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Foto: Archiv
Prof. Dr. Werner Aberer Vorstand der Universitätsklinik für Dermatologie an der MedUni Graz
 
Dermatologie 29. April 2009

Herpes simplex nicht unterschätzen

Bei Immunschwäche kann Lebensgefahr drohen.

Prof. Dr. Werner Aberer, seit Oktober 2008 Klinikvorstand der Universitätsklinik für Dermatologie in Graz referierte bei der Wissenschaftlichen Fortbildungswoche der Österreichischen Apothekerkammer in Saalfelden über virale Hautkrankheiten. Hautnah hatte Gelegenheit, mit ihm darüber zu sprechen.

Ist das Herpes-simplex–Virus nur lästig?

Aberer: Herpes-simplex-(HS)-Viren zählen zu den häufigsten Krankheitserregern des Menschen. In Österreich wird von 1,2 Millionen HSV-II-Infizierten ausgegangen. Genitale HSV-II-Infektionen gelten als wichtige Ursache genitaler Ulzerationen und werden heute als Schrittmacher von HIV-Infektionen angesehen. Bei Immungeschwächten können HSV-assoziierte Krankheitsbilder lebensbedrohlich werden wie etwa bei der Herpes-Enzephalitis oder dem Herpes neonatorum. Es geht also nicht nur um die Fieberblase.

 

Die aber auch störend sein kann. Was kann man dagegen tun?

Aberer: Normalerweise werden Herpesviren durch das Immunsystem kontrolliert. Durch Trigger wie starke Sonnenbestrahlung, Stress oder Menstruation können sie jedoch aktiviert werden. Für die topische Behandlung des Herpes orolabialis sind antivirale Cremen und Pasten zu empfehlen. Für die episodische Behandlung eig-nen sich oral Aciclovir oder Famiciclovir. Das wichtigste Ziel sind rasche Abheilung und Schmerzlinderung. Mit den zur Verfügung stehenden Virustatika ist eine Beeinflussung der Rezidivhäufigkeit jedoch nur bedingt möglich. Bei primärem Herpes genitalis gibt es keine Alternative zur systemischen Behandlung. Mit Ausnahme des rezidivierenden Herpes orolabialis erfolgt die Behandlung nur mit systemisch wirksamen antiviralen Medikamenten. Therapieziele sind die Hemmung der Virusreplikation, die Abkürzung der Schmerzdauer und die Verhinderung von Komplikationen. Bei einer frühzeitigen und korrekten Dosierung sind diese Ziele erreichbar. Zur Verfügung stehen Aciclovir, Valaciclovir und Famciclovir. Die Anwendung von topischem Imiquimod bei ausgedehntem Herpes genitalis ist wegen der Nebenwirkungen problematisch.

 

Welche Therapien stehen bei HPV-Infektionen zur Verfügung?

Aberer: Bisher ist keine befriedigende Therapie bekannt. Mit Rezidivraten von 25 Prozent innerhalb von drei Monaten muss gerechnet werden. Vorerst sind konservative Maßnahmen zu bevorzugen: Salben, Kollodien, Hauthobel. Schnell ist die Behandlung mit CO2-Laser. Auch die lokale Applikation von Podophyllin erzielt Erfolge.

 

Was halten Sie von der HPV-Impfung?

Aberer: Die Beobachtungszeit ist für die endgültige Beurteilung noch zu kurz. Fragen wie z. B. über die Schutzdauer oder die protektive Wirkung bei Männern sind noch nicht eindeutig beantwortet. Derzeit sind weder Euphorie noch Ablehnung angesagt.

 

Das Gespräch führte Dr. Gerta Niebauer

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