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Dermatologie 1. Juli 2013

Chronische Wunden

Der Therapieerfolg lässt oft lange auf sich warten.

Erfahrung, aber auch Kenntnis über neuen wissenschaftlichen Entwicklungen, interdisziplinäre Zusammenarbeit und Geduld sind bei der Behandlung chronischer Wunden gefragt. Denn die Therapien sind aufwendig, langwierig, von der Mitwirkung des Patienten und seiner Umgebung abhängig – und der Erfolg lässt oft lange auf sich warten.

„Die wichtigsten Maßnahmen für die Behandlung von chronischen Wunden sind die Aufklärung der Ursachen und deren ganzheitliche Beseitigung“, erklärte Prof. Dr. Franz Trautingen, Leiter der Abteilung für Haut- und Geschlechtskrankheiten, Landesklinikum, St. Pölten, im Rahmen einer Veranstaltung der Akademie für Dermatologische Fortbildung in Salzburg.

Die häufigste Ursache für ein Ulcus cruris ist eine chronisch-venöse Insuffizienz, die bei etwa 80 Prozent der Patienten vorliegt. Bei etwa 20 Prozent der Patienten handelt es sich um eine periphere arterielle Verschlusskrankheit oder eine kombinierte Durchblutungsstörung. Zusätzliche Faktoren für die Entstehung eines Ulcus sind, vor allem bei Diabetikern, Neuropathien, Traumen, Stoffwechselerkrankungen und immunologische Störungen. „Die klinische Präsentation ist meist charakteristisch und eine sorgfältige Wunddokumentation ist für die weiterführende Diagnose unerlässlich. Beim Verdacht auf eine Neoplasie – etwa eines Plattenepithelkarzinoms – oder bei unklaren Befunden sollte immer eine Biopsie entnommen werden“, so Trautinger.

Behebung der Durchblutungsstörungen

Bei einer chronischen Insuffizienz der Venen können – wenn eine konsequente Kompression nicht hilft – invasive Methoden wie Stripping oder Schaumklerosierung angewendet werden, um insuffiziente Venenabschnitte zu beseitigen. Die Behandlung des arteriellen Ulcus erfordert eine andere Therapie. Es muss vor allem eine Revaskularisierung durch interventionelle oder chirurgische Verfahren erreicht werden.

Die Behandlung des diabetischen Fußsyndroms erfordert eine Teamarbeit von Angiologen Internisten, plastischen Chirurgen, Dermatologen und Orthopäden. Besonders wichtig ist auch die Verschreibung von geeignetem Schuhwerk. Als begleitende Maßnahmen empfahl Trautinger angepasste Diäten, die eine eventuelle Anämie oder Stoffwechselstörungen beheben. Durch richtige Ernährung, so zeigt die Erfahrung, können chronische Wunden besser heilen. Eine ausreichende Schmerztherapie soll die Mobilität des Patienten verbessern und trägt außerdem zu einer besseren Lebensqualität bei.

Sauberer Wundgrund – Voraussetzung für Heilung

Physiologische Kochsalzlösung, aber auch Leitungswasser eignen sich für die Hauskrankenpflege. Bei infektionsgefährdeten Wunden empfahl Trautinger Antiseptika (PVP-Jod), Phenoxyethanol, Polihexanid, die nur selten Nachteile für die Wundheilung bringen. Eine systemische Antibiose ist hingegen bei allen klinisch manifesten Wundinfektionen erforderlich.

Für jede Wunde der richtige Verband

Die Vielfalt an Verbandstoffen macht die richtige Auswahl schwer. Hier einige Beispiele: Wundgitter, die ein Verkleben der Wunde verhindern; Hydrokollide, ein primärer Wundverband, auch zum Fixieren von anderem Material; Schaumstoffe als primärer Wundverband; Alginate, Hydrofasern für Wundhöhlen und sezernierende Wunden; Wundgele für Wundhöhlen und trockene Wunden; Superabsorber bei starkem Sekret. Darüber hinaus steht auch eine Reihe physikalischer und medizintechnischer Verfahren zur Verfügung. Vielfach angewandt wird auch die topische Unterdrucktherapie. „Allgemein läst sich sagen, dass heute vor allem feuchte Konzepte der Wundheilung bevorzugt werden“, erläuterte Trautinger.

Erforschung der Pathogenese chronischer Wunden

Wenngleich die Behandlung chronischer Wunden lange Zeit von der wissenschaftlichen Forschung vernachlässigt wurde, konnten doch in jüngster Zeit wesentliche Weiterentwicklungen erreicht werden. So hat sich gezeigt, dass die Anwendung des Zytokins Transforming growth Factor ß3(TGF ß3) wesentlich zur besseren Heilung von operativen Narben beiträgt. Vielversprechend sind auch Versuche mit Stammzellen. Eine neue, randomisierte Studie über die Wirksamkeit der Madentherapie hat hingegen keine Vorteile im Vergleich mit Hydrogel gezeigt. „Ein besseres Verständnis der Pathophysiologie von chronischen Wunden soll künftig auch maßgeschneiderte pharmakologische Ansätze für neue Therapien erbringen“, betonte Trautinger mit Blick in die Zukunft.

Quelle: Fortbildungstage der Akademie für Dermatologische Fortbildung, (OEADF), 30. Mai bis 1. Juni 2013, Salzburg.

G. Niebauer, Ärzte Woche 27/2013

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