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Dermatologie 30. Juni 2005

Management von Pruritus Ani

Pruritus ani - ein häufig geschildertes Problem, mit dem der Arzt in der Allgemeinpraxis konfrontiert ist.

Was sind die möglichen Ursachen?

Die meisten Patienten haben einfach nur eine lokal begrenzte Dermatitis, verursacht durch fäkale Irritation und Hautfaltenmazeration. Genaue Anamnese und Untersuchung sind wichtig. Typischerweise berichten die Patienten, dass die Beschwerden im Laufe des Tages zunehmen. Zu einer kurzfristigen Besserung kommt es durch Waschen, zu einer Verschlechterung durch eng anliegende oder warme Kleidung. Die meisten Patienten haben sich zum Zeitpunkt der Konsultation schon mit "over-the-counter"-Präparaten behandelt. Achtung: Laxantien können anale Irritationen verursachen, daher immer eine detaillierte Medikamenten- anamnese erheben. Bei Kindern muss unbedingt an Fadenwürmer gedacht werden, bei Erwachsenen an Diabetes mellitus.

Schmerzen oder Ausfluss anal sind nicht typische Symptome für simplen Pruritus ani, sondern können vielmehr Hinweis sein auf Analfissuren, Analprolaps oder Analfisteln. Bei der Anamnese immer nach Stuhlgewohnheiten, rektalen Blutungen oder unfreiwilligem Stuhlabgang fragen, genauso wie nach Gewichtsverlust oder anderen konstitutionellen Problemen. Anus unbedingt bei gutem Licht untersuchen: Oft ist nicht viel zu sehen, aber Exkoriationen oder Lichenifikation sind häufig.

Manchmal sieht man auch Mazerationen. Spezifische entzündliche Hautkonditionen wie Psoriasis oder Lichen sclerosus könnten Ursache eines analen Juckreizes sein. Auch Warzen oder Candidiasis können den Boden für Pruritus ani bereiten. Es ist ratsam, auf Kontamination durch Stuhl oder Salben zu achten. Achten Sie weiter auf Obesitas, einen Prolaps oder Hämorrhoiden.

Welche Untersuchungen sind nötig?

Eine rektale Untersuchung ist essentiell, damit kein anales Karzinom übersehen wird. Die wichtigsten Untersuchungen sind sicher ein Streifentest für den Harn bei den Erwachsenen und ein Klebeband-Hafttest für Fadenwürmer bei Kindern. Hautabstriche können hilfreich sein - gemischte Infektionen sind jedoch häufig und außerdem ist die Infektion meist nur sekundär zur analen Irritation und Excoriation.

Wie behandeln?

Bevor Sie zum Rezeptblock greifen, ist es sehr hilfreich, mit dem Patienten ausführlich zu sprechen und ihm zu erklären, wie er sich selbst helfen kann: Ausgewogene, ballaststoffreiche Ernährung führt zu regelmäßigem, aber nicht zu häufigem Stuhlgang. Einfache Hämorrhoiden sind durch diese Maßnahme oft schon geheilt. Aber Achtung: Kleie kann zu Irritationen der Analhaut führen. Reinigung mit normalem Klopapier ist kontraproduktiv - waschen oder die Verwendung von Feuchttüchern ist besser. Dabei ist darauf zu achten, dass Parfümzusätze auch wiederum zu Irritationen führen können. Weitere wichtige Ratschläge sind: locker sitzende Baumwollunterwäsche tragen, Gewichtsreduktion bei übergewichtigen Patienten, Vermeiden von längerem Sitzen, heißer Umgebung und eng anliegender Kleidung. Auch auf eine geeignete Ernährung achten!

Bestimmte Nahrungsmittel können das Problem zum "Aufblühen" bringen - Bier und Currygerichte sind bekannt. Auch Zitrusfrüchte, Weintrauben, Tomaten, Tee und Kaffee können oft für analen Juckreiz verantwortlich gemacht werden. Als nächster therapeutischer Schritt bewährt sich meist eine Fettsalbe mit 0,5 Prozent Hydrocortison, zwei Mal täglich und nach dem Stuhlgang. Bei schwerer mazerierter Haut sollte eher eine Salbe/Creme mit Antibiotika, Antifungiziden in Kombination mit einem Steroid verwendet werden. Patienten mit sehr hartnäckigen Symptomen ohne offensichtliche zugrundeliegende Ursache sollten weiter überwiesen werden. In der Regel aber sind die meisten Fälle analen Juckreizes problemlos in der allgemeinmedizinischen Praxis zu lösen.

Quelle: pulse

Dr. Karin Reischl, Ärzte Woche 10/2001

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