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Prof. DDr. Thomas Luger Past-Präsident der DDG und Direktor der Klinik und Poliklinik für Hautkrankheiten des Universitätsklinikums Münster, Deutschland
 
Dermatologie 7. Juni 2011

„Psoriasis ist keine harmlose Krankheit“

Jeder dritte Patient braucht mehr als Salben.

Anlässlich der 46. Jahrestagung der DDG appellierte Prof. DDr. Thomas Luger – Tagungspräsident mit österreichischen Wurzeln – dafür, die Tragweite der Psoriasiserkrankung anzuerkennen und den Betroffenen eine adäquate Behandlung zu ermöglichen. Im Folgenden Auszüge aus seiner Rede.

 

„Die Psoriasis ist eine chronisch entzündliche Hauterkrankung, unter der in Deutschland etwa zwei Millionen Menschen leiden. Bei einem Drittel der Patienten ist der Krankheitsverlauf so schwer, dass eine reine Salbenbehandlung nicht in Frage kommt. Eine psoriatische Arthritis entwickelt sich bei etwa 20 Prozent der Patienten. Obwohl es für die Psoriasis nach wie vor keine Heilung gibt, hat die Erforschung der zugrunde liegenden Pathomechanismen in den letzten Jahren enorme Fortschritte gemacht und zur Identifizierung von relevanten Gendefekten geführt, welche in einer gestörten Funktion des Immunsystems resultieren.

Die Psoriasis ist [...] kein kosmetisches Problem, sondern eine unheilbare chronische Erkrankung, die für die Patienten mit einer enormen Belastung verbunden ist. Sie ist stigmatisierend [...]. Weiters ist die Psoriasis aufgrund der Nagel- und Gelenksveränderungen mutilierend, so dass simple Dinge des täglichen Lebens nicht mehr verrichtet werden können. Der enorme Leidensdruck [...] spiegelt sich auch in Untersuchungen wider, in denen gezeigt werden konnte, dass die Patienten mit Psoriasis sowohl psychisch als auch physisch mehr leiden als Patienten mit Tumorerkrankungen oder koronaren Herzerkrankungen.

Wir wissen heute, dass chronisch entzündliche Erkrankungen wie die Psoriasis mit einem erhöhten Risiko der Entwicklung von Komorbiditäten behaftet sind. Die chronische Entzündung bewirkt eine andauernde Freisetzung von entzündungsfördernden Signalen, deren schädigende Wirkung zusätzlich durch Übergewicht, Rauchen und Alkoholkonsum potenziert wird. In der Folge kommt es zu Stoffwechselstörungen wie Insulinresistenz sowie krankhaften Veränderungen an den Blutgefäßen, welche letzten Endes in Arteriosklerose und Herzinfarkt münden. Im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung leiden die Patienten mit Psoriasis demnach wesentlich häufiger an Diabetes mellitus, Hochdruck, erhöhten Blutfetten und koronaren Herzerkrankungen.

Alarmierend ist, wie neue Studien gezeigt haben, dass Psoriasis-Patienten im Vergleich zum Kontrollkollektiv etwa sechs Jahre früher versterben. Diese Daten zeigen eindeutig, dass die Schuppenflechte keine harmlose Erkrankung ist [...]. Demnach ist auch klar, dass Patienten mit Psoriasis eine dauerhafte Behandlung benötigen, nicht nur um die Lebensqualität dieser Patienten zu verbessern, sondern auch um ihnen schwere Folgeerkrankungen, welche letzten Endes auch das Gesundheitssystem belasten, zu ersparen. [...] Das bessere Verständnis der zugrunde liegenden Pathomechanismen hat in den letzten Jahren auch zur Entwicklung einer Fülle von neuen Medikamenten, insbesondere Biologika, geführt. Dabei handelt es sich um Substanzen, die mit moderner Biotechnologie meist in gentechnisch veränderten Organismen hergestellt werden. Diese Medikamente [...] haben bei einem Großteil der Patienten zu einer dauerhaften Besserung der Erkrankung geführt. In der Zukunft zeichnen sich zahlreiche neue Entwicklungen ab, nicht nur in Form von neuen Biologika und neuen anderen Medikamenten, sondern insbesondere in Form einer für den einzelnen Patienten maßgeschneiderten Therapie. [...] Zusammenfassend wissen wir heute, dass es sich bei der Psoriasis um keine Allerweltserkrankung handelt [...]. Diese Patienten haben ebenso wie Patienten mit Tumorerkrankungen, anderen chronischen Erkrankungen wie rheumatoide Arthritis oder Multiple Sklerose das Recht auf eine moderne dauerhafte, wirksame und sichere Behandlung. Auch Krankenkassen und Politiker sollten dies in Zukunft anerkennen und einerseits dem Patienten diese moderne Therapie ohne Hürden ermöglichen sowie die Erforschung dieser dermatologischen Krankheitsbilder fördern. Im Übrigen kommen die wissenschaftlichen Erkenntnisse zur Pathogenese der Psoriasis nicht nur diesen Patienten zugute, sondern [...] auch Patienten mit anderen chronisch entzündlichen Erkrankungen wie rheumatoide Arthritis, chronische Darmerkrankungen und Multiple Sklerose.“

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