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Foto: Privat
Prof. Dr. Hugo Partsch, Facharzt für Haut- und Gefäßerkrankungen in Wien

Abb. 1: Stauungsdermatose bei eingeschränkter Mobilität. Nach 5 Tagen Kompressionstherapie mit einem Kurzzug-Fixverband ist die Beinschwellung um 5 cm zurückgegangen (rechts), die flüssigkeitsgefüllten Spalten im Duplex-Ultraschall haben sich rückgebildet und die Hautdicke ist auf die Hälfte reduziert

Abb. 2: 3D-Rekonstruktion (J-F. Uhl, Paris) von 30 MRI-Querschnitten durch die Wade im Stehen bei einem Varizenpatienten ohne (links) und mit (rechts) einem Wadenkompressionsstrumpf der Klasse 2 (Untersuchungen gemeinsam mit G. Mosti, Lucca). Unter Kompression sind vor allem die tiefen Venen eingeengt (blau und violett), nicht aber die sehr kaliberstarken Varizen (grün)

Abb. 3: Ausgeprägte Leistenhämatome 24 Stunden nach beidseits durchgeführter Laser-Ablation von insuffizienten Saphenae magnae. So hoch beidseits angelegte, feste Klebeverbände gereicht haben, konnten die Hautblutungen weitgehend vermieden werden

 
Dermatologie 31. Mai 2012

Neue Aspekte der Kompressionstherapie

Schon relativ geringe Drücke können große Wirkungen zeigen

Als Lebewesen mit aufrechter Körperhaltung sind wir Opfer der Schwerkraft, woraus die Anfälligkeit unserer unteren Extremitäten für Störungen des venösen Rückstromes und damit des Flüssigkeits- und Stoff-Austausches zwischen Blut und Gewebe resultiert. Diese Störungen gehen mit mannigfachen, schwerpunktmäßig dermatologischen Erscheinungsbildern einher. Eine gute Kompression wird auch in Zukunft die einfachste und wirksamste Gegenmaßnahme zur Verhinderung und Heilung derartiger Veränderungen darstellen.

Im gegebenen Rahmen sollen einige neuere Befunde bezüglich Ödemreduktion, Veneneinengung, venöser Pumpfunktion und Beeinflussung des arteriellen Einstroms bei Patienten mit gemischt arteriell-venösen Ulzera kurz skizziert werden. Zusätzlich wird auf das praktisch wichtige Problem einer optimalen Kompression nach Varizeneingriffen eingegangen. Schon relativ niedrige Drücke sind im Stande, eine Extremitätenschwellung zu reduzieren.

Ödemreduktion

Beim Post-Mastektomie-bedingten Arm-Lymphödem konnten wir zeigen, dass unelastische Verbände, die mit einem Druck um 30 mm Hg angelegt werden, nach zwei Stunden eine ausgeprägtere Ödemreduktion bewirken als Verbände mit einem Druck um 50 mm Hg. Bei chronischen Beinödemen liegt der optimale Druckbereich um 40–60 mm Hg, wobei höhere Drücke weniger wirksam sind (Abb. 1).

Veneneinengung

Untersuchungen mittels Magnetresonanz (MRI) im Liegen und im Stehen liefern Befunde, welche unsere bisherigen Konzepte teilweise in Frage stellen.

So konnte nachgewiesen werden, dass Thromboseprophylaxestrümpfe trotz sehr niedriger Druckwerte im Oberschenkelbereich im Liegen oberflächliche, aber auch tiefe Venen proximal vom Knie einengen. Die resultierende Beschleunigung der venösen Strömung ist das für eine Thromboseprophylaxe entscheidende Wirkprinzip. Im Stehen können Klasse-2-Kompressionsstrümpfe (23–32 mm Hg) die Durchmesser von tiefen Venen mehr reduzieren als von oberflächlichen Varizen (Abb. 2).

Will man Oberschenkelvarizen effektiv komprimieren, so kann dies nur mit sehr hohen Drücken geschehen, wie sie etwa durch exzentrische Druckposter erreicht werden können.

Verbesserung der venösen Pumpleistung

Eine Verbesserung der venösen Pumpleistung bei Patienten mit chronischer Veneninsuffizienz unter verschiedenen Kompressionsmitteln wurde bereits in früheren Studien gezeigt.

Höhere Drücke und unelastisches Material lieferten bessere Ergebnisse besonders bei Patienten mit schweren klinischen Stadien, zurückzuführen auf eine ausgeprägtere, intermittierende Venenkompression beim Gehen. Aber auch im niedrigen Druckbereich ist unelastisches Material hämodynamisch wesentlich effektiver als elastisches. Dies erklärt auch die Tatsache, dass unnachgiebige Verbände trotz erheblichen Druckverlustes noch nach einer Woche die venöse Beinpumpe mehr fördern als Kompressionsstrümpfe.

Strümpfe mit einem höheren Andruck im Wadenbereich bewirken bei mobilen Patienten eine ausgeprägtere Steigerung des hochgepumpten Blutvolumens als solche mit einem Druckgradienten, wie er nach den Qualitätskriterien der Strumpfhersteller gefordert wird.

Kompression beim gemischten Ulkus

Bei zehn bis 20 Prozent der Patienten mit einem venösen Unterschenkelgeschwür besteht gleichzeitig eine oft nicht diagnostizierte arterielle Verschlusskrankheit. Wir konnten zeigen, dass bei Patienten mit gemischt arteriell-venösen Ulzera und einem systolischen Knöchelarteriendruck zwischen 60 und 100 mm Hg (Doppler Ultraschall) unnachgiebige Verbände mit einem Kompressionsdruck bis 40 mm Hg nicht nur zu einer beträchtlichen Verbesserung der venösen Pumpleistung, sondern auch zu einem messbaren Anstieg der arteriellen Durchblutung führen. Erst bei höheren Andruckwerten kommt es zu einer Reduktion des arteriellen Einstroms. Ein Durchblutungsanstieg war bisher vor allem nach intermittierender pneumatischer Kompression bekannt und therapeutisch genutzt worden.

Kompression nach Varizeneingriffen

Nach Varizenchirurgie sowie allen endovenösen Therapieverfahren wird üblicherweise eine Kompressionstherapie durchgeführt, die vor allem zwei Ziele verfolgt:

  1. eine Verbesserung des Behandlungserfolges infolge einer Minimierung des venösen Blutvolumens,
  2. eine Reduzierung von Komplikationen wie Hämatombildung, Schmerzen, Entzündung, Thrombose und Rezidiv (Abb. 3).

 

Um eine Vena saphena magna am Oberschenkel zu komprimieren, wird beim stehenden Patienten ein Druck zwischen 30 und 60 mm Hg benötigt, der nur durch sehr fest angelegte, kurzzügige Kompressionsbinden oder durch eine exzentrische Kompression mit Hilfe von Druckpelotten mit darüber getragenen Kompressionsstrümpfen erreicht werden kann (Kompressionsstrümpfe der Klasse 2 alleine erzielen im Oberschenkelbereich Druckwerte von unter 15 mm Hg).

Der Originalartikel ist erschienen im Magazin WMW-Skriptum 11/2011 © Springer-Verlag

Hugo Partsch, Wien, hautnah 2/2012

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