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Dermatologie 30. Juni 2005

"Herr Doktor, womit soll ich mich waschen?"

"’Herr Doktor, womit soll ich mich waschen?’ Diese Frage richten Patienten immer wieder an den Dermatologen", weiß Prof. Dr. Fritz Gschnait, Vorstand der Abteilung für Dermatologie am Krankenhaus Lainz, aus Erfahrung. Grund genug für den Dermatologen, sich auch mit diesem scheinbar banalen Alltagsproblem auseinanderzusetzen und seine Erfahrungen an KollegInnen weiterzugeben:

Obwohl Seifen seit den Tagen der alten Phönizier (600 v.Chr.) verwendet werden, ist es noch immer nicht ganz einfach, diese Frage zu beantworten.

Syndets und Seifen: unterschiedlich irritierend

Im Jahr 1979 wurde die für die Beurteilung von Seifen und seifenähnlichen synthetischen Detergentien (syndets) grundlegende Arbeit der US-amerikanischen Dermatologen Frosch und Kligman publiziert, die einen Härtetest entwickelten, mit dessen Hilfe das Irritationspotenzial von Seifen und Syndets sehr genau gemessen und differenziert werden kann.

Die "waschende" und schäumende Substanz in einem modernen Syndet ist das so genannte "Surfactant". Diese Surfactants unterscheiden sich in ihrer Chemie, je nachdem, ob sie anionisch, kationisch, amphoterisch oder nicht-ionisch sind. Heute werden meist anionische Surfactants verwendet, und hier wieder am häufigsten Natrium und Kalium-Salze bestimmter Kohlenwasserstoffverbindungen.

Der eigentliche Waschvorgang auf der Haut läuft in drei Phasen ab und ist letztlich nichts anderes als die Entfernung von Hautfett der Talgdrüsen, in dem "Schmutz" (welcher auch immer) vorhanden ist. In der ersten Phase werden durch Herabsetzung der Oberflächenspannung die Bindungskräfte zwischen dem Hautfett und den Hornzellen der Haut gelöst. Dann wird das Hautfett in die wässrige Phase ("Seifenlösung") eingebracht und schließlich durch Abspülen entfernt, ohne dass sich der "Schmutz" neuerlich auf der Hautoberfläche absetzen kann.

Der Haut ist es egal, ob sie rein ist oder nicht

Besonders in der ersten Phase, also in der Lösung der Bindungskräfte zwischen Fettschicht und Hornschicht, kann es zu Problemen kommen. Reizungen durch Waschsubstanzen entstehen nicht allein durch die Austrocknung der Haut, sondern durch direkte Membranschädigung epidermaler Zellen.

Klar ist heute, dass Waschen ein Gefühl von Sauberkeit, Wohlfühlen, Komfort und Luxus vermittelt, aber nur wenig zur Gesundheit der Haut und des Körpers beiträgt. Dermatologe Albert Kligman hat dies treffend ausgedrückt: "Alle Seifen können die Haut schädigen. Die Menschen des modernen Mittelstandes sind von der Reinlichkeit allzu besessen. Weniger Waschen ist besser. Der Haut ist es egal, ob sie rein ist oder nicht".

Was also unseren Patienten sagen, wenn sie fragen: "Herr Doktor, womit soll ich mich waschen?"

  • Waschen Sie sich dann, wenn sie schmutzig sind und nicht nur zum Vergnügen. In der Regel wird ein Händewaschen nach dem Besuch des WCs und einmaliges Duschen pro Tag genügen.
  • Verwenden Sie beim Duschen nicht immer Seife oder Duschgel.
  • Vermeiden Sie Seife oder Syndets in der Genitalregion. Das meiste, das man dort wegbringen möchte, ist rein wasserlöslich.
  • Verwenden Sie keine klassischen Seifen mehr, sondern moderne Syndets, die nicht nur meist milder sind, sondern deren pH-Wert eingestellt ist auf neu- tral bis leicht sauer.
  • Je trockener die Haut, umso risikoreicher ist zu häufiges Waschen.
  • Rückfetten mit einer milden Körperpflegemilch kann bei sehr trockener Haut angezeigt sein.

Prof. Dr. FRITZ GSCHNAIT, Ärzte Woche 17/2001

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