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© PAULandLARA / iStock / Thinkstock
Die personalisierte Therapie soll bei Psoriasis-Patienten bessere Wirkung erzielen.
 
Dermatologie 26. Jänner 2015

In der Vorreiterrolle

Psoriasis-Register ermöglicht personalisierte Therapie.

Für die Verbesserung der Psoriasis-Therapie hat die Medizinische Universität Graz in Zusammenarbeit mit der Österreichischen Gesellschaft für Dermatologie und Venerologie ein Psoriasis Registry Austria (PsoRA;www.psoriasisregistry.at) eingerichtet, das detaillierte Informationen über die Behandlung von Psoriasis-Patienten erfasst. Die gesammelten Daten von 16 Instituten betreffen derzeit mehr als 1400 Patienten.

„Diese erste, österreichweite Datenauswertung bestätigt die Wirksamkeit der neu zur Verfügung stehenden Therapien der Psoriasis unter Alltagsbedingungen. Es zeigt sich allerdings auch, dass es Unterschiede in der Wirksamkeit der verschiedenen Therapien bzw. Medikamente gibt. Bei 20 bis 30 Prozent der Patienten wirkt die gewählte Therapie nicht ausreichend genug, sodass Umstellungen erforderlich sind“, erklärt Prof. Peter Wolf, Univ.-Klinik Graz die Ergebnisse. „So liegen etwa die Auswertungen der PUVA-Therapie im Vergleich zu Biologika vor und ermöglichen Verbesserungen. Die Daten geben auch Aufschluss darüber, welche Therapie bevorzugt wird und ob es Prädiktoren gibt, wie beispielsweise das Ausmaß der Entzündung, Alter oder Geschlecht“, folgert Wolf. Dies gibt Hinweise für die tägliche Behandlungspraxis, die dem Patienten direkt zugute kommen.

Zukunftsperspektiven

Die Verknüpfung von klinischen Daten des Patienten mit biologischen Parametern soll es in Zukunft erlauben, auf einer individuellen Ebene eine personalisierte Therapie mit einer besseren, nachhaltigen Wirkung zu erreichen. Neben einer erblichen Veranlagung tragen nämlich auch bestimmte Auslösefaktoren wie Infekte oder emotioneller Stress zum Ausbruch der Erkrankung bei. Man ist also weiter auf der Ursachensuche für den jeweiligen Patienten.

Eine systemische Erkrankung

Als Folge der psoriatischen Entzündung können ernste Komplikationen und Komorbiditäten auftreten. „Die bekannteste ist die Psoriasis-Arthritis. In drei Viertel der Fälle tritt sie erst nach mehreren Jahren auf, was die möglichst frühe Erkennung und Behandlung der Psoriasis durch den Dermatologen dringend notwendig macht“, stellt Doz. Wolfgang Weger, Univ.-Klinik Graz, fest. Weitere Komorbiditäten können Bluthochdruck, Herzinfarkt, Schlaganfall, Diabetes und Hyperlipidämien sein.

Beratung an der Tara

Psoriasis-Patienten sind immer noch, so zeigen aktuelle Daten, in Bezug auf eine adäquate Behandlung unterversorgt. Der Apotheker ist oft mit den Alltagsproblemen dieser leidgeplagten Patienten konfrontiert: Wieder eine neue Salbe, ein Versuch mit einem neuen Medikament, wie etwa Methotrexat, Bäder, Bestrahlungen. Seit kurzem ist eine neue, sehr erfolgreiche Behandlungsoption verfügbar und auch darüber kann der Apotheker informieren.

Die Biologika-Spritze – große Erleichterung für den Patienten

Unter dem Aspekt, dass es sich um eine Systemerkrankung handelt, haben die Biologika die Therapie geradezu revolutioniert. Sie sind in der Lage, die Hautmanifestationen nicht nur zu mildern, sondern sie können auch die Komorbiditäten günstig beeinflussen und die Lebensqualität des Patienten erhöhen. Diese gentechnisch hergestellten Therapeutika greifen spezifisch an bestimmten Stellen in den immunologischen Abläufen ein und blockieren bzw. verändern so immunologische Reaktionen.

Die Substanzen werden, je nach Präparat und Patient intravenös, nach Gewicht dosiert, in Abständen von zwei oder mehreren Wochen vom Patienten selbst verabreicht. In Österreich sind derzeit vier Präparate zugelassen, davon zählen drei zur Gruppe der TNF-α-Blocker, Infliximab, Etanercept, Adalimumab, eines ist ein Interleukin (IL)-12/23-Antagonist, Ustekinumab. Für alle Präparate liegen Langzeitdaten vor, die ein günstiges Nutzen/Risikoprofil für eine kontinuierliche Therapie aufweisen. „Ziel der modernen Psoriasis-Therapie ist die vollständige Beschwerdefreiheit des Patienten, die heute schon zumindest bei einem Teil der Patienten erreicht wird“, äußert sich Wolf zuversichtlich.

Eine genetische Veranlagung

Im Rahmen von künftigen Forschungen werden an der Univ.-Klinik Graz neuerdings auch Blutproben von Psoriasis-Patienten untersucht, um weitere genetische Ursachen zu finden. Bisher sind bereits über 35 Gene identifiziert, die auf eine erbliche Veranlagung hinweisen. Neueste Studien zeigen eine Assoziation mit genetischen Variationen, die wichtige Zytokine bzw. Tumornekrosefaktoren betreffen. Auch mit diesen Erkenntnissen könnten neue Therapieansätze entwickelt werden.

Quelle: Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für Dermatologie und Venerologie, in Wien, 21.-23. November 2014

Gerta Niebauer, Apotheker Plus 1/2015

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