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Valentin Volkov / istockphoto.com
meduni wien Foto:JenLab  iStockphoto / Thinkstock
 
Dermatologie 13. November 2012

Allergie

Neue Erkenntnisse zur „Apfelallergie-Therapie“

Die Birkenpollen-assoziierte Nahrungsmittelallergie ist eine häufige Begleiterscheinung der Birkenpollenallergie. Rund 400.000 Österreicher sind davon betroffen. Ihre Symptome können heutzutage durch Impfstoffe bereits gut behandelt werden. Der Nachteil: „Sie wirken zwar gegen das Birkenpollen-Allergen, aber nur selten gegen die Kreuzallergien“, sagt DI Dr. Barbara Bohle, Leiterin des Christian Doppler-Labors für Immunmodulation, Medizinische Universität Wien. Zudem tritt die Birkenpollenallergie nur saisonal auf. „Unter der Nahrungsmittelallergie leiden die Betroffenen aber viel stärker und länger – nämlich das ganze Jahr.“ 70 Prozent aller Birkenpollenallergiker haben gleichzeitig eine Nahrungsmittelallergie.

Die Betroffenen plagen – etwa beim Verzehr vor allem von Äpfeln, aber auch von Nüssen, Pfirsichen oder Kiwis – Schwellungen und Rötungen oder Juckreiz im Mund- und Rachenbereich. Eine Forschergruppe am Institut für Pathophysiologie und Allergieforschung der MedUni Wien unter der Leitung von Bohle hat nun herausgefunden, dass sich die „Apfelallergie“ mit einem Apfel-Allergen (Mal d 1) gut behandeln lässt und dabei hilft, die Symptome deutlich zu vermindern.

In der aktuellen Studie, die jetzt im „Journal of Allergy and Clinical Immunology“ publiziert wurde, haben die Wissenschafter das künstlich hergestellte Molekül Mal d 1 als Tropfen unter die Zunge verabreicht. Damit wurde der Verzehr des Apfels „imitiert“. Die Folge: Das Immunsystem wurde aktiviert und erste Anzeichen von Toleranz konnten gemessen werden. Das deutet darauf hin, dass bei längerer Behandlungsdauer Betroffene weniger sensibel reagieren und beim Biss in den frischen Apfel das Allergen besser tolerieren können.

Bohle: „Somit ist rekombinant hergestelltes Mal d 1 ein vielversprechendes Molekül, um die Birkenpollen-assoziierte Apfelallergie zu behandeln und die Lebensqualität der Betroffenen künftig deutlich zu verbessern.“ Das soll nun in einer klinischen Studie nachgewiesen werden.

Quelle: MedUni Wien

Biophotonik

Mit Licht unter die Haut

Beim Einsatz von Chemotherapeutika in der Onkologie kommt es oft zu teils schwerwiegenden Nebenwirkungen. Dazu zählen nicht nur Schädigungen im Darm oder an den Haarwurzelzellen sondern auch schmerzhafte wunde Stellen an der Haut. Besonders häufig treten diese Veränderungen an den Hand- und Fußflächen auf (Hand- und Fuß-Syndrom). Oftmals führt das zum Abbruch der gesamten Chemotherapie.

Deutsche Wissenschaftler des Forschungsschwerpunktes Biophotonik haben nun ein neues laserbasiertes Verfahren zur Untersuchung von Hautkrankheiten präsentiert, bei welchem sie zwei laserbasierte bildgebende Verfahren kombinierten: Entwickelt wurde der „Multiphotonen/CARS-Tomograph“ von Prof. König und Mitarbeitern der JenLab GmbH (Jena/Saarbrücken) unter Mitarbeit des Instituts für Photonische Technologien (IPHT Jena). Die TOPTICA Photonics AG (München) erarbeitet dafür einen neuen Laser.

Das neue Gerät ermöglicht mittels der nicht-linearen Raman-Spektroskopie und der Multi-Photonen-Tomographie eine Darstellung der unterschiedlichen zellulären Strukturen der Haut, mit gleichzeitiger chemischer Analyse. Mit dem nicht invasiven Verfahren können Ärzte in Echtzeit die Anreicherung der Krebsmedikamente an bestimmten Stellen des Körpers sowie in der Haut untersuchen. So gelang es Prof. Jürgen Lademann und Kollegen von der Charité Universitätsmedizin Berlin den Mechanismus der Nebenwirkung von Chemotherapeutika aufzuklären.

Die Wirkstoffe der Medikamente treten mit dem Schweiß aus dem Körper aus.„Stellen, an denen man stark transpiriert und die dicke äußere Hautschichten (Stratum corneum) aufweisen, wie die Hand und Fußballen, sind besonders betroffen“, sagt Lademann. Die verhornten Hautschichten wirken wie ein Schwamm und reichern die ausgetretenen Wirkstoffe an. Freie Radikale können dann die Hautbarriere zerstören und überwinden. Es kommt zu starken Entzündungsreaktionen. Zusammen mit der Bioskin GmbH in Berlin konnten erste klinische Test durchgeführt werden, die zeigen, dass eine Behandlung der Stellen mit einer Antioxidantien-Salbe dem Auftreten des Hand- und Fuß-Syndroms vorbeugt. Die Anwendung soll auch zur Erforschung von anderen Hautprozessen, beispielsweise in der Reaktion auf Kosmetika, eingesetzt werden. Untersuchungen dazu laufen nach Abschluss des Hauptprojektes weiter. „Das Projekt CHEMOPRÄVENT zeigt sehr deutlich, wie Mediziner, Ingenieure und Naturwissenschaftler gemeinsam Innovationen auf dem Gebiet der optischen Technologien hervorbringen können, mit denen sich Erkenntnisse gewinnen lassen, die letztendlich dem Patienten zu Gute kommen“ ,erläutert Prof. Jürgen Popp, Institutsdirektor des IPHT sowie Sprecher des Forschungsschwerpunktes Biophotonik.

idw

Pemphigus vulgaris

Verantwortliche Antikörper isoliert

Bei Pemphigus vulgaris, einer lebensbedrohenden Hautkrankheit, wenden sich Antikörper nicht gegen Fremdkörper wie Bakterien oder Viren, sondern gegen zwei körpereigene Eiweiße, die die Haut intakt halten. Es entstehen großflächige Blasen auf Schleimhäuten im Mund, Rachen oder den Genitalien sowie auf der Haut, die zu gefährlichen Infektionen führen können.

Eine Gruppe von schweizer und italienischen Forschern konnte erstmals die verantwortlichen Antikörper isolieren und damit einen möglichen Ansatz für Therapien schaffen. Dazu verwendete das Team um Prof. Antonio Lanzavecchia vom Institut für Forschung in der Biomedizin (IRB) in Bellinzona und der Universität der italienischen Schweiz (USI) in Lugano eine Methode, um Immunzellen zu klonieren. „Anschließend konnten wir die schädlichen Mutationen im Antikörper nach und nach rückgängig machen“, erklärt Lanzavecchia.

Durch diese „Rückverwandlung“ stellten die Forscher fest, dass der aggressive Antikörper aus einem normalen Antikörper entstanden war. „Es ist das erste Mal, dass dieser Mechanismus beim Menschen identifiziert worden ist“, sagt Lanzavecchia. Nun müssen die Forscher herausfinden, was die schädliche Mutationskette ausgelöst hat. Die Forschung geht in zwei Richtungen weiter: Einerseits gilt es, den Angriffspunkt der mutierten Antikörper herauszufinden, um die Entstehung der Krankheit besser zu verstehen. Auf der anderen Seite soll der Ansatz für neue Therapien weiterentwickelt werden. Bisherige Therapien setzten das gesamte Immunsystem außer Kraft, wodurch Krankheitskeimen Tor und Tür geöffnet wurden. Mit der neuen Antikörper-Methode könnte die Krankheit in Zukunft leichter diagnostiziert und behandelt werden, lautet das Fazit der Studie.

Erwin Tschachler

Wiener Dermatologe wird Präsident der EADV

Univ.-Prof. Dr. Erwin Tschachler (58), Leiter der Forschungsabteilung für Biologie und Pathobiologie der Haut an der Universitätsklinik für Dermatologie der MedUni Wien, wurde für die Funktionsperiode 2014 bis 2016 zum Präsidenten der European Academy of Dermatology and Venerology (EADV) gewählt. Er ist der erste Österreicher in dieser Position.

Die EADV wurde 1987 als Vereinigung von Ärzten und Wissenschaftlern unter anderem mit dem Ziel gegründet, höchste Behandlungsqualität und erstklassige Forschung und Fortbildung auf europäischer Ebene zu fördern. Dazu organisiert die Fachgesellschaft, die 3900 europäische und internationale Mitglieder hat, jährlich zwei Tagungen, an denen insgesamt bis zu 10.000 Ärzte teilnehmen Im Frühjahr 2007 hat Professor Tschachler die Jahrestagung der EADV in Wien organisiert. Der gebürtige Villacher studierte in Innsbruck und Wien Medizin. Von 1986 bis 1989 arbeitete Tschachler als Gastforscher im Labor des Aids-Forschers Robert Gallo in den renommierten National Institutes of Health in Maryland, USA.

Tschachler ist Autor und Co-Autor von mehr als 200 wissenschaftlichen Publikationen und Mitglied mehrerer internationaler wissenschaftlicher Gesellschaften. Noch bevor er die Präsidentschaft der EADV antritt, wird er von Herbst 2012 bis 2014 die Österreichische Gesellschaft für Dermatologie und Venerologie als Präsident leiten.

Presseaussendung der MedUni Wien

Insektenstiche

Zahl der allergischen Reaktionen steigt

Allergologen verzeichnen zunehmend schwere Reaktionen auf Bisse und Stiche von Insekten. Zusätzlich kommen via Fernreisen exotische Insekten wie Tigermücken und Buschmoskitos nach Europa. Und die haben ein besonders hohes Allergiepotenzial.

Sie sind winzig klein, aber wenn sie zustechen, hinterlassen sie riesige Beulen. Gelsen sind nicht nur lästig, für Allergiker können sie sogar lebensbedrohlich sein. Nun warnen Ärzte vor einer neuen Gefahr: tropische Stechmücken, die sich ausbreiten.

Egal ob einheimische oder neu zugewanderte Tierchen: Das Allergie-Zentrum Wiesbaden (D) beobachtet seit Jahren „zunehmend schwere allergische Reaktionen auf Stiche und Bisse von Mücken, Flöhen, Läusen, Bremsen und Ameisen“, wie Professor Ludger Klimek berichtet. Zahlenmäßig sei das aber noch kein größeres Problem. „Mögliche Folgen eines Stiches sind bei Allergikern die Bildung von zentimetergroßen, stark juckenden Hautrötungen und Quaddeln und Hautentzündungen.“ Bei schweren Fällen drohe sogar die Gefahr eines lebensbedrohlichen Schocks. Die neu eingewanderten Mücken würden „oftmals besonders schwere Reaktionen verursachen“, sagt Klimek. Erschwerend komme hinzu, dass es für Allergien gegen Tropenmücken weder Allergietests noch spezifische Immuntherapien gebe. Der Deutsche Allergie- und Asthmabund (DAAB) bestätigt die These, dass tropische Mückenarten heimisch werden und ein prinzipiell hohes Allergierisiko in sich bergen. Man wisse allerdings nur von „einzelnen Fällen“, sagt Sprecherin Sonja Lämmel.

Wie viele Menschen auf das Gift tropischer Mücken allergisch sind, und welche Tiere welche Symptome auslösen – auf diese Fragen hat auch der wissenschaftliche Beirat des DAAB keine Antwort. Es gebe viel zu wenig Zahlen und keine aussagekräftigen Untersuchungen.

Ein Massenphänomen ist es sicher nicht. Bei der bundesweiten Beratungshotline des DAAB sind in den vergangenen Jahren jedenfalls nicht mehr Anfragen wegen allergischer Reaktionen auf Insektenstiche eingegangen – weder auf die heimischen noch auf neu eingewanderte Mücken. „Auffällig ist allerdings jedes Jahr, dass von Patienten solche allergischen Reaktionen vermutet werden, die sich dann aber meist schon im Gespräch ausschließen lassen“, sagt Lämmel.

Fachkurzinformation siehe Seite 27

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