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Dermatologie 16. Mai 2013

Editorial: Was heißt hier Wonnemonat?

Es war zur Zeit Karls des Großen, im 8. Jahrhundert, als erstmals in schriftlicher Form deutsche Monatsnamen auftauchten. Der 5. Monat erhielt den Namen „Wonnemond“ oder –althochdeutsch – „wunnimanoth“, was übersetzt eigentlich „Weidemonat“ (jetzt konnte man das Vieh wieder auf die Weide treiben) bedeutet. Mit dem, was wir unter „Wonne“ verstehen, hat der Mai also aus sprachhistorischer Sicht nichts zu tun.
Und heute? „Das Auge tränt, die Nase rinnt – jetzt weiß ich, dass der Mai beginnt!“ So ähnlich könnte das Motto der 1“,5 Millionen heimischen Pollenallergiker lauten, denen nach Hasel, Erle und Birke nun auch die Gräser den Tag vermiesen.
Einige Pollengeplagte entwickeln aufgrund der Belastung sogar Depressionen, und jeder dritte Betroffene wird im Lauf der Zeit vom Allergiker zum Asthmatiker.

Pollen-Alarm


Allein schon die Anzahl der Leidende macht die Pollenallergie zu einer Herausforderung für die moderne Medizin. Im vorliegenden Heft finden Sie Neuigkeiten zu den therapeutischen Ansätzen:
Die Fortschritte sind unübersehbar, wenn auch die große Hoffnung der Patienten auf eine kausale Therapie noch nicht wirklich erfüllt wird. Zwar besteht die Möglichkeit der Desensibilisierung, doch in der Praxis erscheint diese Methode den meisten Allergikern als umständlich, lästig, langwierig und zu wenig erfolgversprechend, was sich in der mangelnden Compliance niederschlägt. Die gute Nachricht: An einer „patientenfreundlicheren“ Variante der spezifischen Immuntherapie wird gearbeitet, und erste Erfolge scheinen sich abzuzeichnen.

Jugendsünden rächen sich

Am ersten Mai begann in Wien und anderen österreichischen Städten die Bädersaison. Und damit sind wir beim nächsten Mai-Problem. Für die menschliche Haut ist exzessiv betriebenes Sonnenbaden nämlich alles andere als eine Wonne. Zwar zeigen die jahrelangen Bemühungen, die Bevölkerung auf das Risiko Hautkrebs zu sensibilisieren, langsam Wirkung, nichtsdestoweniger sind kutane maligne Tumore weiterhin auf dem Vormarsch.
Vor allem beim „weißen“ Hautkrebs, von dem überwiegend ältere Personen betroffen sind, steigen die Zahlen der Neuerkrankungen
ständig. Nicht zuletzt eine Folge des übertriebenen Sonnenkonsums
in den 1960er und 70er Jahren, als (fast) jeder Peter ein Pietro sein wollte. Dass ein tiefbrauner Teint nicht unbedingt ein Zeichen von Vitalität ist, scheint sich in manchen Bevölkerungskreisen noch nicht herumgesprochen zu haben. In diesem Sinne war die Einführung des Solarium-Verbots für Kinder und Jugendliche ein wichtiger Schritt, um die allzu Sonnenhungrigen vor sich selbst zu schützen. Ob sich ein Trend zur noblen Blässe abzeichnet und wie wichtig die Leute den Sonnenschutz wirklich nehmen, das können Sie, geschätzte Dermatologen, am besten erkennen:
Im Strandbad und – in ein paar Jahren – in Ihrer Praxis.

Da die nächste Ausgabe von hautnah im September erscheint, darf ich Ihnen, liebe Leserinnen und Leser jetzt schon einen schönen Sommer wünschen! Viel Spaß mit dem aktuellen Heft wünscht Ihr

Ingo Schlager
Redaktion hautnah

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