zur Navigation zum Inhalt
Foto: http://visualsonline.cancer.gov/browse.cfm / Ärzte-Woche-Montage
 
Dermatologie 26. Mai 2009

Melanom im Visier

Am Hautkrebs-Weltkongress wurden aktuelle Therapiestrategien vorgestellt.

Aktuelle Forschungsergebnisse, innovative Diagnosetools, Präventions- und Behandlungsstrategien wurden vergangene Woche beim Hautkrebs-Weltkongress diskutiert, der über 1.200 Experten in Wien zusammenführte. Ein zentrales Thema der Tagung waren neue Therapieoptionen gegen das Melanom.

 

Zielgerichtete Therapien, etwa mit Antikörpern, oder Gentherapien sind vielversprechende neue Ansätze. Während die Gefährlichkeit des Melanoms dank vieler Aufklärungskampagnen bekannt sei, werde die Rolle des „hellen“ Hautkrebs häufig unterschätzt, warnen Experten. Mehr als 600 wissenschaftliche Beiträge, 29 Symposien und 32 „Free-Communication-Sessions“, mehr als 1.200 Teilnehmer – das sind die Eckdaten zum Weltkongress, der vergangene Woche in der Wiener Hofburg stattfand, zu dem führende Dermato-Onkologen aus aller Welt zusammenkamen.

Die Zahl der Menschen, die weltweit an Hautkrebs erkranken, steigt kontinuierlich an: Melanome, verschiedene Formen des hellen Hautkrebs und andere bösartige Hauttumoren sind mittlerweile die häufigste Krebsform beim Menschen überhaupt. „Dies bei steigender Tendenz: Lag 1935 die Wahrscheinlichkeit, an Hautkrebs zu erkranken, noch bei 1:1.500, so ist sie heute schon auf 1:50 angestiegen“, wie Kongresspräsident Prof. Dr. Hubert Pehamberger von der Universitätsklinik für Dermatologie der MedUni Wien erklärte.

Besondere Aufmerksamkeit gilt nach wie vor dem Melanom, der tödlichsten Form von Hautkrebs, gegen die es im fortgeschrittenen Stadium bis heute keine wirklich erfolgreiche Therapie gibt. Etwa 400 Patienten sterben in Österreich jährlich daran. Obwohl der Melanom-Anteil an bösartigen Hauttumoren nur zwei Prozent ausmacht, ist es für 75 Prozent der Todesfälle verantwortlich. „Das Melanom verhält sich besonders aggressiv. Bei einer frühen Diagnose – wenn der Tumor kleiner ist als 0,75 Millimeter – können noch 96 bis 99 Prozent geheilt werden. In späteren Stadien sinken die Überlebensraten drastisch“, so Pehamberger.

Resistente Melanomzellen

Ein Grund für das Versagen gängiger Therapien ist die Resistenz der Tumorzellen des Melanoms, erklärte der Kongresspräsident: „Sie reagieren weniger stark als andere Körperzellen auf Chemotherapien oder biologische Therapien mit Zelltod. Wir gehen davon aus, dass Melanomzellen bestimmte erworbene Eigenschaften haben, die ihnen diese Resistenz vermitteln.“

Bei der Entwicklung neuer Therapiemöglichkeiten, mit denen sich diese Resistenzen umgehen lassen, ist die Universitätsklinik für Dermatologie Wien auch im internationalen Maßstab besonders aktiv. Vor Kurzem hat ein Team um Dr. Kaan Harmankaya eine Phase-II-Studie mit dem neuartigen monoklonalen Antikörper Ipilimumab bei Menschen mit besonders fortgeschrittenem metastasierendem Melanom abgeschlossen. Die Substanz hat sich in einer Reihe von Fällen als vielversprechend erwiesen, was nicht nur einen Krankheitsstopp, sondern sogar eine Remission bestehender Metastasen betrifft. Die diesem Effekt zugrundeliegenden Mechanismen sind im Detail allerdings noch unklar, weshalb weiter geforscht werden muss.

Führend sind die Wiener Dermatologen auch bei der Entwicklung eines neuen Ansatzes von Gentherapie. „Durch Blockade des Tumorpromotorgens BcL 2 mittels Antisense-Oligonucleotiden kann die Empfindlichkeit gegenüber Chemotherapeutika erhöht werden. Bisherige Ergebnisse weisen klar auf erhöhte Ansprechraten und Verlängerung des rezidivfreien Intervalls hin. Das hat die größte internationale Studie zu diesem Thema gezeigt, die an der Wiener Universitätshautklinik durchgeführt wird.

Ein Thema auf dem Kongress war auch die Entwicklung möglicher Melanom-Vakzine. „Es gibt viele unterschiedliche Konzepte, allerdings ist der Durchbruch noch mit keinem davon gelungen“, so Pehamberger.

 

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben