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Dermatologie 28. April 2009

Schlecht aufgelegt: Dekubitus

Richtig vorbeugen und effizient behandeln: Die größten Probleme bestehen im häuslichen und Pflegeheimbereich.

Steigende Lebenserwartung und verbesserte Therapien haben oft längere Bettlägerigkeit und Immobilität zur Folge. Faktoren, die die Entwicklung eines Dekubitus begünstigen, möglichst auszuschalten und bei bestehendem Geschwür eine effektive Behandlung einzusetzen, verbessert Lebensqualität und Kosteneffizienz.

Bei der zweiten gemeinsamen Jahrestagung der Schweizerischen und österreichischen Gesellschaft (Austrian Wound Association, AWA) für Wundbehandlung im kommenden Juni in Zürich werden Dekubitusprävention und -management einen der Schwerpunkte bilden.

Dekubitalgeschwüre nehmen elf Prozent an der Gesamthäufigkeit chronischer Wunden ein. Während es im Krankenhaus gelungen ist, die Entwicklung von Druckgeschwüren deutlich zu reduzieren, ist die Situation im häuslichen und Pflegeheimbereich verbesserungswürdig. Die Risikofaktoren reichen von Mobilitätseinschränkung, Inkontinenz und Demenz über Mangelernährung und Diabetes bis zu Kontrakturen und Auftreten von Ödemen. Zwar lassen sich die Minderversorgung der Haut mit Nährstoffen und daraus folgende Hautgeschwüre vermeiden, allerdings bestehen Defizite in der Information, der Unterstützung und des richtigen Mitteleinsatzes.

Angehörige häufig überfordert

Vor allem im häuslichen Bereich sind pflegende Angehörige meist mit der Situation überfordert, berichtet Gabriela Hösl, diplomierte Gesundheits- und Krankenschwester und Wundmanagerin: „Dekubitus trifft nicht nur alte Menschen! Auch nach einem Unfall oder aufgrund einer schweren Krankheit, die die Mobilität stark einschränkt, steigt das Risiko dramatisch.“ Mobilisierung, Lagerung, Ernährung und Hautpflege stellen die Eckpfeiler der Prävention, aber gleichzeitig auch „Pflegefallen“ für Angehörige dar: Der Wunsch des Betroffenen, liegen zu bleiben, und die schwere körperliche Beanspruchung beim Lagerungswechsel erfordern professionelle Unterstützung der pflegenden Angehörigen, genauso wie die Beratung für eine eiweißreiche Ernährung, für die Auswahl des richtigen Pflegebetts und für die Hautpflege.

Richtige Wundheilungstherapie

Für die Behandlung des Dekubitus stehen heute zahlreiche Wundauflagen und die Wundheilung unterstützende Systeme zur Auswahl. Bei sehr tiefen oder nekrotischen Wunden ist eine operative Therapie durch den plastischen Chirurgen notwendig. Auch hier kann das perioperative Management den Heilungserfolg wesentlich verbessern. Mit dem Konzept der vakuumversiegelten Unterdrucktherapie verfügt die Wundbehandlung heute über ein System, das bei tiefen und infizierten Wunden indiziert ist: Dabei wird ein Schaumstoffschwamm in das Wundgebiet eingelegt und vakuumversiegelt. Anschließend wird im Wundgebiet mittels einer Pumpeinheit permanent Unterdruck erzeugt und Wundsekret abgesaugt. Dadurch wird überschüssige Gewebsflüssigkeit abgeleitet, die bakterielle Belastung reduziert, Wundränder zusammengezogen und der Zellstoffwechsel angeregt. Vermehrte Bildung von Granulationsgewebe sowie die verbesserte Versorgung mit Sauerstoff und Wachstumsfaktoren führen zu einer beschleunigten Heilung. Die längsten Erfahrungen haben Wundtherapeuten mit dem V.A.C.®-System, das auch für die Hauspflege geeignet ist. Neue Anbieter werden das Angebot künftig erweitern, stellt Prof. Dr. Gerald Zöch, Plastischer Chirurg am Donauspital Wien, fest. Um die Patientenversorgung zu optimieren, sollten Algorithmen auf der Grundlage der europäischen Guidelines entwickelt werden sowie die interdisziplinäre Zusammenarbeit und die Einbindung des niedergelassenen Bereichs verstärkt werden, fordert Prof. Dr. Robert Strohal, AWA-Präsident und Vorstand der Abteilung für Dermatologie des LKH Feldkirch.

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