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Neben dermatologischen gibt es auch systemische Erkrankungen, die vor allem bei älteren Menschen Pruritus verursachen können.
 
Dermatologie 18. Oktober 2011

Chronischer Pruritus

Bei der Behandlung älterer Patienten ist besonders auf die Sicherheit des Therapeutikums zu achten.

Chronischer Juckreiz ist eines der häufigsten Symptome bei dermatologischen Erkrankungen und beeinträchtigt die Lebensqualität der Patienten massiv. Insbesondere die Haut älterer Patienten ist empfänglich für Dermatitiden und Pruritus. Im höheren Lebensalter sind Menschen meist mit einer Reihe von Komorbiditäten und Polypharmazie konfrontiert, sodass bei diesem Patientenkollektiv bei der Wahl eines dermatologischen Therapeutikums in besonderem Maße auf ein ausgewogenes Nutzen-Risiko-Profil zu achten ist.

 

Die Tatsache, dass die Lebenserwartung in industrialisierten Ländern ständig steigt, ist dafür verantwortlich, dass neben anderen Erkrankungen auch die Prävalenz von Hauterkrankungen zunimmt. Pruritus ist eines der Hauptsymptome dermatologischer Erkrankungen. Darüber hinaus kann chronischer Juckreiz aber auch mit systemischen, neurologischen oder psychiatrischen Störungen assoziiert sein. Häufig bleibt die Ursache des chronischen Juckreizes aber auch unklar.

Die Angaben zur Prävalenz von Pruritus differieren stark. So sind laut einer norwegischen Untersuchung 8,4 Prozent der Gesamtbevölkerung von Pruritus betroffen1, und eine deutsche Studie ergab, dass die Lebenszeitprävalenz von Pruritus bei 22,6 Prozent liegt. Bezogen auf Menschen über dem 65. Lebensjahr liegen die Angaben für die Prävalenz von chronischem Juckreiz zwischen 11,5 Prozent laut einer türkischen2 und 14,2 Prozent in einer taiwanesischen Studie3, wobei in der türkischen Arbeit die Häufigkeit von Juckreiz in der Altersgruppe der über 80-Jährigen am höchsten war.

Die alternde Haut

Die Hautalterung wird durch eine Reihe von chronologischen und Umweltfaktoren bestimmt, wobei intrinsische, hormonelle, biologische und genetische Faktoren ebenso eine Rolle spielen wie extrinsische Noxen wie UV-Strahlung, Umweltgifte oder Nikotin. Charakterisiert ist die Hautalterung durch Atrophie der Epidermis und Dermis, den Abbau von elastischen Fasern sowie den Verlust an Feuchtigkeit4. Dadurch büßt die Haut ihre strukturelle Integrität ein und kann ihre physiologischen Funktionen nicht mehr zufriedenstellend erfüllen.

Die Hautalterung kann einerseits Dermatosen verstärken, andererseits kann sie auch Auslöser von Hautkrankheiten sein. Eine der häufigsten Hauterkrankungen im fortgeschrittenen Lebensalter ist die Exsikkationsdermatitis, die in vielen Fällen mit starkem Juckreiz einhergeht. Dabei ist das Fehlen von natürlichen, feuchtigkeitsspendenden freien Fettsäuren im Stratum corneum für die starke Austrocknung verantwortlich. Darüber hinaus treten bakterielle Ekzematoide und Stauungsekzeme, die ebenfalls mit Pruritus einhergehen, im höheren Alter vermehrt auf. Auch Autoimmunerkrankungen der Haut wie Pemphigus vulgaris oder Dermatomyositis sind im Alter häufiger und weisen in der Regel auch eine schlechtere Prognose im Vergleich zu jüngeren Patienten auf.

Neben den dermatologischen sind es auch systemische Erkrankungen wie etwa Urämie, Leber- und hämatologische Erkrankungen sowie Lymphome oder Tumore, die einen Pruritus verursachen können. Darüber hinaus kann eine Reihe von Medikamenten von Analgetika über Antidiabetika, Antikoagulanzien und kardiovaskuläre Medikamente bis hin zu Zytostatika und Antidepressiva Juckreiz verursachen.

Topische und systemische Therapie

In vielen Fällen führt die Behandlung der dem Pruritus zugrunde liegenden Erkrankung auch zu einer massiven Linderung des Juckreizes. Trotzdem benötigt ein beträchtlicher Teil der Patienten eine spezifische Therapie des Pruritus. Eine rasch wirksame Option ist das Aufbringen von Feuchtigkeit spendenden Lotionen oder Emollienzien. Bei Vorliegen von Steroid-responsiven Dermatosen gewähren topische Steroide rasche Linderung auch von schwerem chronischem Juckreiz5. Ist der Pruritus ein Symptom unter anderen, das auf eine zugrunde liegende entzündliche Erkrankung hinweist, so sind topische Steroide mit günstigem Nutzen-Risiko-Profil wie etwa Methylprednisolonaceponat hilfreich, wobei stets auf die erhöhte Empfindlichkeit der gealterten Haut zu achten ist6. Weitere topische Therapeutika, die bei Pruritus von älteren Patienten in Frage kommen, sind topische Immunmodulatoren, Capsaicin, Lokalanästhetika oder topische Cannabinoide7. Zur systemischen Behandlung von Pruritus stehen unter anderem Antihistaminika, systemische Kortikosteroide, Leukotrien-Rezeptorantagonisten, Opioid-Rezeptorantagonisten oder Antidepressiva zur Verfügung.

 

Referenzen:

1 Dalgard et al.: Br J Dermatol 2004;151(2):452–57

2 Yalcin et al.: Int. J. Dermatol 2006;45-86):672–76

3 Liao et al.: Dermatology 2001;203:308–13

4 Grundmann und Ständer: Aging Health 2010:6(1):53–66

5 Zhai et al.: Skin Pharmakol Appl skin Physiol 2000:13(6):352–57

6 Kawashima et al.: Br J Dermatol 2003;148(6):1212–21

7 Patel und Yosipovitch: Skintherapyletter 2010

Von H. Leitner , Ärzte Woche 42 /2011

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