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Dermatologie 1. August 2013

Weißer Hautkrebs unterschätzt

Neues Therapieprinzip für nicht mehr operierbare Tumoren.

"Vor zehn oder 15 Jahren hat kaum jemand gewusst, was 'Weißer Hautkrebs' ist. Aber jeder hat das Melanom gekannt. Dabei gibt es die Diagnose 'seit ewig'." - Dies erkläre Hubert Pehamberger, Leiter der Universitäts-Hautklinik der MedUni Wien im AKH, bei einer Pressekonferenz in Wien. Der Grund: Seit kurzem steht in Europa erstmals eine medikamentöse Therapie für die schwersten Fälle von Basalzellkarzinomen zur Verfügung.


"Wir sprechen beim 'Weißen Hautkrebs' von zwei Tumorarten. Es sind dies das Plattenepithelkarzinom mit rund 20 Prozent der Fälle und das Basalzellkarzinom mit 75 Prozent der Fälle. Das Lebenszeitrisiko, ein Basalzellkarzinom zu entwickeln, beträgt rund 30 Prozent", sagte der Hautkrebsspezialist. Man rechnet in Österreich mit jährlich 15.000 bis 30.000 Erkrankungen.

Basalzellkarzinome entwickeln sich langsam, zeigen zumeist kaum eine Tendenz zur Bildung von Tochtergeschwülsten (Metastasen), können aber - zum Teil bei viel zu später Diagnose - eine den Betroffenen völlig entstellende und bei 0,1 Prozent der Patienten tödliche Erkrankung sein. Weil sie zu 80 Prozent im Kopf- oder Halsbereich auftreten, handelt es sich dann um schwer entstellende Tumorleiden, bei denen auch die Operationsmöglichkeiten eingeschränkt sind.

Frühe Diagnose entscheidend

Entscheidend wäre die frühe Diagnose. Pehamberger: "Der Dermatologie hat die Chance, dass sich der Tumor unter ihren Augen entwickelt. Die rechtzeitige Exzision ist die Therapie der Wahl."

Freilich, in manchen Fällen ist ein chirurgischer Eingriff nicht mehr möglich. Es gibt auch Patienten mit jahrzehntelanger Krankheit, bei denen das Tumorleiden trotz Dutzender Operationen weiter fortschreitet. Bisher gab es für diese Personen keine wirksame Standardtherapie. Das dürfte sich jetzt allerdings geändert haben. Mit dem vom Schweizer Pharmakonzern entwickelten Wirkstoff Vismodegib wurde vor wenigen Tagen von der EU ein oral einzunehmendes neues Medikament gegen das fortgeschrittene Basalzellkarzinom bedingt zugelassen. Groß angelegte Wirksamkeitsstudien laufen noch.

Das Prinzip, so Dermatologe Rainer Kunstfeld von der Weiner Universitäts-Hautklinik: "95 Prozent der Basalzellkarzinome weisen eine Mutation im sogenannten Hedgehog-Gen auf. Es ist wichtig in der Embryonalentwicklung, für die Entwicklung der Haarfollikel und für die Tumorgenese."

Wer Wirkstoff hemmt das Tumor-Wachstumssignal, das von den Hedgehog-Gen-Mutationen ausgeht. Das führt laut den ersten klinischen Studien bei 43 Prozent der Erkrankten mit lokal fortgeschrittenem Basalzellkarzinom zu einem erheblichen Schrumpfen der Geschwulst. Bei Personen mit metastasiertem Basalzellkarzinom war das noch bei rund 30 Prozent der Behandelten der Fall.

Die Wiener Universitäts-Hautklinik hat in eine internationale Studie allein 43 Probanden eingebracht, das war im Vergleich zu anderen Zentren ein Spitzenwert. Statt wie ursprünglich aus Dutzenden Studienzentren erwarteten rund 140 Patienten mit schweren Verlaufsformen der Erkrankung hält man bereits bei rund 1.200 Probanden weltweit. Das weist darauf hin, dass die Bedeutung des Basalzellkarzinoms bisher unterschätzt wurde. In Österreich wird nun mit jährlich zwischen 70 und 100 solcher Patienten gerechnet.

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