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Dermatologie 13. November 2014

Ästhetische Medizin als akademische Disziplin

In den letzten 10 bis 20 Jahren hat sich ein interdisziplinärer medizinischer Fachbereich entwickelt, der mit seriösen, sinnvollen Methoden der (Haut-)Alterung entgegenwirken oder Altersveränderungen, wenn sie bereits da sind, minimieren kann. Die meisten der dabei zur Anwendung kommenden Methoden sind noch nicht oder nur teilweise in der akademischen Lehre der jeweiligen Fachbereiche abgebildet.

Dabei bedürfen gerade Behandlungen die aus ästhetischer Indikation durchgeführt werden besonderer fachlicher Kompetenz und differenzierter Obsorge hinsichtlich Aufklärung und Erwartungshaltung.

Im Sinne der Qualitätssicherung ist es wichtig, die Entwicklung einer fundierten interdisziplinären Ausbildung in ästhetischer Medizin anzustreben und dieses „neue“ Fach als akademische Disziplin zu etablieren.

Abstract

Over the last two decades a new interdisciplinary medical field focusing on the treatment of aging and aesthetic indications has been created. Most of the treatment options which have evolved are not yet part of the academic educational curriculum of these disciplines.

Aesthetic medical procedures require particular expertise, competence and outstanding individual care in order to avoid unwanted side effects and results which do not meet expectations.

Quality assurance standards have to be set and development of a well-founded interdisciplinary training is needed in order to establish aesthetic medicine as a new academic medical discipline.

Man altert heutzutage anders als vor 100 Jahren und das liegt nicht nur an den Ernährungs- und Hygienestandards. Wir bleiben länger körperlich aktiv, lernen lebenslang und pflegen soziale Kontakte. Das Selbstwertgefühl bedeutet uns viel, deshalb sind wir bemüht, möglichst lange attraktiv zu bleiben. Dennoch, die Zeit vergeht und Altersveränderungen treten auf.

Alt werden ohne alt auszusehen ist ein Wunsch, zu dessen Erfüllung nicht nur die Kosmetik beiträgt, sondern vor allem die Medizin.

So hat sich in den letzten 10 bis 20 Jahren ein medizinischer Fachbereich entwickelt der mit seriösen, sinnvollen Methoden der (Haut-)Alterung entgegenwirken oder Altersveränderungen, wenn sie bereits da sind, minimieren kann (Abb.  1 ).

Das Leistungsspektrum umfasst eine große Varietät an Behandlungsmethoden zur Jugendlicherhaltung des Erscheinungsbildes, manche sind längst etabliert, die Methoden werden ständig adaptiert und neue entwickelt. Zum einen sind es chirurgische Eingriffe und die breite Palette an verschiedenen Hochenergielaseranwendungen in zahlreichen Indikationen, zum anderen sind es minimal-invasive Methoden wie Augmentation bzw. Applikation diverser Medikamente und Medizinprodukte sowie chemische Peelings. Auch die Behandlung der Hautanhangsgebilde spielt hier eine nicht zu unterschätzende Rolle.

Bisher wurden die meisten der hier erwähnten Behandlungsmethoden (Infobox 1) zwar im Niedergelassenenbereich durchgeführt, in den Ausbildungsordnungen der medizinischen Fachbereiche scheinen sie jedoch nur rudimentär bis gar nicht auf. Deshalb wurden Kenntnisse in diesen Behandlungsmethoden bisher vor allem in qualitativ mehr oder weniger hochwertigen postpromotionellen Kursen erworben.

Gerade bei Behandlungen, die nicht aus medizinischer, sondern aus ästhetischer Indikation erfolgen, ist es besonders wichtig, vorab richtig über die Möglichkeiten und Behandlungsmethoden aufzuklären, alle Risiken, mögliche Nebenwirkungen auszuloten und die Erwartungshaltung der zu Behandelnden realistisch zu halten. Nur dann können unerwünschte Nebeneffekte bestmöglich vermieden werden. Denn nicht nur in den USA ist die Klagebereitschaft der Menschen groß, auch in Österreich werden Behandlungsergebnisse, die nicht den Erwartungen entsprechen, immer häufiger im Gerichtssaal abgehandelt. Deshalb ist es zum Wohle der Klientinnen und Klienten erforderlich, Qualitätsstandards zu erreichen und die genannten Methoden auch in die akademische Ausbildung der nachfolgenden Fachärztinnen und Fachärzte einzubauen (Infobox 2).

Fachliche Kompetenz

Im Gegensatz zu anderen medizinischen Disziplinen ist die Dermatologie das einzige Fachgebiet das sich explizit mit der Haut, ihrem Aufbau, ihrer Physiologie und Pathologie befasst. Das Wissen um Hautalterungsvorgänge, die Auswirkungen von äußeren und inneren Einflüssen auf die Haut und die Dignität von Hautveränderungen ist die Kunst der Fachärzte und Fachärztinnen für Dermatologie. Überschneidungen mit anderen Fachgebieten finden sich vor allem mit der plastisch-ästhetischen und rekonstruktiven Chirurgie, der Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie und der Hals-, Nasen-, Ohren-Heilkunde, wenn auch in deren Fachausbildungskatalogen sich keine dermatologischen Inhalte finden.

Ausbildung in ästhetischer Dermatologie/ästhetischer Medizin

Die Frage, ob deshalb Dermatolog(inn)en prädestiniert für die Durchführung ästhetisch-medizinischer Behandlungen sind, kann man diskutieren, aber erstrangig stellt sie sich hier nicht. Wichtig ist vielmehr, dass sich die ästhetische Medizin als neues interdisziplinäres Fachgebiet synergistisch aus vielen Bereichen heraus entwickelt hat, aber noch nicht in der medizinischen Lehre abgebildet ist. Im Sinne der Qualitätssicherung ist es wichtig, die Entwicklung einer fundierten, interdisziplinären Ausbildung in ästhetischer Medizin anzustreben und dieses „neue“ Fach als akademische Disziplin zu etablieren.

Einhaltung ethischer Richtlinien

Interessenkonflikt.

Dr. Kopera gibt an, dass kein Interessenkonflikt besteht.

Dieser Beitrag beinhaltet keine Studies an Menschen oder Tieren.

Abb. 1:  Ästhetische Medizin kann präventiv und therapeutisch wirksam gegen Hautalterung eingesetzt werden. (© Fotolabor, Dermatologie, Graz)

Abb. 1: Ästhetische Medizin kann präventiv und therapeutisch wirksam gegen Hautalterung eingesetzt werden. (© Fotolabor, Dermatologie, Graz)

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