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Foto: Privat

Prof. Dr. Andreas Steiner
Leiter der Dermatologischen Abteilung, Krankenhaus Hietzing, Wien

 
Dermatologie 6. Dezember 2011

Die alternde Haut im Fokus

Das Durchschnittsalter der Bevölkerung steigt. Das ist auch in der Praxis bemerkbar.

Wie der Gesamtorganismus ist auch die menschliche Haut einem kontinuierlichen Alterungsprozess unterworfen. Wir sprachen mit Prof. Dr. Andreas Steiner, Leiter der Dermatologischen Abteilung im Krankenhaus Hietzing in Wien, über die Besonderheiten der Altershaut und deren Relevanz für Pflege und Therapie.

 

Welche spezifischen Probleme der Haut treten häufig im höheren Lebensalter auf?

Steiner: Das größte Problem im Alter sind natürlich die Hauttumoren. Dabei insbesondere jene, die in ihrer Entstehung durch Sonneneinstrahlung gefördert werden. Dazu zählen der weiße und der schwarze Hautkrebs. Aber auch das Merkelzellkarzinom, das immer häufiger auftritt.

Weitere Probleme der Altershaut sind Trockenheit, Faltenbildung und Pigmentverschiebungen. Es nehmen auch gutartige Neubildungen wie Alterswarzen an der Haut zu.

 

Wie häufig sind Sie in Ihrer Praxis mit Problemen der Altershaut konfrontiert?

Steiner: Das Durchschnittsalter der Bevölkerung ist ständig im Steigen. Dadurch suchen auch immer mehr ältere Menschen den Dermatologen oder die Dermatologin auf.

Die Hautprobleme bei älteren Menschen entstehen vorwiegend durch Veränderung der Oberhaut und der Hornschicht. Auch die Haare, Schweiß- und Talgdrüsen verändern sich dramatisch im Alter. Die immunkompetenten Zellen in der Haut nehmen ab. Dies führt zu Trockenheit, Juckreiz und Ekzemen. Die Hauttumoren nehmen zu.

 

Welche Ursachen haben Dermatitiden im Alter, und wie manifestieren sich diese Entzündungen der Haut?

Steiner: Ekzeme sind beim älteren Menschen wesentlich häufiger als beim jungen. Die Veränderung der Hornschicht und die verminderte Talgdrüsenproduktion führen zu einer altersbedingten Trockenheit der Haut.

Häufig betroffen sind die Unterschenkel und die Unterarme. Die Haut ist rau und mit feinen Schuppen bedeckt. Hier können auch Ekzemplaques mit Rötung und Schuppung auftreten. Dies geht oft mit starkem Juckreiz einher.

 

Von welchem Lebensalter an treten diese Symptome der Hautalterung in der Regel auf?

Steiner: Viele Patienten merken die Hautalterung schon in frühen Lebensjahren.

Die Hautalterung verläuft progredient und ist bei Patienten, die sich häufig der Sonne aussetzen, verstärkt.

Grundsätzlich unterscheiden wir zwischen einer intrinsischen und einer extrinsischen Hautalterung.

Unter intrensischer Hautalterung versteht man den physiologischen Alterungsprozess. Dieser Alterungsprozess schreitet individuell verschieden voran.

Die extrinsische Hautalterung wird durch eine exogene Noxe, die UV-Strahlung, verursacht. Sie wirkt als Verstärkung des intrinsischen Alterns. Daher kommt es auch in Hautarealen, die der Sonne besonders intensiv ausgesetzt sind, zu einer verstärkten Alterung.

Die Haut im Gesicht, im Bereich des Dekolletés und auf den Handrücken altert daher stärker als die Haut in den nicht sonnenexponierten Arealen.

 

Wie sieht die Pflege beziehungsweise Therapie bei Erkrankungen der alternden Haut aus?

Steiner: Die Trockenheit der alternden Haut ist nicht behebbar und bedarf einer ständigen Behandlung mit Pflegesalben.

Auch sollten ältere Menschen darauf hingewiesen werden, dass Seife zu einer Entfettung der Haut führt.

Liegen Entzündungen – also ein Ekzem – vor, so sind diese mit Kortisonsalben zu behandeln. Ekzeme der Altershaut sprechen auf Kortisonsalben meistens sehr gut an.

 

Worauf ist bei der Kortikoid-Behandlung der alternden Haut zu achten?

Steiner: Im Prinzip gelten für die Altershaut die gleichen Grundsätze wie für die jugendliche Haut. Kortisonsalben sollten intensiv angewendet werden, aber dafür möglichst kurz. Kortison-Mischsalben sollten nach Möglichkeit vermieden werden. Für die Behandlung von Ekzemen der Altershaut eignen sich Salben und Fettsalben besonders gut.

 

Das Gespräch führte Harald Leitner

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