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Krokodil (Krok) ist eine neue synthetische Droge, die ihre Konsumenten regelrecht „auffrisst“.
 
Dermatologie 5. Dezember 2014

Wie Drogen die Haut zeichnen

Kutane Komplikationen durch Koks und Krok.

Hautveränderungen liefern oft erste Hinweise auf einen Drogenmissbrauch. Sie können aber auch gefährliche Komplikationen im Verlauf einer Suchterkrankung darstellen – eindrücklich veranschaulicht am Beispiel von Kokain und Krokodil.

Unterschiedliche Rauschmittel liefern nicht unbedingt unterschiedliche Hautveränderungen. Wie Prof. Dr. Alexander Enk, Ärztlicher Direktor der Universitäts-Hautklinik in Heidelberg, berichtete, sind es Injektionsstellen, postinflammatorische Hyperpigmentierungen entlang fibrosierter Gefäße („track marks“), runde atrophe Narben aufgrund subkutaner Injektionen („skin popping scars“), Schmauchtätowierungen durch die Injektion von Fremdmaterial („sooting tattoos“), Ödeme auf dem Handrücken („putty hand syndrom“), postinflammatorische Hyperpigmentierungen verursacht durch unsachgemäße Venenstauung („tourniquet hyperpigmentation“) und Infektionen (z. B. Phlegmonen, Abszesse), die zu den allgemeinen Hautzeichen bei Drogenmissbrauch zählen und dem Dermatologen durch die frühzeitige Diagnose eines Drogenabusus eine Schlüsselfunktion zuweisen.

Bei den spezifischen Hautveränderungen ist neben der Art der kon-sumierten Substanz die Applikationsform maßgebend. Kokain beispielsweise wird in der Regel peroral, intranasal oder als Injektion appliziert. Der orale Konsum trägt zu Veränderungen an der Mundschleimhaut bei, während eine regelmäßige intranasale Einnahme – bedingt durch die gefäßverengenden Effekte – zu nekrotischen Veränderungen bis hin zur Perforation der Nasenscheidewand führen kann. Kokaininjektionen können ebenfalls aufgrund der vasokonstriktiven Wirkung Ulzerationen und Hautnekrosen auslösen, die nicht nur auf Einstichstellen begrenzt sein müssen. Ein zusätzliches Problem ist die zunehmende Beimischung von Levamisol zu Kokain. Die Substanz ist ein Anthelminthikum, ein Parasitenmittel, welches aus der Tiermedizin stammt und den Kokaineffekt um ein Vielfaches potenziert. Laut Enk gehen die gesundheitlichen Gefahren des Streckmittels von einer Agranulozytose und Vaskulitiden aus. In der Literatur werden Fälle von Levamisol-induzierten Purpura bei Kokainabhängigen beschrieben.

Weitere spezifische Hautveränderungen entstanden in jüngster Zeit durch Krokodil (Krok) – die neue synthetische Droge „frisst“ ihre Konsumenten auf. Krok ist ein billiger Heroinersatz, der das Betäubungsmittel Desomorphin enthält. Durch die Herstellung aus codeinhaltigen Medikamenten und Beimengungen wie Benzin und Phosphorsäure kommt es zu Verunreinigungen und toxischen Nebenprodukten, die bei Injektion zu verheerenden Gefäßproblemen führen. Daher auch der Name, weil sich die Haut an den Einstichstellen grünlich färbt und schuppig wird. Die Folgen des Konsums reichen von Venenentzündungen, Nekrosen und Amputationen bis zum Organversagen. Diese hierzulande noch seltenen, aber schwerwiegenden Komplikationen sind in der Regel nur interdisziplinär zu bewältigen.

Quelle:

Enk A: „Haut und Drogen“; Sitzung: „Haut und ...“; 24. Fortbildungswoche für praktische Dermatologie und Venerologie, München, 21. Juli 2014

springermedizin.de, Ärzte Woche 50/2014

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