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Dermatologie 30. Juni 2005

Atopisches Ekzem: Neue Ära?

Die atopische Dermatitis ist eine Hauterkrankung, die in den industrialisierten Ländern stark zunimmt: Man geht davon aus, dass 10 bis 15 Prozent aller Kinder unter dem 5. Lebensjahr betroffen sind, bei bis zu drei Viertel der Patienten entwickeln sich die ersten Symptome bereits im ersten Lebenshalbjahr. Die konventionelle Therapie steht neben Pflegeprodukten in Ermangelung von Alternativen vor allem auf steroidalen Beinen. Doch in den vergangenen Jahren gab es enorme Fortschritte. Aus einem japanischen Streptomyces-Bodenpilz wurde ein Medikament gegen die Abstoßungsreaktion nach Organtransplantationen (Tacrolimus, FK 506) entwickelt. 

Den ersten Hinweis auf eine dermatologische Wirksamkeit zeigte sich, als sich bei einem Organtransplantierten die ebenfalls vorhandene Neurodermitis plötzlich gebessert hatte. Die Ära einer nichtsteroidalen Dermatitisbehandlung war angebrochen. Nun wurde eine weitere, in Österreich entwickelte Substanz vorgestellt: Pimecrolimus, ein Ascomycin-Derivat, wurde im August diesen Jahres zur lokalen Therapie der atopischen Dermatitis für die europäischen Länder registriert, Anfang 2003 wird das Präparat in Form einer 1-prozentigen Creme in Österreich erhältlich sein. 

Auf einem Lunch-Symposium wurde PIM im Rahmen der 40. Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde vorgestellt. "Die atopische Dermatitis und die Psoriasis bei Kindern sind Erkrankungen, die uns Hautärzten noch geblieben sind", erklärt Prof. Dr. Georg Stingl, Klinische Abteilung für Immundermatologie und infektiöse Hauterkrankungen, AKH Wien. Die Problematik der Steroide bei chronischen Hauterkrankungen ist bekannt. Stingl: "Steroide wirken sehr promiskuös: Verschiedene Abwehrmechanismen werden breit beeinflusst. Innerhalb weniger Tage bleibt kein Stein mehr auf dem anderen!" Durch Kortison nimmt die Zahl der Langerhanszellen dramatisch ab, es dauert Wochen bis Monate, bis sie wieder vor Ort sind. Grund ist eine steroidbedingte Apoptose. Zudem kommt es durch die Beeinflussung der Fibroblasten-Kollagensynthese zur Hautathrophie. Auch systemische Nebenwirkungen sind nicht ungewöhnlich.

Nur Leukozyten beeinflusst

Die Makrolide Tacrolimus FK 506 und Pimecrolimus beeeinflussen jedoch lediglich die Leukozyten: Sie verhindern die T-Zell-Aktivierung, die Histaminfreisetzung aus der Mastzelle, ohne das Immunsystem der Haut nachhaltig zu verändern. Zudem wurde eine dosisabhängige Down-regulation jener Gene, die für Psoriasis verantwortlich zeichnen, festgestellt. Im Gegensatz zu Tacrolimus hat PIM eine andere Lipophilie/Hydrophilie-Verteilung. Daher kommt es zu einer 9-fach gesteigerten Permeation durch die Haut. Stingl: "Wir müssen die Wirkung von Steroiden, Cyclosporin A oder den Makroliden auf die Haut verstehen, um jene Substanz auszuwählen, die den gewünschten Regelkreis beeinflusst."

Auch Prof. Dr. Klaus Wolff, Vorstand der dermatologischen Universitätsklinik am Wiener AKH, ist von der neuen Therapiemöglichkeit angetan. Wolff: "Viele Eltern, die mit Kindern in die Praxis kommen, sagen vor der Begrüßung: ’Aber bitte kein Kortison!’. Umso erfreulicher sind nun derartige Entwicklungen." Tatsächlich wirkt, so Wolff, Pimecrolimus klinisch rein lokal. Hierfür gibt es eine Reihe von Studien. "Und ein guter Parameter, um die Wirksamkeit einer Substanz zu testen, ist die geringe Drop-out-Rate, wie sie hier zu beobachten war." Diese galt sowohl für Kleinkinder, als auch für ältere Patienten. Grund dürfte die rasche positive Beeinflussung des Pruritus, über die Wirkung auf die Mastzellen, sein. Zudem sei bereits nach acht Tagen ein eindeutiger Effekt zu sehen. Auch die objektiven Kriterien der atopischen Dermatitis (IGA, EASI) zeigen einen günstigen klinischen Effekt. 

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