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Dermatologie 5. September 2013

Trotz Hautkrebs

Bräunen im Sonnenstudio kann offenbar zur Sucht werden. In einer US-Studie konnte selbst eine Hautkrebsdiagnose viele Betroffene nicht von
der Sonnenbank fernhalten.

An der von Prof. Brenda Cartmel und Kollegen durchgeführten Studie hatten insgesamt 178 Patienten mit nachgewiesenem Basalzellkarzinom (BCC) teilgenommen. Das BCC zählt in Mitteleuropa zu den häufigsten bösartigen Tumoren und tritt in der Regel eher bei älteren Menschen auf. Die Teilnehmerinnen (zu über 80 Prozent Frauen) an dieser Studie hingegen waren im Schnitt um die 40 Jahre alt und hatten sich vor der Hautkrebsdiagnose nach eigenen Angaben des Öfteren zum Bräunen auf die Sonnenbank gelegt. Bei den meisten war nach der Diagnose damit Schluss. Für 15 Prozent allerdings war der Schock offenbar nicht groß genug gewesen: Sie ließen sich ungeachtet des Risikos, ein erneutes BCC zu entwickeln, weiterhin künstlich bräunen. Im Schnitt suchten sie danach zehnmal pro Jahr ein Solarium auf, die Besuchshäufigkeit variierte zwischen drei- und zwanzigmal. Schon vorher hatten diese Frauen weit häufiger die Sonnenbank aufgesucht.

Eindeutig Suchtsymptomatik feststellbar

Bei den „Unverbesserlichen“ lag denn auch deutlich häufiger eine Suchtsymptomatik vor (58 % gegen - über 38 %). Dies konnten die Forscher von der Yale School of Public Health in Connecticut mit einem speziellen Fragebogen feststellen, dem mCAGE- Questionnaire (das Akronym steht für Cut down, Annoyed, Guilty, Eyeopener). Darin gilt als abhängig, wer mindestens zwei von vier Fragen mit „ja“ beantwortet. Patienten, die nach der Krebsdiagnose unbeirrt weiter Solarien frequen - tierten, waren dort schon vorher die wesentlich treueren Kunden gewesen, im Schnitt hatten sie sich 175-mal artifiziell gebräunt – die einsichtigeren Leidensgenossen, die der weiße Hautkrebs aus den Studios vertrieben hatte, dagegen nur etwa 33-mal. Auch der Anteil derjenigen mit einem oder mehreren „Sonnenbränden“ nach einem Studiobesuch war bei Ersteren höher (54% gegenüber 40 %).

Ärztliche Aufklärung dringend notwendig

Beim „Sonnenbaden“ im Studio ist es ähnlich wie mit dem Rauchen, schreiben die Autoren. Trotz am eigenen Leib erlebter gesundheitlicher Konsequenzen sei manchmal die Sucht so stark, dass die Patienten einfach weiter ihrem Laster frönten. Ärztliche Aufklärung sei hier vonnöten, mahnen die Forscher. Dabei müsse vor allem der Suchtaspekt des Bräunens berücksichtigt werden. Die Studie: Cartmel B et al. Indoor Tanning and Tanning Dependence in Young People After a Diagnosis of Ba - sal Cell Carcinoma. JAMA Dermatol 2013, online 3. Juli; doi: 10.1001/jama - dermatol.2013.5104

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