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© James Gathany
Die Sandmücke überträgt die Erreger der Leishmaniose.
 
Dermatologie 10. Juni 2014

Urlaub, der unter die Haut geht

So mancher Reisende, der aus den Tropen zurückkehrt, bringt unerfreuliche Souvenirs mit: blinde Passagiere in der eigenen Haut.

Der Urlaub in den Tropen ist vorbei, die Koffer sind ausgepackt – aber dann zeigt sich bisweilen ein unschönes Mitbringsel in oder unter der Haut.

Neben Fieber und Durchfall gehören Dermatosen zu den dritthäufigsten Krankheitsbildern während oder nach einem Tropenaufenthalt, berichten Dr. Marcellus Fischer und Dr. Dieter Reinel in der Zeitschrift „Der Hautarzt“. Im folgenden Artikel werden einige Beispiele differenzialdiagnostisch wichtiger Hautbefunde behandelt.

Myiasis – Fliegenmaden reifen unter der Haut

Eine Myiasis bezeichnet den Befall mit Fliegenmaden. Etwa 80 Fliegenarten können beim Menschen parasitieren, so die Tropenmediziner. Für Reisende von Interesse sind vor allem die „Dasselfliegen“ mit Vertretern in Afrika und Südamerika. Nach Eiablage durchdringen die Larven die Haut und wachsen im subkutanen Gewebe zu Fliegen heran. Die Eintrittsstelle der Larve ist als eine 1 bis 2 cm große Hautschwellung zu erkennen, furunkelähnlich, doch weniger entzündlich und schmerzhaft.

Zentral sichtbar ist eine follikelähnliche Atemöffnung. Bei genauem Hinsehen lässt sich sogar das Hinterende der Made erkennen. Das gesamte Integument kann als „Brutstätte“ herangezogen werden, betroffen sind meist jedoch die nicht mit Kleidung bedeckten Körperareale. Fast immer wird von den Betroffenen eine Bewegungssensation geschildert.

Während Einheimische den Schlupf der Fliege einfach abwarten, sind Reisende meist weniger geduldig. Die chirurgische Entfernung ist aber einfach: Die Larve wird vorsichtig im Ganzen und möglichst unversehrt exprimiert, bzw. unter Zuhilfenahme eines Kreuzschnitts zur Erweiterung der zentralen Öffnung unter Lokalanästhesie entfernt. Antibiotika sind nur bei Anzeichen einer Sekundärinfektion erforderlich. Allerdings sollte der Tetanus-Impfstatus geprüft werden.

Tungiasis – zwischen den Zehen brüten Sandflöhe

Die Tungiasis ist eine parasitäre Infektion der Haut, die durch Sandflöhe verursacht wird. Der Ektoparasit ist in zahlreichen Ländern der Karibik, Südamerikas und Afrikas endemisch und wird sporadisch auch bei Reisenden beobachtet, die sich in Endemiegebieten aufgehalten haben. Das Weibchen gräbt sich in die Haut des Wirts ein, während der Hinterleib über zwei Wochen um das Zehnfache auf bis zu 1 cm im Durchmesser anschwillt. Nach dem Legen von ca. 300 Eiern stirbt das Weibchen ab und wird abgestoßen. Die juckenden, langsam wachsenden und knotenähnliche Herde sind vor allem an Fußsohlen und Zehenzwischenräumen, selten an Händen und Genitalregion zu finden.

Als Differenzialdiagnosen kommen in Frage: plantare Warzen, Furunkel, pyogene Granulome und eine Myiasis. Therapeutisch ist die restlose chirurgische Entfernung der Flöhe anzustreben, unterstützt durch Lokalantiseptika und gegebenenfalls dem Einsatz von Antibiotika bei einer Sekundärinfektion.

Zeckenbissfieber – schwarze Flecken verraten den Übeltäter

Das von Zecken übertragene „tick-bite-fever“ wird durch Bakterien der Gattung Rickettsia verursacht. Oft betroffen sind Safari-Rückkehrer, aber auch im gesamten Mittelmeerraum kommt die Krankheit vor (Boutonneuse-Fieber). Rickettsiosen zeigen sich innerhalb der ersten Tage als akut fieberhafte Infektion mit Kopf- und Gliederschmerzen, weshalb hier eine Malaria ausgeschlossen werden sollte. Das zeitlich etwas verzögerte Auftreten des „Eschars“ oder „tache noire“, eine nekrotisierende Vaskulitis an der Eintrittsstelle und Leitsymptom der Krankheit, erlaubt per Blickdiagnose einen schnellen Therapiebeginn (Doxyzyklin, 100 mg zweimal täglich über 10 Tage).

Larva migrans cutanea – Hautmaulwurf nach Strandurlaub

Hakenwürmer aus der Gattung Ancylostoma verursachen die Larva migrans cutanea. Die Infektion wird bevorzugt an mit Hunde- und Katzenkot kontaminierten Stränden erworben. Die Würmer bohren sich in die Haut und wandern unter der Haut in sichtbar roten geschlängelten Gängen. Dabei verursachen sie eine oft von Juckreiz begleitete Entzündung der Haut. Der Mensch ist ein Fehlwirt – die Larven können sich zwar frei in der Haut bewegen, können sich aber nicht weiterentwickeln und sterben nach einigen Wochen ab. Die Würmer bewegen sich ca. 1 bis 3 cm am Tag vorwärts. Nicht selten wandern mehrere Larven gleichzeitig.

Die früher empfohlene Therapie mit Thiabendazol ist heute nicht mehr möglich; das Mittel ist weltweit nicht mehr erhältlich. Alternativen sind die topische Therapie mit Albendazol und Mebendazol. Myasis und Fadenwurm-Infektionen können ähnlich aussehen. Allerdings wandern Fliegenlarven und Filarien tiefer im Gewebe und imponieren als wandernde Knoten. Im Gegensatz zu den Hakenwürmern sind Filarien, wie z. B. die Erreger der Elephantiasis tropica, bei Reiserückkehrern selten zu finden. Hier bedarf es meist einer über mehrere Jahre bestehenden Exposition. Bei Verdacht sollte ein Direktnachweis der Mikrofilarien erfolgen.

Kutane Leishmaniose – Sandmücke verpasst Orientbeule

Die weltweit vor allem in den Tropen und Subtropen, aber auch im Mittelmeerraum, vorkommende Infektionskrankheit, an der jährlich etwa 1,5 Millionen Menschen erkranken, wird durch die Protozoen Leishmania spp. verursacht. Übertragen werden die Erreger durch den Stich von Sandmücken (Phlebotomus spp.). Klinisch zeigt sich die Infektion mit einer über Wochen langsam wachsenden Papel, die später ulzerieren kann.

Der Befund ähnelt anfangs einer Insektenstichreaktion. Je nach Art treten klinisch unterschiedliche Krankheitsbilder auf: von verkrusteten und flächenhaften Infiltraten bis zu tiefen, schmierig belegten Ulzerationen. Die Erreger können in Biopsiematerial nachgewiesen werden. Jeder Insektenstich, der nicht heilt, oder jedes in den Tropen erworbene Hautgeschwür, das sich nicht schließt, ist verdächtig.

Die Therapie ist nicht einfach und ist abhängig von Spezies und Befall. Behandelt wird mittels systemischer oder intraläsionaler Applikation fünfwertiger Antimonpräparate, die täglich über mehrere Wochen verabreicht werden müssen. Bei komplizierten Fällen konnten vor allem mit Miltefosine, über 28 Tage oral verabreicht, Erfolge erzielt werden.

Den Originalartikel inklusive Abbildungen finden Sie in der Zeitschrift „Der Hautarzt“ 2011; 63: 396–405

springermedizin.de, Ärzte Woche 24/2014

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