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Dermatologie 30. Juni 2005

Wenn der Berg zum Propheten kommt: Aktion "Sun-Watch"

Zum fünften Mal findet heuer die steirische Melanom-Vorsorgeaktion statt. Hautärzte der Universitätsklinik Graz besuchen an fünf Freitagen im Juni und Juli sowie an einem Sonntag im Mai diverse Freibäder in verschiedenen steirischen Regionen. Sie bieten im Rahmen der Aktion eine kostenlose dermatologische Untersuchung und Beratung der Badegäste an. Die Dermatologen suchen somit einen Ort auf, an dem sich die sonnenhungrigen Risikogruppen ihrer UV-Bestrahlung hingeben. Die Aktion wird von der Bevölkerung äußerst positiv aufgenommen. Mehrere tausend Personen wurden seit Beginn von "Sun-Watch" gescreent. Die Kosten trägt die Krebshilfe Steiermark, gänzlich finanziert von der öffentlichen Hand und der Sonnenkosmetikfirma Luis Widmer.

Christian Scherer, Geschäftsführer der Krebshilfe Steiermark, freut sich über die hohe Akzeptanz in der Bevölkerung: "Etwa ein Viertel der Klientel kommt sogar extra in die Bäder, um das Angebot wahrzunehmen", weiß Scherer zu berichten. Auch bei Schlechtwetter lassen sich die Leute untersuchen. Ein großes Bewusstsein ist bei der Elterngeneration festzustellen, die besorgt um die Haut ihrer Kinder ist: Ein Grundstock für die Sensibilität der kommenden Generationen.

Die in enger Zusammenarbeit der Krebshilfe Steiermark mit der Grazer Hautklinik entstandene Aktion "Sun-Watch" soll den Badegästen als erster Einstieg in eine notwendige regelmäßige fachärztliche Kontrolle dienen. Tatsächlich wiesen erste Untersuchungen darauf hin, dass über 70 Prozent der Untersuchten diese Art des Screenings einem Gang zum Arzt vorziehen. "Die Allgemeinmediziner und niedergelassenen Dermatologen sollten die Aktion jedoch nicht als Konkurrenz missverstehen. Die Untersuchung soll kein Ersatz für eine Begutachtung durch den Hautarzt sein", beruhigt Scherer. Auch werden Sonnenhungrige über die potenzielle Gefahr und die Möglichkeit einer Voradaptierung der Haut aufgeklärt. Jeder Person im Schutzprogramm wird nahegelegt, sich zumindest einmal pro Jahr von einem Dermatologen untersuchen zu lassen.

In erster Linie handelt es sich zwar um ein Früherkennungsprogramm für das Melanom, dennoch werden bei der Begutachtung auch eine Reihe anderer dermatologischer Erkrankungen diagnostiziert.

Aus den Daten des Jahres 1998 resultierte auch eine Studie der Universitätshautklinik Graz, die 344 Personen beinhaltete (Hofmann-Wellenhof et al., Arch.Dermatol., Vol 136, 7/2000) Sie belegt die Notwendigkeit, mit derartigen Screeningmaßnahmen an die Öffentlichkeit zu gehen und den Berg zum Propheten zu bringen: So wurden bei der Aktion 13 Prozent der untersuchten Personen aufgrund verdächtiger Läsionen zum Dermatologen verwiesen. Von diesem Personenkreis hätten sich lediglich 60 Prozent in nächster Zeit tatsächlich einer fachärztlichen Begutachtung unterzogen. Die Hälfte aller suspekten Hautveränderungen wurde bei Personen festgestellt, die vier oder mehr Risikofaktoren hatten.

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