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Dermatologie 30. Juni 2005

Ohne Blut überleben Läuse nicht lange

Die Übertragung der Pedikulose über Gegenstände ist selten. Die Infektion erfolgt meist direkt von Kopf zu Kopf. Zusätzliche besondere Sanierungsmaßnahmen sind also nicht erforderlich.

„Läuse und Flöhe sind flügellose Insekten. Flöhe können wochenlang ohne Nahrung überleben. Ihre Larven ernähren sich von organischen Materialien und Fäkalien der adulten Tiere. Können Läuse das auch?“ fragte PD Dr. Ralf Bialek vom Institut für Tropenmedizin des Univ.-Klinikums Tübingen beim 38. Pädiatrischen Fortbildungskurs in Obergurgl in der letzten Jännerwoche das Publikum. Kopflausbefall ist weltweit verbreitet und wird durch Pediculus (humanus) capitis verursacht. Prävalenzraten werden mit ein bis fünf Prozent, bei Epidemien mit 20 Prozent beziffert, mit einem Maximum im neunten Lebensjahr. Bialek: „Läuse sind optimal an das Leben in Kopfhautnähe angepasst und verlassen den Kopf quasi nie. Sie benötigen alle vier bis sechs Stunden eine Blutmahlzeit. Ohne Blut sind sie nach 24 Stunden unbeweglich und spätestens nach 55 Stunden tot. Das erklärt, dass die so oft verordnete Komplettreinigung der gesamten Wohnung, Kleidung und sämtlicher Spielsachen eigentlich nicht nötig ist, um eine Übertragung zu verhindern.“

Eier werden an den Haaren nahe der Kopfhaut befestigt

In unmittelbarer Nähe zur Kopfhaut werden die Eier an den Haaren befestigt, wo sie sich bei 31 Grad Celsius optimal und unter 24 Grad nicht mehr entwickeln. Nach sieben bis zehn Tagen schlüpft die Larve (nicht infektiös), die nach weiteren sieben Tagen zum adulten Insekt reift, sich paart und nach weiteren ein bis drei Tagen erneut mit der Eiablage beginnt. Pro Tag legt ein Weibchen fünf bis zehn Eier für die verbleibende Lebensspanne von 20 bis 30 Tagen. „Pro infiziertem Kopf finden sich meistens nicht mehr als zehn adulte Läuse. Die Infektion wird fast ausschließlich von Kopf zu Kopf und nur durch weibliche adulte Läuse übertragen“, erklärte Bialek.Über Symptome, besonders Juckreiz, wird selten berichtet. Der Nachweis erfolgt durch Auskämmen des feuchten Haares von lebenden Läusen mit dem Nissenkamm sowie Nachweis von Nissen, die weniger als 0,5 cm von der Kopfhaut entfernt kleben. Bialek: „Eine Therapie ist möglich mit 0,5 Prozent Permethrin, Pyrethrum, Allethrin-Piperonylbutoxid oder Lindan. Wie gesagt, eine Entwesung ist typischerweise nicht nötig.“

Dr. Karin Reischl, Ärzte Woche 7/2005

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