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Dermatologie 30. Juni 2005

Grippe oder Heuschnupfen?

Verschnupfte und niesende Menschen mit roten, tränenden Augen und ständig gezückten Taschentüchern sind ein wohl bekannter Anblick in der kalten Jahreszeit. Erste nahe liegende Vermutung: Die Grippewelle geht um. Doch die Verursacher der vermeintlichen Erkältung können durchaus auch die Pollen der Erle oder Hasel sein, die bereits seit Anfang Februar wieder fliegen.

14 bis 20 Prozent der Österreicher leiden Jahr für Jahr unter dem fliegenden Blütenstaub von Bäumen, Gräsern und Kräutern. Schon 20 Pollen (die nicht größer als ein 20- bis 30-Tausendstel Millimeter sind) pro m3 Luft reichen aus, um bei sensibilisierten Menschen eine rinnende Nase, Niesattacken, juckende und tränende Augen sowie Atemnot auszulösen.

Auftakt der Pollensaison

„Zahlreiche Studien bestätigen die ständige Zunahme von Pollenallergien, den immer früheren Beginn des Pollenfluges, die allgemeine Klimaerwärmung ist eine der Hauptursachen“, so der Botaniker und Pollenexperte Prof. Dr. Siegfried Jäger von der HNO-Klinik der Universität Wien. „Neben den zeitlichen Abweichungen gibt es auch regional maßgebliche Unterschiede und auch die Mengen und Blütezeit der Pflanzen variieren, abhängig von der Wetterlage, von Jahr zu Jahr erheblich.“ Deshalb können sich Allergiker nie sicher sein, wann die für sie belastende Zeit genau beginnt. Bereits Anfang bis Mitte Februar haben Erle und Hasel heuer wieder begonnen, sich durch Windbestäubung zu vermehren. „Die Erlen- und Haselpollen-Saison ist besonders starken Schwankungen unterworfen. Da sie ausdrücklich von den Temperaturbedingungen abhängig ist, kann der Beginn beziehungsweise die Hochsaison mehrere Wochen früher oder später einsetzen“, beschreibt Jäger. „Die enge botanische Verwandtschaft von Erle und Hasel mit der Birke führt dazu, dass bei zahlreichen Birkenpollen-Allergikern wegen der Ähnlichkeit der Allergene schon zur Blütezeit dieser beiden Pflanzen Symptome auftreten. Begleitet werden Hasel- und Erlenpollen vor allem durch teils große Mengen an Pollen der Eiben, die aber in der Regel keine Bedeutung für Allergiker haben.“

30 Messstellen informieren

Damit sich Allergiker beizeiten einen groben Überblick über den Pollenflug in ihrem Umkreis machen können, gibt die Aerobiologie-Gruppe der Wiener HNO-Klinik eine Jahresprognose, den „Pollenkalender“, heraus. Den tagesaktuellen Pollenflug kann man im Internet abrufen: www.pollenwarndienst.at. „An etwa 30 Messstellen in Österreich wird laufend der Pollen- und Sporengehalt der Luft gemessen, um die Bevölkerung, Ärzte und Apotheker mit Daten und Vorhersagen über Art, Dauer und Intensität des Pollenfluges zu versorgen“, erklärt Jäger. „Diese Informationen sind wichtig, da Pollen mitunter über hunderte Kilometer durch die Luft transportiert werden und so Vorhersagen frühzeitig getroffen werden können. Allergiker können ihre Urlaube besser planen sowie für Auslandsaufenthalte vorsorgen.“ Im Hochgebirge ist die Allergenkonzentration niedriger, die Pollensaison verschoben und die Pollenallergene sind weniger aggressiv. Deshalb empfiehlt es sich für Pollenallergiker, den Urlaub in den Bergen zu verbringen. 25 Hotels in Österreich, Südtirol und der Schweiz, alle liegen über 1.500 m Seehöhe, haben sich zusammengeschlossen und bieten Leid geplagten Allergikern erholsame Ferien vor Stress und Allergenen.

Drei Behandlungsmöglichkeiten

Ein Heuschnupfen oder allergische Rhinokonjunktivitis wird gerne auf die leichte Schulter genommen. Eine Allergie ist jedoch ein chronischer Entzündungsprozess, der in vielen Fällen nicht auf Augen und Nase beschränkt bleibt, sondern sich auf den gesamten Bereich der Atemwege bis hin zur Lunge ausbreiten kann. Jede Behandlung dieser Allergie ist daher immer zugleich Prophylaxe, denn es gilt die Ausweitung der Entzündung auf tiefere Atemwege, zu verhindern. Viele, die unter allergischem Schnupfen leiden, werden früher oder später zu Asthmatikern, wenn sie nicht oder zu spät behandelt werden! Für die Behandlung einer Allergie stehen drei Möglichkeiten zur Verfügung: Die Allergenkarenz, die Behandlung der Symptome und die Allergie-Impfung.

Gemäß den Empfehlungen der WHO gelten nicht sedierende Antihistaminika als Medikamente der ersten Wahl zur Basistherapie der allergischen Rhinokonjunktivitis. Sie bessern Symptome wie Niesen, Juckreiz und tränende Augen. Ergänzend empfiehlt die WHO intranasale Steroide. Die Allergie-Impfung, auch Hyposensibilisierung oder Spezifische Immuntherapie genannt, ist die einzige Allergie-Behandlung, die direkt im Immunsystem ansetzt und somit die Ursache bekämpft. In vielen Fällen kann sogar eine Ausheilung der Allergie erreicht werden. Die Behandlung dauert im Allgemeinen drei Jahre und kann als Injektion und in Tropfenform verabreicht werden. In der Regel werden die Symptome bereits nach drei bis sechs Monaten schwächer und der Bedarf an anderen Allergie-Medikamenten geht zurück. Den Ratgeber „Allergenvermeidung im Freien“, weitere Infos zum Thema Allergien und Allergenvermeidung sowie Bezugsquellen von Produkten zum Pollenschutz gibt es bei der IGAV (Interessensgemeinschaft Allergenvermeidung).

Internet: www.allergenvermeidung.org
E-Mail:
Telefon-Hotline: 01/212 60 60 Neueste, moderne Wirkstoffe wie Desloratadin können bereits ab dem 2. Lebensjahr unbedenklich verabreicht werden und machen auch nicht müde. Substanzen wie etwa Mometasonfuroat sind gut verträglich und greifen selbst nach einem Jahr Anwendung die Nasenschleimhaut nicht an, wie es bei herkömmlichen, abschwellenden Nasensprays häufig der Fall ist.

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