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Rotlicht aktiviert die zuvor aufgetragenen photoaktiven Substanzen, Sauerstoffradikale werden gebildet.

Aktinische Keratose vor (Foto oben) und nach (Foto unten) der photodynamischen Therapie.

 
Dermatologie 22. März 2013

Ohne Laser und Skalpell

Photodynamische Therapie bei onkologischen und anderen Hauterkrankungen.

Bis jetzt wurde sie nur in dermatologischen Spezialambulanzen durchgeführt. Nun hält sie Einzug in die Facharztordinationen: die photodynamische Therapie (PDT).

Das Prinzip der PTD – Auftragen eines photoaktiven Wirkstoffes mit anschließender Belichtung der betroffenen Hautstelle – ist schon seit 1903 bekannt. Damals erzielte man erstaunlich gute Ergebnisse in der Behandlung von Hauttumoren mit Eosin und Tageslicht. Dieser Ansatz geriet jedoch für lange Zeit wieder in Vergessenheit.

In den Medizinischen Universitätskliniken hat man die PDT schon vor geraumer Zeit wieder aufgegriffen und intensiv beforscht, sodass nun sowohl eine standardisierte Prozedur als auch zugelassene Medikamente für die Vorbehandlung zur Verfügung stehen. Der Behandlung von aktinischen Keratosen, Morbus Bowen und Basaliomen mit PDT im niedergelassenen Bereich steht also nichts mehr im Wege.

Meist genügt einmalige Anwendung

„Zunächst werden Schuppen und Krusten mechanisch abgetragen, die betroffenen Hautstellen werden gereinigt und entfettet“, erklärt Doz. Dr. Sonja Radakovic von der Wiener Universitätsklinik für Dermatologie den Ablauf der Behandlung. Dann wird eine Creme oder ein Gel mit dem photoaktiven Wirkstoff – dies ist zumeist Aminolävulinsäure – aufgetragen. Diese muss unter einem lichtundurchlässigen Verband etwa drei Stunden einwirken. „Anschließend erfolgt die Bestrahlung mit Rotlicht für etwa zehn bis 20 Minuten.“

Die Heilungsraten sind bei allen onkologischen Indikationen – aktinische Keratose, Morbus Bowen und Basaliom – beeindruckend: aktinische Keratose 89 bis 92 Prozent, Morbus Bowen 86 bis 93 Prozent, primär oberflächliche und Low-risk-noduläre Basalzellkarzinome 92 bis 97 Prozent nach drei Monaten. Bei aktinischer Keratose genügt meist eine einmalige Sitzung für eine komplette Abheilung der Läsionen.

Gegenüber anderen therapeutischen Optionen – wie Kryotherapie und operative Entfernung – bietet die PDT eine Reihe an Vorteilen. Der herausragendste ist für Radakovic das kosmetische Ergebnis: „Die Behandlung hinterlässt weder Narben noch hypopigmentierte Läsionen.“ Neben der „ausgezeichneten therapeutischen Wirkung“ habe die PDT außerdem den Vorteil, dass umliegende Areale, die bereits befallen sind, aber noch keine sichtbaren Läsionen zeigen, quasi mitbehandelt werden. „Die PDT hat also in vielen Fällen sicher auch eine präventive Wirkung“, meint Radakovic.

Die Nachteile sollen nicht verschwiegen werden: „Die Methode ist zeit- und geräteaufwändig“, so Radakovic, „und nur für oberflächliche Tumoren geeignet..“ Zudem werden die Kosten für die Aminolävulinsäure-Salbe derzeit noch nicht von der Krankenkasse getragen. Dies soll sich aber laut Hersteller schon bald ändern.

Cleveres Wirkprinzip

Auch Prof. Dr. Peter Wolf, Photodermatologie-Spezialist an der Medizinischen Universität Graz, ist von der PDT überzeigt, die er als „clever, schnell und effizient“ bezeichnet. „Clever ist das Wirkprinzip: Aminolävulinsäure ist eine natürliche Vorstufe des Hämoglobins. Es reichert sich in den erkrankten Zellen an. Die Tumorzellen selbst wandeln es in einen photosensitiven Farbstoff um.“ Sobald sie dann mit Licht bestrahlt werden, produzieren sie „ihr eigenes Gift“ in Form von zytotoxischen Sauerstoffradikalen.

Der Effekt tritt schnell ein und wird für die Patienten meist schon während der Behandlung, jedenfalls aber innerhalb der ersten 24 Stunden, spürbar. Bei großflächigen und multiplen Läsionen kann dies auch unter Umständen recht schmerzhaft sein. Sonst sind aber keine unerwünschten Wirkungen bekannt. „Die PDT schont das gesunde Gewebe. Die Heilungsraten bei weißem Hautkrebs und dessen Vorstufen liegen nach einer einmaligen Bestrahlung bei ca. 70 bis 80 Prozent“, fasst Wolf zusammen.

Akne, Warzen und Verjüngung

Über den Einsatz der PDT in nicht-onkologischen Indikationen sprach Prof. Dr. Adrian Tanew, Medizinische Universität Wien. „Weil die PDT immunmodulierend und antibakteriell wirkt, ist sie auch erfolgreich bei entzündlichen Hauterkrankungen wie z. B. Akne.“ Auch bei multiplen Warzen (häufig bei immunsupprimierten Menschen) erzielt die PDT laut Tanew signifikant bessere Ergebnisse als die rein mechanische Abtragung. Im Vergleich zur CO2-Laser-Behandlung treten nach Warzenbehandlung mit PDT weniger Rezidive auf.

Das gute kosmetische Ergebnis nach PDT beruht nicht allein auf der Abheilung der Läsionen. Zusätzlich wurde beobachtet, dass die behandelte Haut „Verjüngungszeichen“ präsentiert: Pigmentflecken werden abgeschwächt, die Faltentiefe reduziert. Für Tanew ist dies nicht verwunderlich, denn die PTD wirkt bis tief ins Unterhautbindegewebe.

Von der Ambulanz in die Ordination

„Mit der Zulassung eines neuen Aminolävulinsäure-Präparates und einer vergleichsweise kostengünstigen Bestrahlungslampe wird die PDT nun auch für den niedergelassenen Bereich interessant“, meint Prof. Dr. Alexis Sidoroff, Medizinische Universität Innsbruck. „Unverständlich bleibt, dass die Kosten der Therapie, die in vielen Ländern als Therapie der ersten Wahl gilt, in Österreich nicht von den Krankenkassen refundiert werden.“

Pressegespräch „Neue photodynamische Therapie der solaren Keratose“, Wien, 28. Februar 2013

C. Lindengrün, Ärzte Woche 12/2013

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