zur Navigation zum Inhalt
 
Dermatologie 19. September 2011

Blutzellen aus Hautzellen erzeugen

Die Stammzelltherapie ermöglicht ein völlig neues Konzept der regenerativen Medizin

Über eine neue, sensationelle Eigenschaft der Haut berichtete PD Dr. Dirk Strunk von der Medizinischen Universität Graz auf der 44. Fortbildungswoche der Österreichischen Apothekerkammer in Saalfelden.

Shinya Yamanaka aus Kyoto gelang es 2006 erstmals, aus Zellen der Haut induzierte pluripotente Stammzellen (iPS) zu gewinnen. Das sind Stammzellen, die mit einer embryonalen, universellen Funktionalität ausgestattet sind. „Diese Zellen können fast alles, so können sie auch für die Gewinnung von Blut aus Hautzellen eingesetzt werden“, erklärt der Hämatologe PD Dr. Dirk Strunk von der Klinischen Abteilung für Hämatologie der Medizinischen Universität Graz.

Strunk hat an der von Prof. Dr. Georg Stingl geleiteten Abteilung für Immundermatologie und infektiöse Hautkrankheiten der Medizinischen Universität Wien mit der Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Adelheid Elbe-Buerger zusammengearbeitet. Dabei ist es gelungen, mesenchymale Stammzellpopulationen aus der menschlichen Haut zu isolieren und zu expandieren. Ihr Differenzierungspotenzial ist derzeit Gegenstand von weiteren Untersuchungen. „Sie sollen uns dem Ziel näher bringen, tatsächlich aus Hautzellen Blutzellen zu erzeugen“, sieht Stingl neue Möglichkeiten, Blut zu „produzieren“.

Haut als Spenderorgan

Die Haut bietet sich als Spenderorgan an, denn sie ist leicht zugänglich – aus gesundem Gewebe wird einfach eine Biopsie entnommen. Durch die ektopische Expression von vier Transkriptionsfaktoren (Proteine, die die Genaktivität innerhalb einer Zelle beeinflussen wie Oct4, Sox2, Klf4 und c-Myc) und eine Mixtur von Nährstoffen und Wachstumsfaktoren können Fibroblasten so programmiert werden, dass sie sich danach in einem ähnlichen Zustand wie in der früheren Embryonalentwicklung befinden. Sie sind somit befähigt, sich in jedweden Zelltyp zu differenzieren – es sind induzierte pluripotente Stammzellen (iPS).

Vor kurzem haben US-Forscher im Fachjournal Nature Cell Biology 1 berichtet, dass embryonale Hautfibroblasten in nur elf Tagen, statt bisher vier bis fünf Wochen, in pulsierende Herzmuskelzellen umgewandelt werden konnten. Dabei wurden drei der vier oben genannten Transkriptionsfaktoren in die Zellen eingeschleust, aber schon deaktiviert, bevor die Zellen den Zustand embryonaler Stammzellen erreicht hatten. Dann erhielten die Zellen ein Signal, das aus speziellen Wachstumsfaktoren bestand und die Umwandlung in Herzmuskelzellen bewirkte.

Regenerative Medizin

„Die Stammzelltherapie ermöglicht ein völlig neues Konzept der regenerativen Medizin. Es beruht auf der Erkenntnis, dass Stammzellen aus dem adulten, blutbildenden System – meist aus Blut und Knochenmark, in letzter Zeit auch aus Nabelschnurblut – die Regeneration von Organen unterstützen kann“, erklärt Doz. Dr. Strunk. Bald könnte auch die Haut für die regenerative Medizin eingesetzt werden.

Bereits in die Praxis umgesetzt ist die Transplantation von Blutstammzellen zur potenziellen Heilung von malignen Erkrankungen und Immundefekten. Weltweit werden pro Jahr rund 50.000 Blutstammzell-Transplantationen durchgeführt, davon etwa 3.000 aus Nabelschnurblut.

Efe, J. A. et al.: Conversion of mouse fibroblasts into cardiomyocytes using a direct reprogramming strategy. Nature Cell Biology 2011; 13: 215–22; doi:10.1038/ncb2164

Dr. Gerta Niebauer , hautnah 3/2011

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben