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Dermatologie 24. Jänner 2014

Unterschätzt

Kinder und Jugendliche leiden häufiger an Schuppenflechte als bislang angenommen.

Darüber hinaus haben die betroffenen Kinder insgesamt etwa doppelt so häufig weitere gesundheitliche Probleme wie Arthritis, Herzleiden oder psychische Störungen.

Bislang gibt es nur wenige Untersuchungen zur Häufigkeit der Psoriasis bei Kindern und Jugendlichen. Man nimmt aber an, dass 30–50% der erwachsenen Psoriatiker ihre entzündliche Hauterkrankung bereits vor dem 20. Lebensjahr entwickelt haben. Um mehr Licht in diese unklare Datenlage zu bringen, untersuchten David Matusiewicz und Kollegen die Epidemiologie, Behandlung und Komorbiditäten der kindlichen Psoriasis anhand der Daten von 6,7 Millionen Krankenversicherten in Deutschland.

Insgesamt 138.338 Probanden dieser Gruppe waren im Jahr 2007 wegen einer Psoriasis in Behandlung, was einer Prävalenz von 2,1% entspricht. Darunter befanden sich 4499 Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre. Die Autoren errechneten für diese jungen Patienten eine Prävalenz von 0,4%. Sie reichte von 0,1% (im Alter von einem Jahr) bis 0,8% (bei den 18-Jährigen).

Die Psoriasis-Patienten gingen durchschnittlich zweimal pro Jahr wegen ihres Leidens zum Arzt, vorwiegend in den kälteren Monaten. 1,8% der Patienten wurden nach der Erstdiagnose stationär behandelt.

Fast jeder zweite junge Psoriatiker wurde medikamentös behandelt. Die Therapiewahl fiel bei diesen Patienten allerdings relativ konservativ aus: Rund 72% erhielten topische Kortikosteroide, gefolgt von Antipsoriatika wie Teerpräparaten und Psoralen (20%), lindernden Cremes für Pflege und Schutz (4%) sowie Immunsuppressiva (3,3%).

Psychische und kardiale Komorbiditäten

Komorbiditäten fanden sich bei der juvenilen Psoriasis häufiger als bei Kinder und Jugendlichen ohne Psoriasis. So litten 2,1% der Patienten zusätzlich unter rheumatoider und entzündlicher Arthritis (vs. 0,1 % ohne Psoriasis), 1,1% unter psychischen Erkrankungen wie Wahn, Psychosen oder psychotischen und dissoziativen Störungen (vs. 0,4%), 0,7% an depressiven Episoden (vs. 0,2%), 0,6% an Herzklappen- und rheumatischen Herzerkrankungen (vs. 0,3%), 0,6% an angeborenen Herzfehlern (vs. 0,4%), 0,4% an schweren Stoffwechselstörungen (vs. 0,2%) und 0,3% an Hypertonie (vs. 0,1%).

Die Studie mache deutlich, so die Autoren, dass Psoriasis unter Kindern und Jugendlichen weiter verbreitet sei als bislang angenommen. Die hohe Zahl der Komorbiditäten weise zudem auf eine bislang unerkannte seelische Belastung der jungen Patienten im Zusammenhang mit ihrer Erkrankung hin.

Originalpublikation: Matusiewicz D et al.: Pediatric Dermatology 2014; 31 (1): 8–13

springermedizin.de, Ärzte Woche 5/2014

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