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Fotos (4): Univ.Klinik für Dermatologie MedUni Wien
Abb. 1: Makulopapulöses Exanthem

Abb. 2: Aphtöse Läsionen an der Mundschleimhaut

Abb. 3: Enanthem

 
Dermatologie 29. April 2009

Der klinische Blick reicht oft nicht aus

Bei exanthemischen Virusinfektionen ist eine ergänzende virusdiagnostische Abklärungen ratsam.

Durch Viren ausgelöste Erkrankungen manifestieren sich häufig auf der Haut wie z. B. durch ein Exanthem. Eine genaue Diagnose dieser Effloreszenz ist aber immer besonders wichtig, da sich vielleicht hinter einem harmlos erscheinenden Krankheitsbild eine schwere Grunderkrankung verbergen kann und dadurch eine fühzeitige Therapie verabsäumt werden könnte.

Sind Erkrankungen wie etwa Masern, Feuchtblattern, Röteln oder Ringelröteln als eine klassische Kinderkrankheit einzuordnen oder handelt es sich dabei um eine Enterovirus-, Adenovirus- oder gar um eine HIV-Infektion? „Die Abklärung eines Exanthems ist von grundlegender Bedeutung, denn es ist ein sichtbares Symptom einer oft sehr schweren Erkrankung“, betonte Prof. Dr. Elisabeth Puchhammer-Stöckl, Klinisches Institut für Virologie Wien, anlässlich der Wissenschaftlichen Fortbildungswoche der Apothekerkammer in Saalfelden.

Vor allem Viruserkrankungen bevorzugen die Haut als Schauplatz, die Zuordnung der äußeren Erscheinung des Exanthems zur Grundkrankheit stellt oft eine Herausforderung für die Diagnosestellung dar. „Ich glaube nicht allein an eine Blickdiagnose“, sagte die Virologin. Oft sei eine genaue virusdiagnostische Abklärung notwendig. Dazu zählen der Nachweis von virusspezifischen IgG- und IgM-Antikörpern im Blut, der Virus-Nukleinsäurenachweis aus dem Blut und verschiedenen anderen Körperflüssigkeiten. „Die genaue Diagnose eines Exanthems ist auch bei einem harmlos erscheinenden Krankheitsbild sehr wichtig – einerseits um rechtzeitig eine Therapie einzuleiten, anderseits um das Risiko für die Umwelt abzuschätzen. Besonders für Schwangere und Immungeschwächte können diese Infektionen gefährlich werden“, so die Virologin und riet daher dringend zu getrennten Ordinationsräumen.

Masern werden noch immer schwer unterschätzt

Ein makulopapulöses Exanthem ist für die hoch infektiösen Masern typisch. Sie sind „immer noch eine schwer unterschätzte Krankheit, denn einer von 1.000 Masernfällen endet tödlich, und 50 Prozent der an Masern erkrankten Personen zeigen EEG-Abnormitäten. Masernviren, die in das Gehirn eindringen, führen nach Jahren zu einer Zerstörung der Hirnzellen, und das bei meist noch jungen Menschen“, warnte Dr. Puchhammer-Stöckl und strich damit auch die Wichtigkeit der Impfung hervor.

Für das Varicella-Zoster-Virus (VZV), Erreger von Feuchtblattern, ist ein leicht erkennbares, vesikuläres Exanthem typisch. Auch VZV können zu Komplikationen führen. In diesen Fällen ist eine rasche antivirale Therapie – etwa mit Acyclovir – notwendig. Da Herpesviren im Körper bleiben, kann es im Alter mit der Abnahme der T-Zell-Abwehr zum Herpes zoster kommen. Gefährlich sind als Folgen Neuralgien und Entzündungen des Gehirns und Rückenmarks. Diese schweren Komplikationen treten fallweise auch ohne Hauterscheinungen auf und können nur durch den Nachweis von Virusnukleinsäuren im Liquor zugeordnet werden. Sowohl für Kinder als auch für Erwachsene wird eine Impfung empfohlen.

Schwere Differenzialdiagnose

Röteln sind oft schwer von ande-ren, etwa durch Arzneimittel hervorgerufene, Exantheme zu unterscheiden. Gefährlich sind sie in der Frühschwanger- schaft, da sie auf den Fötus übertragen werden und zu Taubheit, Katarakt und Meningoenzephalitis des Kindes führen können. Ebenso können die vom Paravirus B19 hervorgerufenen Ringelröteln in der Schwangerschaft zur Infektion des Fötus führen. „Auffallend ist der ‚Slap in the Face‘, eine Rötung wie nach einer Ohrfeige“, erklärte Puchhammer-Stöckl die Diagnose.

Auch zahlreiche andere Virusinfektionen können mit Exanthemen einhergehen. In Europa sind es vor allem Enteroviren mit Haut-Fuß-Mund-Symptomen, „Sommergrippe“ und Gastroenteritis sowie Adenoviren, die respiratorische Infekte auslösen können.

Auch an HIV denken

Aber auch eine HIV-Infektion kann in der ersten Woche ein Exanthem verursachen, das auf den ersten Blick nicht gleich zugeordnet werden kann. Jeden-falls muss auch daran gedacht werden. Die virusdiagnostische Aufklärung ist hier besonders wichtig.

Dr. Gerta Niebauer, hautnah 2/2009

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