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Dermatologie 14. Februar 2012

Dermatosen bei Übergewicht

Adipositas: auch für die Haut ein Risikofaktor

Dass Übergewicht für eine Reihe von Krankheiten verantwortlich ist, kann nicht widerlegt werden. Auf einen Zusammenhang zwischen Metabolischem Syndrom und einer Reihe von Hautkrankheiten wies Prof. Dr. Bernhard Ludvik hin.

An der Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für Kosmetische Dermatologie und Altersforschung (ÖGDKA) im Dezember in Wien berichtete Prof. Dr. Bernhard Ludvik, Universitätsklinik für Innere Medizin III, MedUni Wien, über Hautkrankheiten, die bei Adipositas besonders häufig auftreten. Die das Metabolische Syndrom begleitende Insulinresistenz kann zu Akanthosis nigricans, Fibromen, einer Keratosis pilaris sowie über den Hyperandrogenismus zu Hirsutismus führen. Mechanisch kommt es zu plantaren Hyperkeratosen, Striae distensae, Zellulitis, Lymphödemen und chronisch venöser Insuffizienz. An Infektionskrankheiten beobachtete Ludvik vor allem Intertrigo, Candida- oder Dermatophyteninfektionen, Follikulitis und nektrotisierende Fasziitis, an entzündlich bedingten Erkrankungen Hidradenitis suppurativa und Psoriasis, an metabolischen Folgeerscheinungen Gichttophi.

Besondere Auswirkung hat Adipositas auf den Verlauf und möglicherweise auch auf die Entstehung der Psoriasis. Als gemeinsamen pathogenetischen Mechanismus sieht Ludvik eine Erhöhung der inflammatorischen Zytokine bzw. eine Verminderung der antiflammatorischen Zytokine. Diese Veränderungen können sowohl die Entstehung und den Verlauf der Psorasis bei Adipositas beeinflussen als auch für die Komorbidität von Diabetes und Herz-Kreislauferkrankungen verantwortlich sein. Ludvik empfiehlt daher aufgrund dieser Zusammenhänge, beim Auftreten dieser Hautkrankheiten auch an ein Metabolisches Syndrom als Ursache zu denken.

Regulationsmechanismen des Fettgewebes

Diese Zusammenhänge bestätigen weiter, dass weißes Fettgewebe nicht nur ein passives Speicherorgan für Triglyceride ist, wie lange Zeit angenommen wurde. „Zahlreiche Untersuchungen der letzten Jahre belegen eine komplexe, bilaterale neuroendokrine Achse zwischen Hirn- und Fettgewebe“, berichtete Prof. Dr. Markus Böhm, Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Venerologie, Universitätsklinik Münster. Über diese Achse werden Energieumsatz, Nahrungsmittelaufnahme und Metabolismus im Fettgewebe koordiniert. Besondere Bedeutung haben das Fettgewebshormon Leptin, das zentrale POMC-System (ProOpioMelanokortin-Zellen) einschließlich seiner positiven und negativen neuroendokrinen Steuerungsmechanismen, sowie nach neuesten Befunden eine Degradierung von alpha-MSH durch das Enzym PRCP. Interessanterweise, so Böhm, haben bestimmte Mutationen dieser Gene nicht nur direkte Auswirkungen auf den Energiestoffwechsel, sondern können auch mit einem Hautphänotyp einhergehen. „Die Regulationsmechanismen des zentralen POMC-Sytems bieten uns jedenfalls innovative Ansatzpunkte zu einem weiteren Verständnis des kutanen POMC-Sytems, in dem Melanokortine wie alpha-MSH eine wichtige Rolle spielen.“

Gerta Niebauer
, hautnah 1/2012

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