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Viele Patienten wissen nicht, welche Inhaltsstoffe sie meiden sollen.
 
Dermatologie 2. März 2011

Allergisch, aber unverbesserlich

Aufklärung ist wichtig, denn viele Arzneimittelallergiker nehmen den Allergieauslöser später erneut ein, manche sogar absichtlich.

Über sieben Prozent der Bevölkerung leiden an einer Arzneimittel-Unverträglichkeit. Häufige Auslöser von Allergien sind Penizillin und andere Antibiotika, aber auch Schmerzmittel können Urtikaria, Schock oder Asthma verursachen. Wie eine Studie nun zeigt, schluckt jeder Dritte mit einer Medikamentenallergie später wieder Präparate, in denen die für ihn gefährlichen Auslöser enthalten sind.

 

Der Allergologe Prof. Dr. Thomas Fuchs und sein Team von der Hautklinik der Universitätsmedizin Göttingen stellten fest, dass viele Arzneimittelallergiker auch dann noch gefährdet sind, wenn ihre Unverträglichkeit eigentlich bekannt ist.1 Denn jeder Dritte nimmt einige Jahre nach der Diagnose wieder ein Arzneimittel mit dem Allergieauslöser ein.

„Patienten mit einer Allergie auf Arzneistoffe vergessen oder ignorieren die Empfehlungen ihres Allergologen mit der Zeit. Erschreckend ist, dass sich sogar Ärzte über unsere Empfehlungen hinwegsetzen und den Allergieauslöser verordnen“, so der Experte. Im schlimmsten Fall drohe ein Schock mit Lebensgefahr. Der Allergologe hatte mit seinem Team 80 Patienten mit einer Allergie auf nicht-steroidale Schmerzmittel wie ASS, Paracetamol, Diclofenac oder Ibuprofen nach ihren Erfahrungen einige Jahre nach der Diagnose befragt. 41 Prozent hatten das auslösende Medikament trotz der bekannten Allergie erneut eingenommen.

Der Grund ist häufig, dass viele Betroffene nicht mehr wissen, was ihre Allergiesymptome damals ausgelöst hat. Oder sie erinnern sich nicht mehr, welche für sie sicheren Alternativen ihnen empfohlen worden sind. Viele sind auch mit dem Beipackzettel überfordert und erkennen nicht, welche Inhaltsstoffe in dem jeweiligen Präparat enthalten sind – wenn sie ihn überhaupt lesen. Es kam aber auch vor, dass Ärzte das Medikament mit dem Allergieauslöser verordneten. Und dann gab es noch diejenigen Patienten, die das für sie unverträgliche Präparat absichtlich noch einmal nahmen, nur um zu sehen, ob die Reaktion wieder auftrat.

Laut Prof. Fuchs ist es daher äußerst wichtig, Menschen mit Arzneimittelallergien ausführlich aufzuklären. Am besten sollten die Patienten ein Jahr nach Diagnosestellung wieder vorstellig werden.

Patienten sollten immer einen Allergiepass bei sich tragen, in dem der Auslöser vermerkt ist und der dem Arzt oder Apotheker gegebenenfalls gezeigt werden kann. Hilfreich wäre es natürlich auch, wenn die Patienten selber ihre Ärzte darauf hinweisen würden.

 

1 Buhl, T. et al.: J Allergy Clin Immunol 2011: 127(1): 284–5

 

Quelle: Ärzteverband Deutscher Allergologen e. V. (ÄDA)

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