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Dermatologie 13. Juli 2005

Unterschätzte Schattenseiten der Sonne

Laut aktuellen Forschungen sind UVA-Strahlen gefährlicher als bisher angenommen. Sie dringen tiefer in die Haut ein als UVB-Strahlen.

Nur 20 Prozent der Sonnenschäden entstehen beim Sonnenbaden im Urlaub. 80 Prozent werden beim unfreiwilligen Sonnenkonsum verursacht, denn auch beim Joggen oder beim Stadtbummel ist die Haut der UV-Strahlung ausgesetzt. Sie dringt sogar durch eine dichte Wolkendecke. Sonnenbaden mit Maß und Ziel sowie der richtige Schutz helfen, Schäden an der Haut zu vermeiden.

UVA-Strahlen – die ­unterschätzte Gefahr

Ein Zuviel an UV-Strahlung löst unterschiedliche biochemische Prozesse aus. Während eine zu hohe Dosis an kurzwelligen UVB-Strahlen (290 bis 320 Nanometer Wellenlänge) sehr rasch Sonnenbrand verursacht, schädigen langwellige UVA-Strahlen (320 bis 400 Nanometer) die Haut vorerst unbemerkt. Prof. Dr. Herbert Hönigsmann, Vorstand der Universitätsklinik für Dermatologie, Medizinische Universität Wien, warnt vor der bisher unterschätzten Gefahr durch UVA-Strahlung. Aktuelle Studien zeigen, dass UVA-Strahlen tiefer in die Haut eindringen, sie schneller altern lassen und auch die Mitochondrien schädigen können. Alle sichtbaren Zeichen der Hautalterung wie Falten und ein Nachlassen der Elastizität werden durch Sonneneinstrahlung verstärkt. UVA-Strahlen sind um das 20-fache stärker als UVB-Strahlen. Sie wirken sowohl durch das geschlossene Fenster als auch bei bedecktem Himmel.„Selbst wenn die Bestrahlung schon lange vorbei ist, schreitet die Schädigung in den Zellen weiter voran“, betonte Hönigsmann bei einem Pressegespräch im April in Wien. „Es hat sich gezeigt, dass noch Monate nach Beendigung der Bestrahlung Veränderungen in den Hautzellen nachgewiesen werden konnten. Tumore, die von den ultravioletten Strahlen der Sonne ausgelöst wurden, treten gar erst mit einer zeitlichen Verzögerung von zehn bis 30 Jahren auf“, so Hönigsmann weiter.

Hautkrebs schreitet voran

Derzeit erkranken in Österreich rund 20.000 Menschen jährlich an den verschiedenen Formen von Hautkrebs, davon etwa 1.500 am Melanom. Experten rechnen mit einer jährlichen Zuwachsrate von drei bis acht Prozent. „Damit ist Hautkrebs zur Volkskrankheit geworden“, stellt die Gesellschaft für Dermopharmazie fest. Zu hoher Sonnenkonsum im Kindesalter, intensive Sonnenbestrahlung und Sonnenbrände hätten sich als besonders risikoreich erwiesen. Hönigsmann: „Zwar besitzt die menschliche Haut Mechanismen, um UV-Schäden zu reparieren, doch der Sonnenkonsum und die Aggressivität der Sonnenstrahlen übersteigen den natürlichen Ausgleich bei weitem.“ Wer sich bisher auf den ausreichenden Lichtschutzfaktor seiner Sonnencreme verlassen hat, war nur vor UVB-Strahlen geschützt. Der Lichtschutzfaktor eines Produktes liefert keine Angaben über den UVA-Schutz. Im einschlägigen Fachhandel sind jetzt auch Sonnenschutzprodukte mit ausgewogener UVA/UVB- Balance erhältlich.

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