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Dermatologie 30. Juni 2005

Übertriebene Reinlichkeit hält die beste Haut nicht aus

Die Gruppe der Ekzemerkrankungen gehört zu den häufigsten praxisrelevanten dermatologischen Problemen. Der Begriff "Ekzem" umfasst eine Vielzahl klinischer Erscheinungsformen: Es reicht vom minimalen Fingerspitzenekzem bis hin zur atopischen Dermatitis mit unterschiedlichen Veränderungen am ganzen Körper.

"Am Anfang muss in jedem Fall eine gründliche Anamnese stehen", erklärt die Wiener Dermatologin Dr. Judith Hutterer. Die Suche nach erblicher Veranlagung, einer Überbelastung durch Haushaltsreinigungsmittel oder beruflichen Noxen sei ein wichtiger erster Schritt. Schließlich besteht die beste kausale Therapie darin, die entsprechenden auslösenden Allergene zu vermeiden. Oft sind Schalen von Zitrusfrüchten oder bestimmte Lebensmittel ursächlich. Auch vermehrter Kontakt mit Desinfektionsmitteln und übermäßig viel Wasser (besonders bei jungen Müttern) kann ein Ekzem zur Folge haben. Eventuell kann ein Allergietest in einem entsprechenden Ambulatorium Klarheit schaffen.

Häufig: Austrocknungsdermatitis

Nicht zu vergessen ist das Austrocknungsekzem. Hutterer: "Eine übertriebene Reinlichkeit oder täglich mehrmaliges Duschen mit Seifen hält die beste Haut, vor allem im Winter, nicht aus." Es kann dadurch zu einer Exsiccationsdermatitis kommen. Auch eine Reinigungsbalanitis ist keine Seltenheit.

Eine gezielte Therapie, eine entsprechende Aufklärung und die Führung der Patienten über längere Zeit sind für eine effiziente Behandlung gleichermaßen von Bedeutung. Hutterer: "Gerne werden von Allgemeinmedizinern fertige Mischpräparate verschrieben, die sowohl ein Kortikosteroid, ein Antimykotikum, sowie ein Antibiotikum beinhalten, um alle Eventualitäten abzudecken."

Mischpräparate verwaschen klinisches Bild

Da jedoch in diesen Kombinationspräparaten die Konzentration der einzelnen Wirkstoffe zu gering ist, wird das klinische Bild, so die Hautärztin, oft lediglich verschleiert. Der später konsultierte Dermatologe sieht dann ein verwaschenes Bild der Dermatose. "Erst bei Absetzen des Präparates kristallisiert sich langsam die entsprechende diagnostisch relevante Läsion heraus", so Hutterer.

Die Therapie sollte sich individuell nach dem Hautzustand richten und umfasst unter anderem topische Kortisongabe sowie UV-Bestrahlung. "Die Patienten sollten bei erstem Auftreten einer ekzematösen Veränderung darauf aufmerksam gemacht werden, dass dieser Zustand wiederkommen wird", so Hutterer. Zusätzlich bietet eine milde Pflegecreme Schutz für die betroffene Haut.

Die Pflegemaßnahmen müssen mit den Betroffenen besprochen und eine dem individuellen Lebensstil angepasste Handcreme entsprechend gemischt werden: "Einem Patienten, der in einem Büro arbeitet, eine fette Handcreme zu verabreichen, wird auf eine geringe Com- pliance stoßen." Generell empfiehlt die Dermatologin rückfettende Waschlotionen oder Cremes für Hände und Gesicht. Zudem muss über die richtige Handhabung von Kortison aufgeklärt werden: Eine Lokaltherapie sollte zwei bis drei Wochen nicht überschreiten, im Gesicht darf im Normalfall nicht länger als ein paar Tage mit einem milden Steroid, Klasse 1 - etwa einem Hydrokortison - behandelt werden. Ähnliches gilt auch für den Genitalbereich. Kopfhaut, sowie Handflächen und Fußsohlen gelten aufgrund der Hautdicke als eher unempfindlich.

Die Behandlung sollte auch als Intervalltherapie weitergeführt werden, denn "ist das Ekzem von den Händen verschwunden, so darf man nicht plötzlich die Therapie absetzen." Die Weiterverwendung von Hautschutz- und Pflegecremes sollte den Betroffenen angeraten werden.

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