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Dermatologie 26. Mai 2009

Nicht nur sauber, sondern rein

Chlorbleiche in der Wanne bessert den Hautzustand bei Neurodermitis.

Stark verdünnte Haushaltsbleiche kann Neurodermitikern Linderung verschaffen, meinen amerikanische Forscher, die Kinder und jugendliche Patienten getestet haben. Regelmäßige Bäder mit einer geringen Menge Chlorbleiche seien ein einfaches, sicheres und kostengünstiges Mittel, um den Hautzustand in kurzer Zeit erheblich zu verbessern und neuen Schüben vorzubeugen, berichten die Wissenschafter um Amy Paller von der Northwestern University in Chicago.

 

Die Bleiche wirkt, indem sie Bakterien wie Staphylococcus aureus abtötet. Dieser Erreger ist auf der Haut von zwei Dritteln aller Neurodermitis-Patienten zu finden und gilt als einer der Hauptauslöser heftiger Schübe, erklären die Forscher: Er siedelt sich leicht auf der sensiblen, häufig aufgekratzten Haut an und verursacht nässende Reaktionen.

In dieser Umgebung fühlen sich die Staphylokokken wohl und breiten sich weiter aus – ein Teufelskreis. Zwar können die Erreger auch mit Antibiotika bekämpft werden. Da viele Erkrankte jedoch über Jahre hinweg oder sogar ihr Leben lang unter dem juckenden Hautausschlag leiden, ist das Risiko der Resistenzbildung sehr hoch.

In ihren Tests untersuchten die Wissenschaftler 31 Patienten im Alter von sechs Monaten bis 17 Jahren. Die Hälfte der Probanden nahm zweimal pro Woche für fünf bis zehn Minuten ein Bad in Wasser, dem ein Becher Chlorbleiche zugesetzt worden war. In das Badewasser der anderen Kinder leerten die Forscher ein Placebo.

Eigentlich war die Studie auf drei Monate angesetzt. Doch die Besserung des Hautzustandes sei so extrem und so schnell vonstatten gegangen, dass die Forscher auch die Placebo-Empfänger möglichst schnell mit der verdünnten Bleiche behandeln wollten, berichtet Paller. Deshalb sei die Studie vorzeitig beendet worden. „Durch die Bleichebäder wurde der Hautausschlag immer besser. Zudem verhinderten sie das Wiederaufflammen der Entzündungen, ein dauerhaftes Problem dieser Kinder.“

Die Wissenschaftler konnten die Wirkung der Bäder besonders gut durch den Vergleich von Körper und Gesicht der Patienten feststellen: Da der Kopf bei den Bädern über Wasser blieb, war der Ausschlag im Gesicht noch wesentlich stärker vorhanden. Darum sollten Neurodermitis-Patienten während des Badens mit geschlossenen Augen und geschlossenem Mund auch immer wieder den Kopf untertauchen, raten die Forscher.

Trotz der erfolgreichen Tests sollten Neurodermitis-Patienten jedoch auf jeden Fall mit ihrem Arzt sprechen, bevor sie einen Selbstversuch mit Bleichebädern starten.

 

Quelle: Newsletter der Interessensgemeinschaft Allergenvermeidung (die Studie erschien in: Pediatrics Vol. 123 No. 5 Mai 2009, S. e808-e814)

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