser österreichischen Datenbank um eine der größten weltweit“, so Wolf.

Erste Ergebnisse

Wolf betont, dass die ersten nun ausgewerteten Daten die Wirksamkeit der neu zur Verfügung stehenden Therapien der Psoriasis auch unter Alltagsbedingungen bestätigt. Wolf: „Die Daten, die von insgesamt 16 Institutionen stammen, zeigen allerdings auch, dass es Unterschiede in der Wirksamkeit der verschiedenen Therapien beziehungsweise Medikamente gibt und bei bis zu 20–30% der Patienten die eingangs gewählte Therapie oft nicht ausreichend genug wirkt und Therapieumstellungen erforderlich sind.“ Daraus ergeben sich weitreichende Schlüsse, die wiederum unmittelbar in die tägliche Behandlungspraxis einfließen und damit direkt den Patienten zugutekommen. Die Verknüpfung der klinischen Daten der Patienten des Registers zu biologischen Parametern soll in naher Zukunft die Prädiktion auf individueller Ebene beim einzelnen Patienten erlauben, d. h. den Weg für eine personalisierte Medizin mit besserer und nachhaltigerer Wirksamkeit ebnen.

Patienten häufig unterversorgt

Schuppenflechte kann heute also sehr gut und erfolgreich behandelt werden. Allerdings zeigen Daten, dass Psoriasis-Patienten immer noch unterversorgt sind. Zusätzlich treten oftmals in der langen Zeit bis zur „richtigen“ Therapie auch Komorbiditäten, auf. Doz. Dr. Wolfgang Weger, von der Universitätsklinik für Dermatologie und Venerologie der Medizinischen Universität Graz und Vorsitzender der Arbeitsgruppe Biologika der ÖGDV: „Als Folge der psoriatischen Entzündung können ernste Komplikationen und Komorbiditäten, auftreten. Die bekannteste ist die Psoriasis-Arthritis. Diese Gelenksbeteiligung tritt in drei Viertel der Fälle erst nach mehreren Jahren auf. Dies zeigt wiederum, welch wichtige Rolle hier den Dermatologen – eben auch bei der Früherkennung der Psoriasis-Arthritis – zukommt“. Überdurchschnittlich häufig kommt es, vor allem bei mittelschwerer bis schwerer Psoriasis, auch zu arterieller Hypertonie, Adipositas, Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems, Diabetes mellitus, erhöhten Blutfetten und Leberparametern sowie Depressionen. Das österreichische Psoriasis-Register gibt hier eine wertvolle Therapieunterstützung, denn, so Weger, „bislang lagen dazu kaum österreichweite Daten vor.“

Leben mit Psoriasis

Weger abschließend: „Psoriasis stellt eine Erkrankung dar, durch die Patienten nicht nur körperlich, sondern auch psychosozial und in ihrem Alltagsleben beeinträchtigt und eingeschränkt sind. Daher wurde 2014 in der 67. Vollversammlung der WHO (Resolution EB 133.R2) beschlossen, Psoriasis als nicht- infektiöse Erkrankung in die Liste der besonders zu unterstützenden Erkrankungen aufzunehmen.“ Was es tatsächlich bedeutet, mit Psoriasis zu leben, berichtete Andreas Tromayer, der im Alter von 15 Jahren mit der Diagnose Psoriasis konfrontiert war. Von einem Tag auf den anderen waren 85% seiner Haut von einem juckenden, stark schuppenden Ausschlag befallen. Die verschiedenen Therapien, die im Lauf der darauffolgenden Jahre angewandt wurden, brachten keine nachhaltige Besserung. Er litt unter der Erkrankung und ganz massiv auch unter der Stigmatisierung: „Immer und überall im Alltag erlebte ich Zurückweisung, schiefe Blicke und Getuschel. Das Selbstwertgefühl leidet dadurch enorm. Ich hatte immer das Gefühl, dass alle Blicke auf mich gerichtet sind.“

Über 18 Jahre hatte Tromayer die unterschiedlichsten Behandlungsmethoden ausprobiert, mit wechselndem, aber nie lang anhaltendem, Erfolg. Zu  Biologika konnte keiner seiner Ärzte ihm Auskunft geben. Tromayer: „Ich glaube, dass die Hautärzte am Land das einfach nicht so kennen.“ 2007 wurde er am Grazer Universitätsklink in eine Biologika-Studie aufgenommen. Nach 21 Tagen Therapie mit einem Biologikum verschwanden fast alle Hauterscheinungen. Tromayer: „Ich kann nicht beschreiben, was das für uns bedeutet hat. Es war ein völlig neues Lebensgefühl, einfach unglaublich! Das Schönste war für mich, nicht  mehr im Mittelpunkt zu stehen, nicht mehr aufzufallen. Ich kann heute allen Tätigkeiten, beruflich wie privat, ohne Schwierigkeit und ohne Aufmerksamkeit zu erregen, nachgehen. Es ist eine nahezu unbeschreibliche Verbesserung meiner Lebensqualität.“     

Quelle: Pressekonferenz  „Psoriasis – heute  besser behandelbar  denn je“  21. November 2014  

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