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Dermatologie 13. Februar 2009

„Komm zu mir, bevor das Packerl leer ist!“

Aknetherapie bei Jugendlichen erfordert besonderes Einfühlungsvermögen.

Geduld, Zeit und Empathie sind drei Dinge, die man unbedingt für eine erfolgreiche Aknetherapie braucht“, so Prof. Dr. Klemens Rappersberger, Leiter der Dermatologischen Abteilung der Krankenanstalt Rudolfsstiftung in Wien auf einer Fortbildungsveranstaltung der Wiener Ärztekammer zum Thema Akne bei Jugendlichen. Etwa 30 Minuten nimmt die Aufklärung eines Aknepatienten und dessen Erziehungsberechtigten über das Krankheitsbild und die Therapie in Anspruch.

„Eine genaue Anamnese ist essenziell: Wie lange besteht die Akne? Wie schaut die bisherige Behandlung aus? Welche Form der Akne liegt vor?“, betonte Rappersberger.

Gerade bei der Akne mit ihrem oft langjährigen Verlauf ist es besonders wichtig, das Vertrauen der Patienten zu gewinnen, weil es immer wieder notwendig ist, Korrekturen in der Therapie vorzunehmen.

Ohne Komedo keine Akne

„Keine ‚Mitesser‘ – keine Akne vulgaris“, formulierte Rappersberger kurz und bündig. Wichtige Pathomechanismen der Akne stellen eine verstärkte Talgproduktion und eine abnorme Keratinisierung im Ausführungsgang der Talgdrüsen bzw. des Follikels dar. Schließlich besiedeln Bakterien die Follikel. Es bilden sich Papeln und Pusteln – oft versuchen die Jugendlichen durch Manipulationen an den Entzündungen selbst Abhilfe zu schaffen, aber gerade durch das „Drücken“ werden die entzündeten Haar-Talgdrüsen-Apparate zerstört – sie platzen unter der Haut, freie Fettsäuren, die durch bakterielle Zersetzung des Sebums entstanden sind, gelangen ins Gewebe. Neutrophile Granulozyten werden attrahiert, was eine weitere Entzündung aufrechterhält. Es entsteht ein Teufelskreis, der unbedingt durch eine konsequente Therapie und Betreuung unterbrochen werden muss.

Zum Übergang von einer Acne papulopustulosa in eine Acne nodulocystica oder conglobata braucht es Sekundärfaktoren. In erster Linie liegt eine noch nicht näher identifizierte genetische Veranlagung vor (Anamnese!). Wichtige Kofaktoren können Medikamente wie Lithium und Phenytoin sein. Auch an steroidale Anabolika muss gedacht werden, erläuterte Rappersberger.

Ein besonderes Problem einer Acne conglobata stellt nicht nur die große unmittelbare Belastung dar, sondern auch der Umstand, dass der – oft massiven – Gewebszerstörung häufig eine narbige Abheilung, gelegentlich mit Keloiden folgt.

Acne neonatorum wird durch maternale Androgene verursacht. Mit einfachen pflegerischen Maßnahmen heilt sie mit fünf bis sechs Monaten ab. Bei der Acne infantum ist an einen hormonproduzierenden Tumor zu denken. Eine Kontaktdermatitis ist differenzialdiagnostisch durch eine gleichzeitig bestehende Schuppung zu unterscheiden.

Als Acne cosmetica, Pomadenakne oder Ölakne bezeichnet man jene Form, die durch komedogene Substanzen gefördert wird, die in verschiedenen Kosmetika enthalten sind.

Hautpflege

Um normale Haut zu reinigen, empfiehlt es sich, Reinigungsmilch zu verwenden, danach die Haut abzuwaschen, abzutrocken und anschließend eine Pflegesalbe wie Ultrasic/Ultrabas oder ähnliche Zubereitungen aufzutragen. „Besteht eine Akne, müssen die Hyperkeratosen aufgelöst werden, also sind keratinolytische Substanzen erfoderlich. Bestehen Papeln – sprich: gibt es Entzündungen –, dann sollte antibiotisch behandelt werden“, mahnte Rappersberger. Falls topische Antibiotika nicht ausreichen, empfahl er für die akute Phase eine systemische Antibiotikatherapie: anfangs zweimal 50 mg Minocyclin, dann 50 mg Tagesdosis. Als topische Therapie kommen Kombinationspräperate aus keratinolytischen Substanzen und Antibiotika infrage.

Gründlich aufklären

Isotretinoin-13-cis-Retinsäure wird bei schweren Akneformen verordnet; wegen der Teratogenität des Medikamentes ist eine besondere Aufklärung notwendig. Da auf eine sorgfältige Kontrazeption unbedingt zu achten ist, empfiehlt Rappersberger, den Patientinnen Informationsbroschüren mitzugeben, in einem Gespräch ausführlich darüber aufzuklären und sich diese Aufklärung auch durch die Unterschriften der Patientinnen und deren Erziehungsberechtigten bestätigen zu lassen.

Immer wieder wird auch fälschlicherweise angenommen, Akne stünde mit Allergien im Zusammenhang. Auch hier räumt eine gute Beratung allfällige Missverständnisse aus. Rappersberger mahnte: „Vergessen Sie nicht, Ihre jugendlichen Patientinnen und Patienten darauf hinzuweisen, dass durch die gesamte Periode der Pubertät immer wieder Rezidive auftreten können.“

Ein wichtiger Punkt ist auch, dass Patienten darüber informiert werden müssen, dass sie schon im frühen Stadium eines Rezidivs zum Arzt kommen sollen. Da jeweils nur eine bestimmte Menge des erforderlichen Medikaments verschrieben werden kann, ist es ist notwendig, den Jugendlichen verständlich zu machen, dass sie vor dem Aufbrauchen der letzten Tablette zur Kontrolle in die Ordination kommen müssen, damit die Therapie nicht unterbrochen wird, betonte Rappersberger.

Praxistipp
Topische Pflegeprodukte, die in Tuben statt in Tiegeln zubereitet sind, sind vor allem für Jugendliche, die viel Sport betreiben, wesentlich praktischer.
Karriere des Komedo
Komedo Acne comedonica
Papel Acne papulosa
Pustel Acne papulopustulosa
Knoten
Zyste
Fistel
Narbe
Acne nodulocystica

Dr. Karin Reischl, hautnah 1/2009

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