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Dermatologie 18. Mai 2013

Geschmückte Nase

Piercing ist zwar altbewährt, kann aber noch immer zu Problemen führen.

Nasenpiercing gilt als cool, auch wenn es kein bisschen neu ist. Aber nach wie vor müssen die Träger solcher Schmuck- und Kultstücke mit Komplikationen rechnen, von der allergischen Reaktion bis hin zur Degeneration.

Nostril-, Septum- oder Bridge-Piercing sind keine Erfindung der Jugendlichen des 20. Jahrhunderts. Schon in der Bibel wird über einen goldenen Nasenring berichtet. Menschen im Vorderen Orient über Angehörige afrikanischer Stämme bis hin zu den Ureinwohnern Amerikas durchlöcherten ihre Nasen, um die merkwürdigsten Dinge dort zu platzieren. Diese dienten nicht nur als schmückendes Beiwerk, sondern hatten auch reichlich Symbolkraft.

In der westlichen Kultur kam der Nasenring im Jahr 1913 an – wie Barry Ladizinski und Kollegen vom Duke University Medical Center in Durham, England, berichten – in Form der Sängerin Polaire, die mit einem Piercing im linken Nasenflügel durch die USA tourte. In den 1960er-Jahren wurde diese Mode von den amerikanischen Hippies übernommen und schließlich entdeckten sowohl die Punks der 1970er- als auch die Goths der 1980er-Jahre den Nasenschmuck für sich.

Heute ist ein Nasenpiercing meist kein Grund mehr für längere Familiendiskussionen. Im Gegenteil, ein kleiner Glitzerstein blitzt auch in so mancher Mutternase.

Ärzte lehnen Kollegen mit Nasenring ab

Im Medizinbereich scheint ein Nasenpiercing allerdings nicht so gut anzukommen. Umfragen haben ergeben, dass nur 24 Prozent der Patienten ein solches Schmuckstück bei ihrem Arzt für angebracht halten. Und lediglich sieben Prozent der Ärzte selbst finden, dass das Tragen eines Nasenrings mit ihrem Job vereinbar sei. Mehr als die Hälfte der Mediziner gaben in einer Befragung an, sie würden ein solches Schmuckstück bei einem Kollegen oder einem Medizinstudenten als störend empfinden.

Doch ganz abgesehen von modischen Trends und persönlichen Vorlieben – ganz reibungslos geht ein Piercing nicht immer vonstatten. Komplikationen können etwa durch die Verwendung nicht steriler Instrumente, ungenügende Nachsorge oder stümperhafte Techniken entstehen. So wurde beispielsweise über Infektionen mit Staphylococcus aureus, Pseudomonas aeruginosa sowie Hepatitis-Viren berichtet. Daneben kommt es immer wieder zu Blutungen oder zur Bildung von Narben und Keloiden. Auch über die Entwicklung von Granulomen und Basalzellkarzinomen im Zusammenhang mit einem Piercing wurde schon berichtet.

Perforierter Knorpel

Die Probleme, die Ladizinski et al. in der „Notable Note“ aufführen, sind allerdings bei Weitem nicht die einzigen. So haben S. Strieth und A. Berghaus beispielsweise auf die Problematik eines perforierten Knorpels hingewiesen (MMW-Fortschr Med 2006). Es besteht die Gefahr eines Septumhämatoms, einer Perichondritis oder Abszessbildung, was letztlich bis hin zu Deformitäten führen kann. Auch eine behinderte Nasenatmung sowie ungewollte Atemgeräusche können dem Träger sein Schmuckstück vermiesen. Zudem weisen Strieth und Berghaus auf die langen Wundheilungszeiten bei Piercingschmuck-Perforationen hin (Nasenscheidewand 6–8 Monate, Nasenflügel 2–4 Monate und Nasenrücken 8–10 Wochen).

Einige Länder wie Neuseeland oder Frankreich haben versucht, möglichen Komplikationen im Vorfeld zu begegnen. Sie haben allgemeine Richtlinien entwickelt, an denen sich Piercer bei ihrem Handwerk orientieren müssen. Da Nasenringe möglicherweise irgendwann den Beliebtheitsgrad von Ohrringen erreichen, sollten Piercer wie Verbraucher vorbereitet sein, meinen Ladizinski und Kollegen, und zwar durch bessere Aufklärung über sichere Techniken, hygienische Vorsichtsmaßnahmen und potenzielle Risiken. Auch hat der europäische Berufsverband für professionelles Piercing (EAPP) einen Anforderungskatalog mit „Richtlinien für die Durchführung und Hygiene im professionellen Piercingstudio für zertifizierte EAPP-Mitglieder“ erstellt.

 

basierend auf: Ladizinski B et al. Nose Piercing: Historical Significance and Potential Consequences. JAMA Dermatol 2013; 149: 142

springermedizin.de/KK, Ärzte Woche 20/2013

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