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Dermatologie 14. Juli 2005

Mehr Bereitschaft zur Vorsorge

Nach Schätzungen der WHO erkranken jedes Jahr zwei Millionen Menschen an Basalzell- und Plattenepithel-Karzinomen, etwa 200.000 an einem Melanom. Es handelt sich neben der weltweit häufigsten Krebserkrankung auch um jene mit der höchsten jährlichen Zuwachsrate. Anfang des 20. Jahrhunderts erkrankte einer von 100.000 Menschen an einem Melanom, heute ist diese Zahl etwa 15-mal so hoch. Nach wie vor ist, so sind sich führende Experten einig, die Überdosierung von UV-Licht als einziger ursächlicher Faktor bekannt. Wirksam ist nicht nur der Sonnenbrand, sondern auch die Langzeiteinstrahlung. Nicht zuletzt durch Aufklärungskampagnen war in den vergangenen Jahren schon eine erhöhte Motivation zu erkennen, sich auf Hautkrebs untersuchen zu lassen.

"Insgesamt ist die Häufigkeit der Melanome zunehmend, der Anteil der frühentdeckten Läsionen ist jedoch deutlich höher als vor einigen Jahren. Sinkend ist die Zahl der Patienten, die sehr spät zur Erstdiagnose kommen", ergänzt Dr. Erika Richter, Oberärztin an der Grazer Universitätsklinik für Dermatologie und Venerologie, Abteilung für allgemeine Dermatologie.

Besondere Risikogruppen

Mit mehr als 40 Pigmentmalen am Körper ist das Risiko, am malignen Melanom zu erkranken, sieben- bis 15-fach erhöht. Personen mit hellem Hauttyp, mit rötlichen oder blonden Haaren, mit Neigung zu Sommersprossen und Sonnenflecken haben je nach Kombination der Risikofaktoren sogar ein bis zu 100-fach erhöhtes Risiko, in ihrem Leben an einem Melanom zu erkranken. Sonnenbrände in früher Jugend steigern das Risiko um das Zwei- bis Dreifache. Vor allem Kinder sollten aus diesem Grunde besonders gut geschützt werden. Noch immer gilt die Regel: "Die Haut vergisst nichts." Entsprechende einfache Vorsichtsmaßnahmen, wie Mittagssonne meiden, anziehen und eincremen, sind anzuraten.

Ein Patient, der mehrere atypische Muttermale aufweist, sollte zweimal jährlich dermatologisch kontrolliert werden. Besonders Männer zwischen dem 35. und 50. Lebensjahr, weiß Richtig zu berichten, sind diesbezüglich sehr nachlässig. In dieser Patientengruppe sind auch vermehrt "dicke Melanome" zu finden.

Verbesserte Diagnose mittels Computer

Ein Melanom kann de novo entstehen oder in einem Muttermal. Atypische und größere Naevi beherbergen ein höheres Risiko der Entartung. "Jede neue Veränderung muss, auch wenn sie nicht pigmentiert ist, ernst genommen werden", so Richter. Schließlich gibt es Melanomtypen, die überhaupt keine Pigmentierung aufweisen. Auch neu aufgetretene rötliche Papeln sind verdächtig. Prinzipiell sollte jede rötliche, schuppende Veränderung, die länger bestehen bleibt, immer in Hinblick auf ein Plattenepithelkarzinom betrachtet werden. Dies gilt vor allem bei Läsionen an exotischen Stellen, wie Fußrücken oder behaarte Kopfhaut.

"Wenn eine Läsion verdächtig scheint, so müssen auf jeden Fall die notwendigen Schritte veranlasst werden: entweder der Allgemeinmediziner exzidiert selbst oder überweist den Patienten an einen Facharzt. Schließlich ist die endgültige Diagnose nur über die Histologie zu stellen." Inwieweit zugewartet und lediglich engmaschiger kontrolliert werden soll, ist Erfahrungssache. Die ABCD-Regel gilt in erster Linie für Frühveränderungen, bei klinisch eindeutigem Melanom oder oberflächlichen Ulzerationen muss sofort gehandelt werden. Die Differenzialdiagnose zwischen benignen und malignen Pigmentflecken konnte in den letzten Jahren durch die Betrachtung der Läsionen mittels Ölimmersion (ELM), eventuell mit polarisiertem Licht und Auflichtmikroskopie, verbessert werden.

Bei der Digital-Auflichtmikroskopie (D-ELM) werden die Bilder in einen Computer gespeist. Durch Speicherung und Bildanalyse wird die Nachbeobachtung erleichtert, denn eine Struktur- oder Größenzunahme drückt sich oft nur durch geringfügige Veränderungen in manchen Positionen aus. Mittels einer "computeraided Classification" werden cirka 150 verschiedene Merkmale berücksichtigt. Der Untersuchungsabstand für Risikopatienten liegt in der Regel bei 3 bis 6 Monaten. Ideal und mit bester Heilungsaussicht bleibt natürlich die operative Abtragung von Tumoren mit einer Eindringtiefe bis maximal 1 mm.

In späteren Stadien sind heute die Impfung mit dendritischen Zellen oder allogener Tumorzellvakzine, onkogene Modulation und neue adjuvante Therapien mit Interferon möglich. Neu ist die Verwendung von Pegylated Interferon, das höhere Effekte verspricht, Nachweise gäbe es aber noch nicht. Dennoch bleibt die Früherkennung nach wie vor wichtigste Maßnahme. Als einzige Hautklinik der Steiermark mit großem Einzugsgebiet auch aus den benachbarten Bundesländern führt die Universitätsklinik Graz regelmäßig Aufklärungskampagnen durch, um dieser Aufgabe gerecht zu werden. Gemeinsam mit der Krebshilfe Steiermark wird diesen Sommer ein großangelegtes Melanom-Screening in öffentlichen Bädern durchgeführt: Über die Aktion "Sunwatch" sollen mehrere tausend Badegäste auf verdächtige Hautstellen unbürokratisch untersucht werden.

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