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Dermatologie 18. Oktober 2012

Extrakorporale Photopherese

Eine Photochemotherapie, die relativ gut verträglich ist.

Als vor mehr als 25 Jahren erstmals in Europa an der damaligen II. Universitäts-Hautklinik in Wien die extrakorporale Photopherese (ECP), für die Behandlung des kutanen T-Zell-Lymphoms (CTCL) durchgeführt wurde, erwartete man sich noch keine durchgreifenden Erfolge. Auf dem vor Kurzem in der Österreichischen Akademie der Wissenschaften in Wien veranstalteten Symposium „25 Years Lightning up Lives“ wurde von international anerkannten Wissenschaftern ein umfangreicher Leistungsbericht vorgelegt.

„Wir können eine von der FDA bestätigte Wirksamkeit und Sicherheit der ECP bei CTCL vorlegen, wir haben in interdisziplinärer Zusammenarbeit neue Therapiemöglichkeiten für eine Reihe von neuen Indikationen entwickelt und es stehen uns neue, bessere Geräte zur Verfügung“,“ fasste Prof. Dr. Robert Knobler, Universitäts-Hautklinik Wien, den Status quo zusammen. Knobler brachte diese neue Technik von den USA nach Wien und richtete das erste Therapiezentrum in Europa ein. Nach dem Wiener Vorbild entstanden zahlreiche weitere Zentren in Europa, über 750.000 Patienten wurden bisher weltweit behandelt. Allein an der Wiener Universitäts-Hautklinik unter der Leitung von Prof. Dr. Hubert Pehamberger werden jährlich über 1.400 Patienten nicht nur mit CTCL, sondern auch mit anderen Indikationen, mit der Photochemotherapie behandelt.

Die Geräte für die Behandlung sind besser und leistungsfähiger geworden, doch an dem Prinzip hat sich nichts geändert. Die Patienten werden über einen venösen Zugang an das Photopheresegerät angeschlossen. Bei der Blutabnahme werden die Leukozyten über eine Zentrifuge vom Vollblut getrennt und in Kombination mit der photosensibilisierenden Substanz 8-Methoxypsoralen (8-MOP) mit UVA-Licht bestrahlt. Im Anschluss werden die Zellen dem Patienten zurückinfundiert.

Einsparung von Medikamenten schont den Patienten

Ausgehende von dem ursprünglichen Fokus „Dermatologie und Photopherese“ haben sich vielversprechende neue Indikationen ergeben: auf dem Gebiet der Onkologie, der Rheumatologie, der Gastroenterologie, der Hämatologie, der Transplantationschirurgie und der Immunologie. Bei der Knochenmarkstransplantation konnte in Zusammenarbeit mit der Onkologin Prof. Dr. Hildegard Greinix von der Universitätsklinik für Innere Medizin Wien eine erweiterte Behandlung zur Verhinderung der Graft versus Host Disease (GvHD), entwickelt werden. Auch bei Herz-, Lungen- und Nierentransplantationen können Abstoßreaktionen gemildert werden und dadurch dem Patienten immunsuppressive Medikamente erspart werden.

Therapie zu einem frühen Zeitpunkt beginnen

Derzeit zählen zu den angestrebten Indikationen progressive systemische Sklerodermie, therapeutisch resistenter Pemphigus vulgaris, atopische Dermatitis, chronische Darmentzündungen wie Morbus Crohn und resistente Formen der Colitis ulcerosa. Weiters haben die Erfahrungen gezeigt, dass mit dieser Therapie schon zu einem früheren Zeitpunkt begonnen werden soll und dass besonders leichtgewichtige Patienten, also auch Kinder, gut ansprechen.

T-Zell Modulation

Der Wirkungsmechanismus der ECP ist noch nicht völlig geklärt. Sie leitete sowohl eine Apoptose der krankheitserregenden Zellen ein, als auch eine Umwandlung von Monozyten zu funktionellen dentritischen Zellen, die entweder eine zytotoxische Antwort oder eine suppressive Reaktion der T-Zellen auslösen. „Die Anwendungsmöglichkeiten der Modulation des Immunsystems durch diese Photoimmunotherapie sind sicher noch nicht erschöpft, wir dürfen noch weitere Fortschritte erwarten“, warf Knobler einen Blick in die Zukunft.

G. Niebauer, Ärzte Woche 42/2012

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