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Dermatologie 30. Juni 2005

Vor dem Krankheitsschub gab es zu Hause Ärger

Hannover. Zwischen Stress und chronischen Hautkrankheiten gibt es vermutlich einen Zusammenhang - belegt ist das aber noch nicht. Licht ins Dunkel der Ursachenforschung bringen zwei Studien bei Patienten mit Lupus erythematodes und atopischer Dermatitis. 

In einer prospektiven Längsschnittstudie mit 40 Frauen mit systemischem Lupus erythematodes wurde geprüft, ob sich alltägliche Belastungen auf den Verlauf der Krankheit auswirken.

Ein halbes Jahr führten die Frauen Tagebuch und notierten alle psychischen Belastungen und ihre emotionale Befindlichkeit. Alle vier Wochen wurden Krankheitsaktivität und immunologische Parameter bestimmt. Im Untersuchungszeitraum hatten neun Frauen einen akuten Krankheitsschub, der durch einen Mehrbedarf an Kortison indirekt angezeigt wurde.

Wie Dr. Cornelius Pawlak von der Medizinischen Hochschule Hannover bei einer Tagung in Hannover berichtet hat, fühlten sich diese Frauen besonders unter Stress. Alle gaben an, viele Verpflichtungen zu haben und dabei von den Angehörigen nicht genug unterstützt zu werden. Einen Monat vor dem Krankheitsschub verschlechterten sich die sozialen Beziehungen rapide. Die Frauen hatten signifikant mehr antinukleäre Antikörper als zuvor, wie Pawlak berichtete. Dies stütze die These, dass ein systemischer Lupus erythematodes durch Autoantikörper gegen unterschiedliche Kernantigene ausgelöst oder in Gang gehalten wird. Der zuverlässigste Prädiktor für einen Krankheitsschub war allerdings die Befindlichkeit der Frauen. Dazu gab es jedoch nur subjektive Angaben aus den Tagebüchern - es sei deshalb schwer zu entscheiden, ob tatsächlich ein Stimmungstief den Krankheitsschub auslöst oder die fortschreitende Krankheit die Befindlichkeit verschlechtert.

Auch die Ergebnisse einer weiteren Studie geben wenig Aufschluss über die Bedeutung von Stress für chronische Hautkrankheiten.

An der Universität Trier wurden 36 Patienten mit atopischer Dermatitis unter Stress gesetzt: Sie mussten fiktive Bewerbungsgespräche führen und danach vor anderen Teilnehmern rückwärts rechnen.

Nach dieser psychosozialen Stressbelastung schütteten die Patienten signifikant weniger Kortisol und ACTH aus als gesunde Probanden. Das weise auf eine Dysfunktion der Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse hin, sagte die Biologin Andrea Geiben. Auch Kinder mit Atopie setzten bei Stress weniger Kortisol frei, was offenbar die Vulnerabilität für entzündliche Prozesse erhöhe.

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