zur Navigation zum Inhalt
Hundenase vor der Behandlung

Hundenase2

Elf Wochen nach der Behandlung

 
Dermatologie 15. August 2012

Kaltes Plasma auf die Schnauze

Chronische entzündete Wunden bei Haustieren lassen sich mit physikalischem Plasma erfolgreich behandeln.  

Mitarbeiter des Leibniz-Institutes für Plasmaforschung und Technologie e.V. (INP Greifswald) arbeiten seit mehreren Jahren erfolgreich daran, sogenannte kalte Plasmen im Labor zu erzeugen und für verschiedene Anwendung nutzbar zu machen. Diese werden nun auch für die Medizin interessant, denn sie haben etwa Körpertemperatur, schonen das Gewebe und wirken nachweislich keimtötend.

Erste Behandlungserfolge

Zunächst wurde das Plasma im Labor auf einer im Reagenzglas gezüchteten Epidermis getestet. Die ersten Patienten waren dann die Schäferhunde Harras und Astor. Harras litt vier Jahre lang an einer chronischen Wunde an der Schnauze, bei Astor bildete sich nach einer Verletzung am Vorderlauf eine dauerhafte, großflächige Wunde. Bei beiden Tieren schlugen herkömmliche Verfahren wie Antiseptika, Salben, Verbände und selbst eine Wundoperation nicht an. Erst eine Behandlung mit der Kombination aus Plasma und dem gut verträglichen Antiseptikum Polyhexanid führte zum Erfolg. Die Wunden schlossen sich und heilten nach mehrwöchiger Therapie tatsächlich vollständig ab.

Aus chronisch wird akut

Inzwischen behandelt Claudia Bender, Tiermedizinerin und Wissenschaftlerin der Universitätsmedizin Greifswald, versuchsweise seit über zwei Jahren chronische Wunden von Haustieren mit dieser neuen Methode. Dabei nutzt sie einen sogenannten Plasmajet, entwickelt in der Kooperation von INP und neoplas GmbH. „Wir vermuten, dass Plasma die Zellen in der Wunde stimuliert und damit hilft, zelluläre Mechanismen der Wundheilung anzukurbeln“, sagt Bender. „Damit kann aus einer chronischen Wunde eine akute werden – mit guter Perspektive auf Heilung.“ Des Weiteren wirkt Plasma entkeimend. Es tötet Bakterien, die sich auf der Wunde ansiedeln. Und es wirkt gegen sogenannte Biofilme, das sind Mikroorganismen in Schleimschichten, die die Bakterien vor schädlichen Umwelteinflüssen schützen. Bakterien und Biofilme behindern die Wundheilung.

Eine Chance für die Medizin der Zukunft

Eine Behandlung mit Plasma erfolgt schmerzfrei. Sie könnte in Zukunft Operationen ersetzen, die immer Risiken bergen und überdies teuer sind. Was die chronischen Wunden betrifft, sehen die Forscher eine synergistische Wirkung von Plasma in Kombination mit einem Antiseptikum. Allein angewendet, führte weder Plasma noch Antiseptikum zu vollständiger Heilung. Den Genesungsprozess durch die Kombination beider derart abzukürzen, könnte die Behandlungskosten wesentlich reduzieren.

Noch fehlt es in der Tiermedizin an einheitlichen Standards zur Behandlung chronischer Wunden, was eine optimale Behandlung erschwert. Um die Plasmamedizin in der Wundtherapie zu etablieren, braucht es klinische Studien, die bisherige positive Ergebnisse untermauern. Zum Ausschluss langfristiger Risiken der Behandlung fehlen Langzeitstudien.

Die Anwendung zum Nutzen des Menschen befindet sich noch in der Forschungsphase. Hingegen wären Behandlungen von Tieren in Praxen und Kliniken schon bald möglich. Tiermedizinische Studien mit Plasma zur Wundbehandlung sollen in Kürze beginnen.

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben