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Dermatologie 30. Juni 2005

Auch die Haut kommt in die Jahre

Durch die steigende Lebenserwartung ist die Haut immer längere Zeit dem schädigenden Einfluss von Umweltschädigungen und anderen exogenen Einflüssen ausgesetzt. Vor allem bei Frauen kommt es zusätzlich durch den altersbedingten Verlust der Hormone zu einer Änderung der immunologischen Funktion und einem Anstieg von Autoimmunerkrankungen. Allergien und das atopische Ekzem können ihre Erstmanifestation im Sinne eines "late onset" auch jenseits des 60.Lebensjahres haben. "In den Hormonhaushalt einer Frau wird im Laufe des Lebens massiv eingegriffen: Angefangen von hormonellen Kontrazeptionsmethoden, die nach einem Rückgang nunmehr wieder vermehrt angewandt werden, über Hormonimplantate bis zur Hormonersatztherapie", erläutert Prof. Dr. Eva Maria Kokoschka, Univ. Klinik für Dermatologie am AKH Wien. Der Wunsch, den Alterungsprozess der Haut so weit wie möglich zu verzögern, lässt viele Frauen in übersteigertem Maße zu Pflegeserien greifen. Dies erklärt unter anderem das deutliche Ansteigen der Prävalenz allergischer Hauterkrankungen. "Doch auch Umwelteinflüsse, vor allem inhalative Allergene, sowie die vermehrte Reisetätigkeit und der Kontakt mit Fremdallergenen zeichnen für diese Entwicklung verantwortlich", erklärt die Dermatologin.

Neu ist die lokale Verwendung von Retinol in Kombination mit hochdosiertem Vitamin C und E als Radikalfänger bei präkanzerösen Zuständen der Haut und Erscheinungen des "extrinischen Alterns". Kokoschka: "Im Gegensatz zur Transretinsäure hat Retinol scheinbar keine unangenehmen lokalen Nebenwirkungen."

Das erste Anzeichen eines absinkenden Hormonspiegels in der Menopause ist die Trockenheit von Haut und Schleimhäuten. Es kommt zu starkem Juckreiz, der bis zur Schmerzhaftigkeit gehen kann. Kokoschka: "Ein kurzfristiger Versuch mit Pflegeprodukten ist selten erfolgreich, eine korrekte Hormonersatztherapie verbessert jedoch den Zustand."

Sinkt der Östrogenspiegel unter einen Wert von 75 pg/ml, kommt es zu Bindegewebsveränderungen der Haut und Faltenbildung, auch zu einer leichten Hautverletztlichkeit, die mit multiplen Hautblutungen einhergehen kann. "Eine systemische Hormonersatztherapie bringt sowohl kosmetische als auch dermatologische Verbesserungen." Generell befinde sich die "Hormondermatologie" eigentlich noch in den Kinderschuhen und sei noch nicht so recht anerkannt. Speziell bei systemischen Autoimmunerkrankungen wäre man noch am Beginn der Bestrebungen, mit Hormonen regulierend einzugreifen, meint die Expertin abschließend.

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