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„Bei all der Euphorie über die Komponentendiagnostik sei erwähnt, dass noch nicht alle notwendigen Allergenkomponenten für Messungen verfügbar sind.“ Prof. Priv.-Doz. Mag. Dr. Stefan Wöhrl Klinische Abteilung für Immundermatologie Universitätsklinik für
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Abb. 1: Allergene: Antigene aus natürlichen Quellen wie Birkenpollen…

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…oder Speichelproteine von Haustieren

 
Dermatologie 31. Mai 2012

Vorteile der Komponenten-basierten Allergiediagnostik

Durch Analyse mehrerer Komponenten können Allergene besser identifiziert werden

Die allergologische Diagnostik beruht auf drei Säulen – Anamnese, Hauttest und in vitro-Test. Während für die Anamnese lediglich die Expertise des Experten der ausschlaggebende Faktor ist, ist auch ein Experte bei Hauttest und in-vitro-Test auf die Qualität Dritter, kommerzieller Anbieter, angewiesen.

Für die Hauttests werden im Allgemeinen dieselben Substanzen eingesetzt, die auch für die Immuntherapie Anwendung finden. Sie sind (für die Majorallergene) von den namhaften Herstellern standardisiert.

In einigen Studien konnte gezeigt werden, dass man sich als Kliniker auf manche Extrakte schwer verlassen kann, da der Allergen- und sogar der Proteingehalt der kommerziell verfügbaren Testlösungen beträchtlichen Schwankungen unterliegen.1, 2

Doch gibt es auch viele Fehlerfaktoren, die nicht im Einflussbereich der Hersteller liegen, wie z. B. das fehlende Einhalten der Kühlkette beim Transport oder der Lagerung beim Endverbraucher mit beträchtlichem Reaktivitätsverlust durch Denaturierung und Abbau.

Zusammengefasst heißt das: Negative Ergebnisse bei Hauttests können bedeuten, dass der Patient nicht sensibilisiert ist oder dass der Test falsch negativ ist.

Allergene und deren Stellenwert

Aus diesem Gesagten leitet sich ab, dass die Bedeutung der In-vitro-Tests in den letzten Jahren zugenommen hat. In-vivo-Tests mit Extrakten bringen nicht wesent lich mehr Informationen als In-vivo-Tests mit Molekülen.

Allergene sind Antigene aus natürlichen Quellen wie Pflanzenpollen, Speichelproteine von Haustieren, Milbenproteine, Insektengifte oder Nahrungsmittel. Patienten sind aber nur gegen einzelne Allergenkomponenten und nicht gegen alle sensibilisiert. Dabei unterscheidet man Majorallergene (> 50 % der Patienten sind sensibilisiert), Minorallergene (< 50 % der Patienten sind sensibilisiert) und Panallergene. Panallergene sind zwischen den diversen Arten über die Evolution hochkonserviert und entweder von niedriger klinischer Relevanz (z. B. Profilin und Polcalcin, verantwortlich für klinisch niedrig relevante positive Hauttests) oder hoch relevant (z. B. Tropomyosin, verantwortlich für das Hausstaubmilben/Schrimps/Muschel-Syndrom, oder Parvalbumin, verantwortlich für die hohe Kreuzreaktivität bei Fischallergikern).

Wo greift die Komponentendiagnostik?

Für die Praxis muss man zwischen einfachen Allergenen mit einer dominierenden Komponente (z. B. Birkenpollen, Katze, Eschenpollen, Bienengift) und solche mit mehreren dominierenden Komponenten (z. B. Hausstaub, Gräserpollen, Latex, Hund, Erdnuss, Wespengift) unterscheiden. Eine Sensibilisierung gegen Majorallergene ist vor allem für die Indikationsstellung zur Immuntherapie interessant.

Da die meisten Hersteller ihre Extrakte mittlerweile auch gegen diese Majorproteine eichen, sollte sichergestellt sein, dass der Patient gegen diese überhaupt sensibilisiert ist (Tabelle 1). Ist ein Patient gegen Minorallergene sensibilisiert, so ist er zwar ein echter Allergiker, doch ist nicht sichergestellt, dass der Allergenextrakt, mit dem der Patient behandelt werden wird, dieses Minorallergen auch in ausreichender Menge enthält.

Eine weitere wichtige Indikation für die Komponentendiagnostik ist die Lebensmittelallergie. Bei Reaktionen auf Speicherfrüchte wie Erdnüsse, Fisch, Erdnuss sind die meisten Komponenten identifiziert. Allerdings ist die klinische Relevanz der Resultate noch nicht auf so sicheren Füßen wie im Bereich der Rhinokonjunktivitis und Asthmasymptomatik.

Möglichkeiten und Limitationen der Komponentendiagnostik

Die Komponentendiagnostik kann entweder mit Einzelmessungen oder mit dem Allergen Micro-Array (vulgo „Allergenchip“) durchgeführt werden. Auf dem Chip finden sich mehr als hundert Allergenkomponenten in miniaturisierter Form aufgetragen.

Obwohl der Allergenchip in vielen klinischen Studien erfolgreich eingesetzt wurde, ist im Moment der hohe Preis pro Messung ein Hindernis in der breiten Verwendung im klinischen Alltag.

Bei all der Euphorie über die Komponentendiagnostik sei abschließend erwähnt, dass aber noch lange nicht alle notwendigen Allergenkomponenten auch für Messungen verfügbar sind (z. B. Latexallergie, Insektengiftallergie), weshalb für ein Screening die In vitro-Diagnostik mit Allergenextrakten wahrscheinlich noch lange im klinischen Alltag ihren Stellenwert behalten wird.

Der Originalartikel ist erschienen im Magazin WMW-Skriptum 11/2011 © Springer-VerlagStefan Wöhrl, WienLiteratur

 

1 Focke M, Marth K, Flicker S, Valenta R (2008) Heterogeneity of commercial timothy grass pollen extracts. Clin Exp Allergy 38:1400-1408.

2 Focke M, Marth K, Valenta R (2009) Molecular composition and biological activity of commercial birch pollen allergen extracts. Eur J Clin Invest 39:429-436.

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