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Dermatologie 7. Mai 2013

Handekzem fest im Griff

Das chronische Handekzem ist eine der häufigsten Berufskrankheiten und kann bis zur Arbeitsunfähigkeit führen.

Unter einem chronischen Handekzem leiden gar nicht so wenig Menschen, wie man vielleicht meinen möchte. Fünf bis zehn Prozent der Bevölkerung zählen zu den Betroffenen, somit ist es eine der häufigsten Hauterkrankungen und macht vor allem einen Großteil der beruflichen Hauterkrankungen aus, nämlich rund 90 Prozent.

Die unangenehme und oft schmerzhafte Hautkrankheit kann nicht nur die Lebensqualität einschränken, sondern mitunter auch Probleme am Arbeitsplatz mit sich bringen.

Die neu gegründete Initiative „Zeigt her eure Hände“ unter der Leitung von Prof. Dr. Werner Aberer, Vorstand der Univ.-Hautklinik Graz hat das Ziel, Betroffene über die Erkrankung, ihre Auswirkungen und Behandlungsmöglichkeiten zu informieren. Wichtigste Botschaft der Initiative: Die Betroffenen müssen nicht im Stillen leiden und ihre Hände verstecken, denn es gibt gute, moderne Therapiemöglichkeiten. Patienten, die bereits als austherapiert galten und wegen des bereits langen chronischen Verlaufs ihres Handekzems desillusioniert sind, kann auch mit kortisonfreien Alternativen geholfen werden.

Über die neue Website www.zeigt-her-eure-haende.at können Erkrankte zahlreiche Informationen rund um das chronische Handekzem einholen.

Schmerz und Scham

Für die meisten Menschen sind ihre Hände ein wichtiges Arbeitsinstrument. Kein Wunder, dass je nach Schweregrad der Erkrankung viele Betroffene nicht nur ihre eingeschränkte Lebensqualität beklagen und unter verletzenden Reaktionen der Umwelt leiden, sondern auch Probleme am Arbeitsplatz bekommen. Das kann mitunter bis zum Jobverlust gehen, wenn die Funktionsfähigkeit der Hände beeinträchtigt ist. Die anhaltenden Schmerzsymptome können auch die Fähigkeit zur Ausübung von Aktivitäten des täglichen Lebens wie etwa Kochen oder Abwaschen einschränken. Die Auswirkungen der Erkrankung reichen somit weit über die sichtbaren Symptome hinaus.

Viele Erkrankte schämen sich und versuchen ihre Hände zu verbergen, sogar erhebliche psychosoziale Störungen mit Schüchternheit bis hin zum Rückzug kommen vor. Betroffene leiden oft im Stillen, manche entwickeln Rituale, um mit der Erkrankung besser zurechtzukommen. So berichten einige Erkrankte davon, dass sie ihre Hände in kaltem Wasser baden oder kurz ins Gefrierfach halten, um ihre Schmerzen zu lindern. Andere führen ein Leben voller Verzichte: Sie meiden beispielsweise Nahrungsmittel oder die Berührung mit bestimmten Materialien oder Produkten, die sie für Auslöser ihrer Erkrankung halten.

Arbeitsunfähigkeit vermeiden

Das chronische Handekzem ist die am weitesten verbreitete Berufskrankheit. Sie tritt am häufigsten am Höhepunkt der beruflichen Tätigkeit, also zwischen dem 20. und 49. Lebensjahr auf. Vor allem Berufe, die mit hautbelastenden Tätigkeiten einhergehen, sind vom chronischen Handekzem betroffen und können oft nicht mehr oder nur in geringerem Umfang ausgeübt werden.

Besonders gefährdet sind Berufsgruppen wie Friseure, Reinigungspersonal, Metallarbeiter, Bauarbeiter, Maler, Floristen, Bäcker, Köche, Zahntechniker und medizinische Pflegekräfte in Krankenhäusern und Pflegeheimen. „Bei dem einen oder anderen Beruf kann das chronische Handekzem zur Berufsunfähigkeit und damit zum Verlust des Arbeitsplatzes führen, was wiederum ökonomische Konsequenzen nach sich zieht. In vielen Fällen muss es aber gar nicht soweit kommen, oftmals ist die drohende Arbeitsunfähigkeit vermeidbar. Auch Arbeitgeber haben großes Interesse daran, einen wertvollen Mitarbeiter nicht zu verlieren, wenn es sich verhindern lässt“, so Aberer.

Hausfrauen sind besonders oft erkrankt

Hausfrauen sind – das ist nicht überraschend – eine der am häufigsten betroffenen Personengruppen. Arbeiten im Haushalt, im Garten oder auch in der Hobbywerkstatt können die Hände stark beanspruchen. Hausfrauen haben ständig Kontakt mit diversen hautreizenden Stoffen, wie zum Beispiel säurehaltigen Flüssigkeiten, Reinigungssprays und Fettlösemitteln in Wasch- und Spülmitteln. Durch den täglichen Kontakt mit den aggressiven Substanzen wird die schützende Fettschicht der Haut langfristig zerstört und es kann ein Handekzem entstehen.

Gang zum Hautarzt lohnt sich

Mit der Diagnose chronisches Handekzem muss man sich nicht abfinden, Patienten sind nicht zu lebenslangen Beschwerden verurteilt. Ist die bisherige, oftmals in der Gabe von Kortisonpräparaten bestehende Therapie des chronischen Handekzems unzureichend, kann das als genauso belastend wie die Erkrankung selbst empfunden werden. Eine alleinige Symptomlinderung belastet mitunter den Alltag des Patienten zusätzlich und kann obendrein lästig, umständlich und langwierig sein. Eine optimale Behandlung des chronischen Handekzems zielt daher auf die Ursachen der Erkrankung ab und nicht nur auf die Symptome.

Nicht aufgeben

„Viele Betroffene leiden schon seit einiger Zeit an den schmerzhaften Hautsymptomen, haben aber bis jetzt den Gang zum Arzt gescheut und sind daher nicht in Behandlung. Andere haben ihre Therapie aufgegeben und wissen nicht, dass mit modernen und adäquaten Medikamenten ihr Leid gelindert werden könnte“, erklärt Aberer und ergänzt: „Zunächst sollte jedoch ein Facharzt für Hautkrankheiten die Diagnose stellen.“ Da das chronische Handekzem anderen Hautkrankheiten sehr ähnlich ist, können die Diagnose und die Ursache oft nur durch ein aufwendiges Ausschlussverfahren gestellt werden.

„Mit modernen Arzneimitteln ist eine deutliche Symptomminderung möglich, daher lohnt sich der Gang zum Hautarzt auf jeden Fall. Es steht nun auch eine systemische kortisonfreie Therapie zur Verfügung, die von innen wirkt und beim schweren, therapieresistenten Handekzem nachweislich wirksam ist. Eine Symptomfreiheit ist mit diesen modernen Arzneimitteln bei mehr als der Hälfte der Betroffenen möglich“ berichtet Aberer.

Das chronische Handekzem

Fünf bis zehn Prozent der Bevölkerung leiden unter einem Handekzem, einer nicht ansteckenden Hautentzündung der Hände. Damit ist es eine der häufigsten Hauterkrankungen sowie eine der häufigsten Berufserkrankungen.

Die Krankheit besteht oft über Monate bis Jahre, kann aber auch schubweise verlaufen. Das Ekzem kann an Handflächen, Handrücken, Finger und Fingerspitzen sowie an der Haut zwischen den Fingern auftreten. Eine häufige Ursache des Handekzems ist eine andauernde Reizung der Haut mit Schad- und Reizstoffen, die die natürlichen Schutzmechanismen der Haut erschöpfen. Dadurch kommt es zu einer Überreaktion der körpereigenen Abwehr, die Haut wird extrem empfindlich, der Juckreiz ist oft quälend.

Oft beginnt das Handekzem mit leichten Symptomen, etwa mit trockener schuppender Haut. Nach und nach können sich die Symptome verstärken, häufig kommt es zu einer Verhornungsstörung, die oft mit schmerzhaften Rissen einhergeht.

Wenn trotz adäquater Lokaltherapie und der Vermeidung des auslösenden Reizstoffes länger als drei Monate Symptome auftreten oder mindestens zwei Rückfälle pro Jahr vorkommen, muss das Handekzem als chronisch eingestuft werden.

Public Health PR, Ärzte Woche 19/2013

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