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Foto: Kinderklinik Heilbronn
6 Monate alt, vor Therapie.
 
Dermatologie 4. März 2009

Meilenstein bei problematischen Hämangiomen

Sensationelle Resultate aus Frankreich liefern größten Fortschritt seit 30 Jahren.

Mit einem spontan eingeschobenen Vortrag lieferte Dr. Christina Kosel von der Kinderklinik der SLK-Kliniken Heilbronn Gmbh das Überraschungs-Highlight auf dem Pädiatrischen Fortbildungskurs in Obergurgl Ende Jänner 2009. Ihren Ausführungen nach wurde durch Zufall eine revolutionäre Therapieoption für Hämangiome entdeckt, deren Ergebnisse bereits mehrfach reproduziert wurden und nun in zwei Studien weiter untersucht werden sollen. Es handelt sich dabei um den in der Kardiologie bereits bewährten Beta-2-Blocker Propranolol.

 

„Am 13. Juni 2008 erhielten wir über Dr. Lisa Weibel, Universitätskliniken Zürich, per Mail eine Mitteilung aus Frankreich über die Zufallsentdeckung einer Arbeitsgruppe aus Bordeaux – Bordeaux Children‘s Hospital – und aus Pessach – Haut-Lévêque Heart Hospital. Darin wurde über absolut faszinierende Behandlungserfolge mit dem Beta-2-Blocker Propranolol bei problematischen Hämangiomen berichtet. Diese konnten bisher praktisch nur mit Prednisolon oder Vincristin behandelt werden“, eröffnete Kosel ihren Bericht.

Revolutionäre Zufallsentdeckung

Die Arbeitsgruppe in Frankreich behandelte zunächst ein Kind mit ausgedehntem Hämangiom im Nasenbereich mit Prednisolon. Kosel: „Das Kind entwickelte zusätzlich eine hypertrophe Kardiomyopathie und erhielt daher auch Propranolol. Bereits einen Tag später fiel auf, dass das Hämangiom abblasste und kleiner wurde.“ Die erstaunliche Besserung hielt auch nach Beendigung der Prednisolontherapie an, das Hämangiom bildete sich fast vollständig zurück.

„Unsere KollegInnen in Frankreich behandelten in der Folgezeit zehn weitere Kinder mit ausgedehnten entstellenden Hämangiomen mit Propranolol mit hervorragendem Erfolg, jeweils nachdem die Eltern zuvor eine schriftliche Zustimmung zu dieser Behandlungsform gegeben hatten, da es sich um eine off-Label-Therapie handelte“, berichtete Kosel.

Geplant sind nun zwei parallel laufende Studien, jeweils unter organisatorischer Leitung von Dr. Joachim Riethmüller von der Universitätskinderklinik Tübingen. „Das Ziel der Praxis-orientierten Studie ist, dass die Propranolol-Behandlung möglichst rasch Eingang in das Behandlungsspektrum derjenigen Kliniken findet, welche sich mit der Behandlung problematischer Hämangiome im Kindesalter befassen“, erläuterte Kosel. Sie und Prof. Dr. Hansjörg Cremer, Leiter des Netzwerkes interdisziplinäre pädiatrische Dermatologie e.V. (NipD, www.hautnet.de), Heilbronn, sind Projektleiter dieser Studie. Kosel zählte die Hauptfragen auf, die investigativ geklärt werden sollen: „Wir wissen nicht, ob alle Hämangiomformen darauf reagieren – wie zum Beispiel generalisierte Hämangiomatosen, tufted Angiome oder kaposiforme Hämangioendotheliome. Gibt es eine Altersgrenze? Sollte nur bei noch wachsenden Hämangiomen behandelt werden? Was sind Ausschluss-Kriterien für eine Behandlung? Kann es bei frühem Absetzen zu einem Rebound – ähnlich wie unter Prednisolon – kommen?“

Zulassungsstudie geplant

Ziel der zweiten Forschungs-orientierten Studie ist letztendlich eine offizielle Zulassung von Propranolol für die Hämangiom-Behandlung durch eine organisierte randomisierte Studie. „Dies ist allerdings mit einem enormen finanziellen und organisatorischen Aufwand verbunden und bedarf der Hilfe erfahrener Zentren“, erklärte Kosel.

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www.hautnet.de
Foto: Kinderklinik Heilbronn

6 Monate alt, vor Therapie.

Nach 3,5 Monaten Propranolol.

Von Dr. Karin Reischl, Ärzte Woche

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