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Dermatologie 30. Juni 2005

Herpesviren sind im Vormarsch begriffen

Die humanen Herpes-Viren sind im letzten Jahrzehnt als Krankheitserreger deutlich im Vormarsch. Auch das Spektrum der verschiedenen entdeckten Typen erweitert sich laufend. Epidemiologisch sind bezüglich der Herpestypen in letzter Zeit einige Änderungen zu beobachten: So gibt es etwa beim Herpes genitalis, der immer verstärkt durch HSV-2 verursacht wurde, zunehmend Berichte über einen steigenden Anteil von HSV-1, also jenes Virus, das für den Herpes labialis hauptverantwortlich ist.

Die Diagnose einer Infektion mit Herpesviren ist unterschiedlich leicht zu stellen. Prof. Dr. Erwin Tschachler von der Universitätsklinik für Immundermatologie und infektiöse Hautkrankheiten, AKH Wien, erläutert diesen Umstand: "Während die gemeine Fieberblase auch vom Laien erkannt und richtig diagnostiziert wird, gibt es eine Reihe von Zustandsbildern, die immer wieder diagnostische Schwierigkeiten bereiten." Insbesondere der vegetierende Herpes simplex an Haut oder Schleimhaut bei immunsupprimierten Patienten oder der "Herpes gladiatorum" an den Fingern sei, so der Dermatologe, nicht immer einfach zu diagnostizieren. "Auch das Ekzema herpeticatum, die ausgedehnte Herpesvirusinfektion bei Patienten mit vorbestehenden Hautkrankheiten, wird oft erst sehr spät, wenn überhaupt erkannt." Im Gegensatz zum rezidivierenden Herpes heilt ein vegetetierender Herpes ohne antivirale Therapie nicht ab. Klinisch imponiert er nie mit Bläschen, sondern immer mit flachen Ulcerationen, die langsam nach peripher wachsen und mit Serokrusten oder Blutkrusten belegt sein können. An der Schleimhaut sind die Beläge der Ulcera weiß, die Herde können mit Mundsoor verwechselt werden.

Große Herpesfamilie

Die Hautinfektionen mit Viren der Herpesgruppe werden vor allem durch das Herpes-simplex-Virus (HSV) Typ 1 und 2 und das Varicella-Zoster-Virus (VZV) verursacht. Obwohl die Unterscheidung zwischen HSV und VZV meist klinisch erfolgen kann, gibt es immer wieder Zustandsbilder, die zu Verwechslungen führen können. Tschachler: "In solchen Fällen ist eine molekularbiologische Typisierung sinnvoll." Die anderen Mitglieder der Herpesvirusfamilie, also EBV, CMV, HHV-6 und 7, führen meist nur indirekt über Ausschläge im Rahmen der Infektion zu Hautbeteiligung. Das neueste Mitglied dieser Familie, das Herpesvirus Typ 8, ist jedoch ursächlich an einem Hauttumor beteiligt, der im 19. Jahrhundert in Wien erstmals beschrieben wurde - dem Kaposi Sarkom. HHV-8 ist im Gegensatz zu den anderen Familienmitgliedern nicht ubiquitär, sondern kommt nur in etwa 1 bis 10 Prozent der Bevölkerung der Industrienationen vor. In Afrika allerdings erreicht es eine Prävalenz von über 50 Prozent.

Der behandelnde Arzt sollte auch entsprechende Verhaltensmaßregeln bei Herpesinfektionen zu vermitteln imstande sein: Ein florider Herpes ist infektiös. Bei rezidivierendem Herpes genitalis gibt es auch in klinisch freien Intervallen das sogenannte "shedding" infektöser Viren, sodass auch davon eine Infektion für den Partner ausgehen kann. Bei mehr als sechs Episoden eines rezidivierenden Herpes pro Jahr sollte, so Tschachler, unbedingt eine Suppressionstherapie mit einer Dauermedikation eines Virostatikums in Betracht gezogen werden. "Eine Lokalbehandlung einer Herpesvirusinfektion mit Virostatika wird den Verlauf nur geringfügig beeinflussen - eine Lokal- therapie mit Salben ist jedoch insgesamt hilfreich, um die Schmerzen zu lindern und insbesondre in der Krustenphase die Reepithelialisierung zu beschleunigen."

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